Ambrosis Höhlensalamander ist ein lungenloser Salamander, der in den Höhlen und Felsspalten Nordwestitaliens lebt. Er atmet ausschließlich über die Haut und besitzt eine einzigartige Projektilzunge, mit der er Beute fängt. Die Art ist an das Leben in kühlen, feuchten Höhlenumgebungen hervorragend angepasst.
| Wissenschaftlicher Name | Speleomantes ambrosii |
| Ordnung | Schwanzlurche (Caudata) |
| Familie | Lungenlose Salamander (Plethodontidae) |
| Gattung | Speleomantes |
| Größe | 10–13 cm |
| Gewicht | 5–10 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Nordwestitalien (Ligurien, Toskana) |
| Lebensraum | Höhlen, Felsspalten, feuchte Schluchten |
| Schutzstatus | Gefährdet (VU) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Ambrosis Höhlensalamander erreicht eine Gesamtlänge von 10–13 cm und ist schlank gebaut mit einem relativ großen, abgeflachten Kopf. Die Grundfarbe ist dunkelbraun bis schwarzbraun, oft mit unregelmäßigen helleren Flecken oder einer feinen hellen Sprenkelung auf dem Rücken. Die Bauchseite ist etwas heller und kann gräulich bis dunkelbraun sein.
Als Vertreter der lungenlosen Salamander (Plethodontidae) besitzt diese Art keine Lungen und atmet ausschließlich über die dünne, feuchte Haut und die Mundschleimhaut. Zwischen den Nasenlöchern und der Oberlippe verläuft eine charakteristische Nasolabialrinne (Nasolabialfurche), die bei der Geruchswahrnehmung eine wichtige Rolle spielt. Die Füße haben teilweise verwachsene Zehen mit kleinen Schwimmhäuten, die beim Klettern auf feuchten Felsen helfen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Ambrosis Höhlensalamander kommt ausschließlich in Nordwestitalien vor, hauptsächlich in der Region Ligurien und in angrenzenden Teilen der Toskana. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich entlang der ligurischen Küste und ins Hinterland der Apuanischen Alpen.
Die Art bewohnt bevorzugt Kalksteinhöhlen, Felsspalten, feuchte Schluchten und schattige Felsüberhänge. Du findest ihn in Höhenlagen vom Meeresniveau bis etwa 1.500 m. In Höhlen dringt er oft tief ins Innere vor, wo konstante Temperaturen von 10–14 °C und eine Luftfeuchtigkeit nahe 100 % herrschen. Außerhalb von Höhlen lebt er unter Steinen und in tiefen Felsspalten.
Lebensweise & Verhalten
Ambrosis Höhlensalamander ist überwiegend nachtaktiv und verlässt seine Verstecke nur bei hoher Luftfeuchtigkeit. In Höhlen kann er jedoch auch tagsüber aktiv sein, da dort konstante Bedingungen herrschen. Er bewegt sich geschickt auf feuchten Felswänden und kann sogar an glatten, vertikalen Flächen klettern.
Die Art besitzt eine bemerkenswerte Projektilzunge, die sie auf eine Entfernung von mehreren Zentimetern herausschleudern kann, um Beutetiere zu fangen. Diese Zungenmechanik ist eine der schnellsten bekannten Bewegungen im Tierreich. Die Tiere sind territorial und verteidigen ihre Versteckplätze gegenüber Artgenossen durch Drohgebärden und gelegentlich durch Bisse.
Ernährung
Die Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen Wirbellosen, die in und um Höhlen leben. Dazu gehören Spinnen, Asseln, Springschwänze (Collembola), kleine Käfer, Fliegen und Mücken. In Höhlen frisst er auch höhlenbewohnende Invertebraten wie Höhlenspinnen und Tausendfüßler.
Die Beute wird mit der blitzschnellen Projektilzunge erbeutet, die innerhalb von Millisekunden herausgeschleudert wird und an ihrer klebrigen Spitze die Beute festhält. Diese Jagdmethode ermöglicht es dem Salamander, auch scheue und schnelle Beutetiere zu fangen, ohne seine versteckte Position aufgeben zu müssen.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung des Ambrosis Höhlensalamanders ist direkt, das heißt, es gibt kein freilebendes Larvenstadium im Wasser. Das Weibchen legt wenige große, dotterreiche Eier (typischerweise 5–15 Stück) in feuchten Felsspalten oder Höhlenecken ab und betreibt aktive Brutpflege, indem es die Eier bewacht und feucht hält.
Die Entwicklung erfolgt vollständig innerhalb der Eihülle, und es schlüpfen fertig entwickelte Miniatur-Salamander. Die gesamte Embryonalentwicklung dauert mehrere Monate. Diese Fortpflanzungsstrategie macht die Art unabhängig von Gewässern, begrenzt jedoch die Nachkommenzahl erheblich. Die Geschlechtsreife wird erst nach 3–4 Jahren erreicht.
Haltung im Terrarium
Die Haltung von Ambrosis Höhlensalamander im Terrarium ist aufgrund des Schutzstatus und der speziellen Ansprüche nicht zu empfehlen. Die Art steht unter europäischem Schutz (FFH-Richtlinie, Anhang IV) und darf nicht der Natur entnommen werden.
Falls du dich für Höhlensalamander interessierst, informiere dich über eventuell verfügbare Nachzuchten verwandter Arten bei spezialisierten Züchtern. Ein geeignetes Terrarium müsste kühle Temperaturen (10–16 °C), extrem hohe Luftfeuchtigkeit (nahe 100 %) und zahlreiche Felsspalten-Verstecke bieten – Bedingungen, die schwer zu realisieren sind.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Ambrosis Höhlensalamander wird von der IUCN als „Vulnerable" (gefährdet) eingestuft. Hauptbedrohungen sind die Zerstörung und Störung seiner Höhlenlebensräume durch Tourismus, Steinbruchbetrieb und Baumaßnahmen. Auch der Klimawandel könnte langfristig die Feuchtigkeitsbedingungen in den Oberflächenhabitaten negativ beeinflussen.
Die Art ist im Anhang II und IV der europäischen FFH-Richtlinie gelistet und genießt damit strengen Schutz. Mehrere ihrer Vorkommensgebiete liegen in Natura-2000-Schutzgebieten. Forschungsprojekte überwachen die Populationsentwicklung und untersuchen die genetische Vielfalt der verbleibenden Bestände.
Quellen
- AmphibiaWeb: Speleomantes ambrosii – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Speleomantes ambrosii – iucnredlist.org
- Lanza, B. et al. (2006): Salamandrina terdigitata & Speleomantes – Fauna d'Italia, Amphibia. Calderini, Bologna.
- Vitt, L. J. & Caldwell, J. P. (2014): Herpetology. 4th Edition. Academic Press.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
