Die Amano-Garnele im Überblick
Die Amano-Garnele (Caridina multidentata, früher Caridina japonica) ist eine 4–6 cm große Süßwassergarnele aus Japan, Taiwan und Korea. Sie wurde durch den japanischen Aquascaper Takashi Amano weltweit bekannt, der sie als natürliche Algenbekämpfer in seinen Aquascapes einsetzte. Bis heute gilt sie als die effektivste Algen fressende Garnele überhaupt.
Die Tiere sind transparent bis grünlich-grau gefärbt mit charakteristischen Punktreihen an den Seiten. Weibchen werden etwas größer als Männchen und zeigen Striche statt Punkte. Amano-Garnelen sind robust, langlebig (3–5 Jahre) und relativ pflegeleicht, was sie auch für Anfänger geeignet macht.
Algenfressende Eigenschaften
Die Amano-Garnele frisst ein breites Spektrum an Algenarten, darunter Fadenalgen, Pelzalgen, Bartalgen und sogar die gefürchteten Pinselalgen – eine Algenart, die von den meisten anderen Algenfressern verschmäht wird. Ihre Effizienz als Algenfresser ist unübertroffen: Eine Gruppe von 10 Amano-Garnelen kann ein 200-Liter-Aquarium weitgehend algenfrei halten.
Die Garnelen weiden systematisch alle Oberflächen ab – Blätter, Steine, Wurzeln, Glasscheiben und sogar Filtermedien. Sie fressen sowohl weiche Grünalgen als auch härtere Algenbeläge, die andere Algenfresser nicht anrühren. Ihre Effizienz steigt, wenn sie in ausreichend großen Gruppen gehalten werden und nicht überfüttert werden.
Wichtig: Wenn du deine Amano-Garnelen als Algenfresser einsetzen möchtest, füttere sie nicht oder nur sehr sparsam zu. Bei reichlichem Futterangebot bevorzugen die Tiere das bequemere Fertigfutter und lassen die Algen links liegen.
Haltungsanforderungen
Amano-Garnelen sind anspruchslos und kommen mit einem breiten Spektrum an Wasserwerten zurecht. Ideal sind Temperaturen von 20–26 °C, ein pH-Wert von 6,5–8,0 und eine Gesamthärte von 4–15 °dGH. Sie vertragen sowohl weiches als auch mittelhartes Wasser und sind damit deutlich toleranter als die meisten anderen Caridina-Arten.
Die Haltung in Gruppen von mindestens 5–10 Tieren ist empfehlenswert, da die Garnelen in der Gruppe aktiver sind und ihre Algenvernichtungsleistung steigt. Für ein 60-cm-Aquarium werden etwa 10 Tiere empfohlen, für ein 100-cm-Becken 20–30 Stück. Die Vergesellschaftung mit friedlichen Fischen ist problemlos möglich, solange die Fische nicht groß genug sind, um die Garnelen zu fressen.
Ernährung und Fütterung
In einem gut bepflanzten Aquarium mit ausreichend Aufwuchs finden Amano-Garnelen genug Nahrung durch Algen und Biofilme. Wenn keine Algenprobleme vorliegen, kannst du gelegentlich mit speziellem Garnelenfutter, überbrühtem Gemüse oder getrockneten Blättern zufüttern.
Amano-Garnelen sind beim Fressen erstaunlich durchsetzungsstark – sie können sogar größeren Fischen Futterstücke entreißen. Dieses Verhalten ist normal und kein Zeichen von Aggression. Trotzdem solltest du darauf achten, dass auch andere Beckenbewohner ausreichend Futter bekommen.
Zucht – eine Herausforderung
Die Zucht von Amano-Garnelen gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der Garnelenhaltung. Die Art gehört zum primitiven Fortpflanzungstyp: Aus den Eiern schlüpfen keine fertig entwickelten Junggarnelen, sondern winzige Larven, die für ihre Entwicklung Brackwasser (ca. 33 ‰ Salzgehalt) benötigen.
Die Weibchen tragen bis zu 2.000 Eier unter dem Hinterleib. Die geschlüpften Larven müssen in ein separates Brackwasserbecken überführt werden, wo sie sich über einen Zeitraum von 4–6 Wochen durch mehrere Larvenstadien entwickeln. Die Fütterung erfolgt mit Phytoplankton und feinstem Staubfutter. Nach der Metamorphose zu juvenilen Garnelen werden die Tiere langsam an Süßwasser gewöhnt.
Tipps für den effektiven Einsatz
Um das volle Potenzial deiner Amano-Garnelen als Algenfresser auszuschöpfen, beachte folgende Tipps: Setze die Garnelen in ausreichend großer Zahl ein (1 Garnele pro 5–10 Liter). Reduziere die Zufütterung auf ein Minimum. Sorge für eine gute Bepflanzung und Beleuchtung, die den Aufwuchs fördert.
Beachte, dass Amano-Garnelen keine Wunderwaffe sind – bei massivem Algenproblem musst du zunächst die Ursache (zu viel Licht, zu viele Nährstoffe, zu wenig CO₂) bekämpfen. Die Garnelen halten dann ein bereits ausbalanciertes Becken langfristig algenfrei. Kombiniere sie bei Bedarf mit anderen Algenfressern wie Otocinclus-Welsen oder Rennschnecken.
Quellen
- Amano, T. (2003): Nature Aquarium World. T.F.H. Publications.
- Lukhaup, C. & Pekny, R. (2010): Garnelen, Krebse und Krabben im Süßwasseraquarium. Dähne Verlag.
- Werner Klotz & Andreas Karge (2013): Süßwassergarnelen aus aller Welt. Dähne Verlag.
