Der Alpen-Feuersalamander ist eine äußerst seltene Unterart des Alpensalamanders, die ausschließlich auf der Asiago-Hochebene in den italienischen Alpen vorkommt. Im Gegensatz zum rein schwarzen Alpensalamander zeigt er auffällige gelbe bis weiße Flecken auf dunklem Grund. Er ist lebendgebärend und bringt vollständig entwickelte Jungtiere zur Welt.
| Wissenschaftlicher Name | Salamandra atra aurorae |
| Ordnung | Schwanzlurche (Caudata) |
| Familie | Echte Salamander (Salamandridae) |
| Gattung | Salamandra |
| Größe | 10–13 cm |
| Gewicht | 8–15 g |
| Lebenserwartung | 10–20 Jahre |
| Verbreitung | Italienische Alpen (Asiago-Hochebene, Provinz Vicenza) |
| Lebensraum | Feuchte Bergwälder, alpine Wiesen, 1.200–1.800 m Höhe |
| Schutzstatus | Vom Aussterben bedroht (CR) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Alpen-Feuersalamander erreicht eine Gesamtlänge von 10–13 cm und ist damit ähnlich groß wie der nominate Alpensalamander. Sein auffälligstes Merkmal ist die Zeichnung: Auf glänzend schwarzem Grund trägt er unregelmäßige gelbe, cremefarbene bis weißliche Flecken, die vor allem auf dem Rücken und den Flanken ausgeprägt sind. Dieses Muster erinnert an den Feuersalamander, ist jedoch individuell sehr variabel.
Die Haut ist glatt und feucht mit deutlich sichtbaren Parotiden (Ohrdrüsen) hinter den Augen. Der Körper ist gedrungen mit relativ kurzen Beinen und einem runden Schwanz. Die Unterseite ist dunkelgrau bis schwarz. Jedes Individuum trägt ein einzigartiges Fleckenmuster, das zur individuellen Erkennung bei Forschungsprojekten genutzt wird.
Verbreitung & Lebensraum
Der Alpen-Feuersalamander hat eines der kleinsten Verbreitungsgebiete aller europäischen Amphibien. Er kommt ausschließlich auf der Asiago-Hochebene (Altopiano dei Sette Comuni) in der Provinz Vicenza in Nordostitalien vor. Das Gesamtverbreitungsgebiet umfasst weniger als 30 km² in Höhenlagen zwischen 1.200 und 1.800 Metern.
Als Lebensraum bevorzugt er feuchte, schattige Buchenwälder und Bergmischwälder mit reichem Totholz und Moos. Er hält sich bevorzugt in der Nähe von kleinen Bächen, Quellen und feuchten Felsspalten auf. Die geringe Verbreitungsfläche macht diese Unterart besonders anfällig für Umweltveränderungen und lokale Katastrophen.
Lebensweise & Verhalten
Der Alpen-Feuersalamander ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Bei feuchtem Wetter oder Regen kannst du ihn gelegentlich auch tagsüber beobachten. Er lebt am Boden und versteckt sich tagsüber unter Steinen, Totholz, in Felsspalten oder Mäuselöchern.
Wie der Alpensalamander ist auch diese Unterart hervorragend an das raue Bergklima angepasst. Die Aktivitätsperiode beschränkt sich auf die Monate Mai bis Oktober, den Rest des Jahres verbringt er in einer Winterstarre in frostfreien unterirdischen Verstecken. Die Tiere sind standorttreu und bewegen sich in kleinen Revieren von wenigen Quadratmetern.
Ernährung
Die Nahrung des Alpen-Feuersalamanders besteht aus kleinen Wirbellosen, die er auf dem Waldboden und unter Totholz erbeutet. Dazu zählen Insekten (besonders Käfer und deren Larven), Spinnen, Asseln, kleine Schnecken und Regenwürmer. Die Beute wird durch direktes Zupacken mit dem Maul gefangen.
Aufgrund der kurzen Aktivitätsperiode im Gebirge muss der Alpen-Feuersalamander in den Sommermonaten ausreichend Fettreserven für die lange Winterruhe anlegen. Die Nahrungssuche findet überwiegend bei feuchten Bedingungen während der Dämmerung und Nacht statt.
Fortpflanzung
Der Alpen-Feuersalamander ist wie alle Alpensalamander vollständig vivipar (lebendgebärend). Die Weibchen bringen nach einer extrem langen Tragzeit von 2–3 Jahren ein bis zwei vollständig entwickelte, lungenatmende Jungtiere zur Welt. Diese Anpassung an das Hochgebirgsklima macht die Art unabhängig von Laichgewässern.
Die Paarung findet im Sommer statt, wobei das Männchen ein Spermatophor (Samenpaket) absetzt, das vom Weibchen aufgenommen wird. Die Embryonalentwicklung findet vollständig im Uterus der Mutter statt. Die Jungtiere sind bei der Geburt etwa 4–5 cm lang und sofort selbstständig. Die Geschlechtsreife wird erst nach 4–5 Jahren erreicht, was zusammen mit der geringen Nachkommenzahl die Art besonders verletzlich macht.
Haltung im Terrarium
Die Haltung des Alpen-Feuersalamanders im Terrarium ist aus Artenschutzgründen nicht möglich und nicht empfehlenswert. Die Art ist vom Aussterben bedroht und steht unter strengstem Schutz. Jegliche Entnahme aus der Natur ist streng verboten und wird strafrechtlich verfolgt.
Falls du dich für die Haltung von Salamandern interessierst, gibt es zahlreiche weniger gefährdete Arten, die in Nachzucht erhältlich sind, wie etwa den Feuersalamander (Salamandra salamandra). Der Alpen-Feuersalamander sollte ausschließlich im Rahmen wissenschaftlicher Schutzprojekte untersucht und geschützt werden.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Alpen-Feuersalamander wird von der IUCN als „Critically Endangered" (vom Aussterben bedroht) eingestuft. Die Gesamtpopulation wird auf weniger als 2.000 geschlechtsreife Individuen geschätzt. Das extrem kleine Verbreitungsgebiet, die geringe Reproduktionsrate und die Bedrohung durch den Chytridpilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) machen diese Unterart zu einer der am stärksten bedrohten Amphibien Europas.
Weitere Gefährdungsfaktoren sind Habitatverlust durch Forstwirtschaft, Klimawandel (Verschiebung der Vegetationszonen) und die zunehmende touristische Erschließung der Asiago-Hochebene. Italienische Naturschutzbehörden führen Monitoring-Programme durch und haben Schutzgebiete ausgewiesen, um das Überleben dieser einzigartigen Unterart zu sichern.
Quellen
- AmphibiaWeb: Salamandra atra aurorae – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Salamandra atra – iucnredlist.org
- Bonato, L. & Steinfartz, S. (2005): Evolution of the melanistic colour in the Alpine Salamander as revealed by a rare colour variant. Italian Journal of Zoology, 72(3), 253–260.
- Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
