Der Afrikanische Zwergfrosch ist ein vollständig aquatisch lebender Frosch aus dem tropischen Zentralafrika. Mit nur 2,5–4 cm Körperlänge gehört er zu den kleinsten Froscharten der Welt und ist ein äußerst beliebtes Aquarientier. Anders als der verwandte Krallenfrosch besitzt er Schwimmhäute an allen vier Füßen.
| Wissenschaftlicher Name | Hymenochirus boettgeri |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Zungenlose Frösche (Pipidae) |
| Gattung | Hymenochirus |
| Größe | 2,5–4 cm |
| Gewicht | 2–5 g |
| Lebenserwartung | 5–8 Jahre |
| Verbreitung | Zentralafrika (Kongobecken, Kamerun, Nigeria, Gabun) |
| Lebensraum | Flache, stehende Gewässer, überflutete Wälder |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | Ab 20 Liter (für eine kleine Gruppe) |
| Temperatur | 22–28 °C |
| pH-Wert | 6,5–7,5 |
| Wasserhärte | 5–15 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Afrikanische Zwergfrosch ist ein winziger, vollständig aquatischer Frosch mit einer Körperlänge von nur 2,5–4 cm. Der Körperbau ist schlank und abgeflacht mit einem kleinen, spitzen Kopf. Die Haut ist glatt und feucht, von graubrauner bis olivbrauner Farbe mit dunkleren Flecken und Punkten. Die Unterseite ist heller, oft weißlich bis hellgrau.
Im Gegensatz zum größeren Krallenfrosch (Xenopus laevis) besitzt der Zwergfrosch Schwimmhäute an allen vier Füßen und hat vorne keine Krallen. Die Augen sind klein und seitlich am Kopf positioniert. Wie alle Pipidae besitzt er keine Zunge und keine Zähne. Die Geschlechtsbestimmung ist bei adulten Tieren möglich: Männchen sind kleiner und schlanker, Weibchen zeigen eine deutliche Birnenform durch die Eier im Körper.
Verbreitung & Lebensraum
Der Afrikanische Zwergfrosch stammt aus dem tropischen Zentralafrika, insbesondere aus dem Kongobecken und angrenzenden Regionen in Kamerun, Nigeria und Gabun. Er bewohnt flache, stehende oder langsam fließende Gewässer im tropischen Regenwald – darunter überflutete Waldgebiete, Sümpfe, Tümpel und langsame Bäche.
In seinem natürlichen Lebensraum bevorzugt er flache Gewässer mit dichter Vegetation und einem weichen, schlammigen Boden. Das Wasser ist oft warm, leicht sauer und nährstoffreich. Als vollständig aquatische Art verlässt er das Wasser normalerweise nicht, kommt aber regelmäßig an die Oberfläche, um Luft zu atmen.
Lebensweise & Verhalten
Der Afrikanische Zwergfrosch ist ein friedlicher, geselliger Frosch, der am besten in kleinen Gruppen von 3–5 Tieren gehalten wird. Er ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigt aber auch tagsüber Aktivität. Die meiste Zeit verbringt er am Boden des Gewässers oder zwischen Pflanzen, steigt aber alle paar Minuten an die Wasseroberfläche, um Luft zu holen.
Männchen produzieren während der Paarungszeit einen summenden Ruf, der unter Wasser deutlich hörbar ist. Die Tiere sind sehr neugierig und können zahm werden, wenn du sie regelmäßig fütterst. Sie bewegen sich durch charakteristisches „Paddeln" mit allen vier Beinen fort und können auch kurze Strecken springen.
Ernährung
In der Natur ernährt sich der Afrikanische Zwergfrosch von Kleinstlebewesen wie Wasserflöhen, Mückenlarven, Würmern und anderen aquatischen Wirbellosen. Er ist ein Lauerjäger, der seine Beute mit ruckartigen Saugbewegungen des Mauls aufnimmt – da er keine Zunge besitzt, kann er Nahrung nicht wie andere Frösche fangen.
Im Aquarium fütterst du am besten mit aufgetauten Mückenlarven (rot und schwarz), Artemia, Daphnien und feinem Frostfutter. Auch spezielle Pellets für Zwergfrösche werden nach Eingewöhnung akzeptiert. Füttere kleine Mengen 1–2 Mal täglich und achte darauf, dass alle Tiere Futter abbekommen, da Zwergfrösche beim Fressen etwas langsam sind.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung kann im Aquarium ganzjährig stattfinden, wird aber durch einen simulierten Wasserwechsel mit etwas kühlerem Wasser ausgelöst. Das Männchen umklammert das Weibchen in einer typischen Amplexus-Stellung und schwimmt mit ihm in Schleifen durch das Aquarium. Dabei gibt das Weibchen einzelne Eier ab, die an der Wasseroberfläche treiben.
Ein Gelege umfasst 100–750 winzige Eier. Die Kaulquappen schlüpfen nach etwa 48 Stunden und sind extrem klein (ca. 3 mm). Sie ernähren sich zunächst von Infusorien und können nach wenigen Tagen mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien gefüttert werden. Die Metamorphose ist nach etwa 6–8 Wochen abgeschlossen. Die Aufzucht ist anspruchsvoll und erfordert sehr feines Futter und sauberes Wasser.
Haltung im Aquarium
Der Afrikanische Zwergfrosch ist ein ideales Aquarientier für kleinere Becken. Ein Aquarium ab 20 Litern reicht für eine kleine Gruppe von 3–4 Tieren. Der Wasserstand sollte nicht höher als 30 cm sein, da die Frösche regelmäßig zum Luftholen an die Oberfläche müssen. Die Wassertemperatur sollte zwischen 22 und 28 °C liegen, der pH-Wert bei 6,5–7,5.
Richte das Aquarium mit feinem Sand als Bodengrund, vielen Wasserpflanzen (Javamoos, Hornkraut, Wasserlinsen) und kleinen Verstecken ein. Ein leiser Filter mit geringer Strömung ist empfehlenswert. Wichtig: Das Becken muss lückenlos abgedeckt sein, da die Frösche trotz ihrer geringen Größe erstaunlich gut klettern können. Eine Vergesellschaftung mit kleinen, friedlichen Fischarten (z. B. Neons, Endler-Guppys) ist möglich, wenn du sicherstellst, dass die Frösche genug Futter abbekommen.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Afrikanische Zwergfrosch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet ist er weit verbreitet und häufig. Die größte potenzielle Bedrohung ist die Zerstörung tropischer Regenwälder und die damit verbundene Entwässerung von Feuchtgebieten.
Im Aquarienhandel ist die Art weltweit sehr beliebt und wird überwiegend nachgezüchtet. Achte beim Kauf darauf, den Zwergfrosch nicht mit dem deutlich größeren Krallenfrosch (Xenopus laevis) zu verwechseln, der ausgewachsen bis 12 cm groß wird und andere Aquarienbewohner fressen kann.
Quellen
- AmphibiaWeb: Hymenochirus boettgeri – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Hymenochirus boettgeri – iucnredlist.org
- Rödel, M.-O. (2000): Herpetofauna of West Africa. Volume I: Amphibians. Edition Chimaira.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
- Mergus Verlag (2005): Aquarien Atlas. Band 1. Mergus.
