Der Antennenwels ist der wohl beliebteste Algenfresser in der Süßwasseraquaristik. Mit seinem Saugmaul raspelt er unermüdlich Aufwuchsalgen von Scheiben, Steinen und Wurzeln. Besonders auffällig sind die verzweigten Hautfortsätze (Antennen) auf der Schnauze der Männchen.
| Wissenschaftlicher Name | Ancistrus sp. |
| Ordnung | Welsartige (Siluriformes) |
| Familie | Harnischwelse (Loricariidae) |
| Gattung | Ancistrus |
| Größe | 10–15 cm |
| Lebenserwartung | 8–12 Jahre |
| Verbreitung | Südamerika (Amazonas-Becken, Orinoco-Becken) |
| Lebensraum | Fließgewässer, Bäche mit steinigem Untergrund |
| Aquarium | ab 80 Liter |
| Temperatur | 22–28 °C |
| pH-Wert | 6.0–7.5 |
| Wasserhärte | 2–15 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Antennenwels erreicht eine Körperlänge von 10–15 cm und besitzt den für Harnischwelse typischen abgeflachten Körperbau mit einem großen, runden Saugmaul an der Unterseite des Kopfes. Der Körper ist mit knöchernen Platten bedeckt, die ihm einen gepanzerten Eindruck verleihen. Die Grundfärbung variiert je nach Art und Herkunft von dunkelbraun bis schwarz, oft mit hellen Punkten oder Flecken.
Das auffälligste Merkmal sind die namensgebenden Antennen – verästelte Hautfortsätze auf der Schnauze, die bei ausgewachsenen Männchen besonders stark ausgeprägt und verzweigt sind. Weibchen besitzen keine oder nur sehr kleine, unverzweigte Auswüchse. Die Saugscheibe des Mauls ist mit feinen Raspelzähnen besetzt, mit denen der Wels Algen und Aufwuchs von harten Oberflächen abraspelt.
Verbreitung & Lebensraum
Die Gattung Ancistrus umfasst über 70 beschriebene Arten und viele weitere unbeschriebene Formen und ist in ganz Südamerika verbreitet. Die meisten Arten stammen aus dem Amazonas- und Orinoco-Becken in Brasilien, Venezuela, Kolumbien, Peru und Bolivien. Die im Aquarienhandel häufigste Art ist Ancistrus cf. cirrhosus, der oft als „Blauer Antennenwels" bezeichnet wird.
In der Natur bewohnen Antennenwelse fließende Gewässer mit steinigem bis kiesigem Untergrund. Sie bevorzugen Bereiche mit Totholz, Wurzeln und Felsstrukturen, an denen sich Aufwuchsalgen ansiedeln. In der Strömung festgesaugt an Steinen, raspeln sie den Algenbewuchs ab. Viele Arten kommen auch in kleineren Waldbächen mit weichem, saurem Wasser vor.
Lebensweise & Verhalten
Antennenwelse sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verstecken sie sich in Höhlen, unter Wurzeln oder zwischen Steinen und werden erst bei nachlassendem Licht aktiv. Dann beginnen sie, systematisch alle Oberflächen im Aquarium nach Algenaufwuchs abzugrasen. Im Aquarium kann man sie aber auch tagsüber bei der Nahrungssuche beobachten, besonders wenn sie an die Fütterung gewöhnt sind.
Männchen sind territorial und verteidigen ihre Höhle gegen andere Männchen. Es kann zu Rangeleien kommen, bei denen die Tiere ihre Kiemendeckeldornen abspreizen. In der Regel sind diese Auseinandersetzungen aber harmlos. Gegenüber anderen Fischarten sind Antennenwelse völlig friedlich. Sie können ein erstaunliches Alter von über 10 Jahren erreichen und werden im Laufe der Zeit immer zutraulicher.
Ernährung
Der Antennenwels ist ein Allesfresser mit einem Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. In der Natur ernährt er sich hauptsächlich von Aufwuchsalgen, die er mit seinen Raspelzähnen von Steinen und Holz löst. Er frisst auch Holz – Wurzelholz (Moorkienholz) sollte daher immer im Aquarium vorhanden sein, da die Zellulose für die Verdauung wichtig ist.
Im Aquarium biete ihm Algen-Tabs, Spirulina-Flocken, überbrühtes Gemüse (Gurke, Zucchini, Spinat, Paprika) und gelegentlich proteinreiches Frostfutter (Mückenlarven, Artemia) an. Füttere am besten abends, kurz vor dem Ausschalten der Beleuchtung, wenn die Welse aktiv werden. Eine abwechslungsreiche Ernährung hält die Tiere gesund und fördert die Zuchtbereitschaft.
Fortpflanzung
Die Zucht von Antennenwelsen gelingt im Aquarium relativ leicht und ist auch Anfängern möglich. Das Männchen bezieht eine Höhle (Tonröhre, Kokosnussschale, Schieferplatte) und lockt ein laichbereites Weibchen durch Fächelbewegungen der Brustflossen hinein. Das Weibchen legt dort 50–100 große, orangefarbene Eier ab.
Das Männchen übernimmt die gesamte Brutpflege: Es bewacht die Eier, belüftet sie durch Flossenbewegungen und frisst während dieser Zeit kaum. Nach 4–6 Tagen schlüpfen die Larven mit einem großen Dottersack, der sie für die ersten Tage ernährt. Sobald der Dottersack aufgezehrt ist, beginnen die Jungtiere, Aufwuchs und feinstes Staubfutter zu fressen. Die Aufzucht ist unkompliziert.
Haltung im Aquarium
Antennenwelse eignen sich für Aquarien ab 80 Litern. Die Einrichtung sollte Höhlen und Verstecke aus Wurzeln, Steinen, Tonröhren oder Kokosnussschalen umfassen. Eine oder mehrere Wurzeln aus Moorkienholz sind wichtig, da die Tiere das Holz abraspeln und die Zellulose für ihre Verdauung benötigen.
Die Wassertemperatur sollte bei 22–28 °C liegen, der pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5. Antennenwelse sind anspruchslos und tolerieren eine breite Spanne an Wasserwerten. Sie lassen sich hervorragend mit nahezu allen friedlichen Süßwasserfischen vergesellschaften und sind der perfekte Algenfresser für jedes Gesellschaftsbecken. Pro Männchen sollte mindestens eine Höhle vorhanden sein.
Gefährdung & Schutzstatus
Die meisten Ancistrus-Arten sind nicht gefährdet und in ihren Heimatgewässern häufig. Einzelne Arten mit sehr kleinem Verbreitungsgebiet können jedoch durch Habitatverlust bedroht sein. Da die genaue Artbestimmung bei Antennenwelsen oft schwierig ist, lässt sich der Schutzstatus nicht für alle Handelsformen eindeutig angeben.
In der Aquaristik stammen die allermeisten Antennenwelse aus Nachzuchten. Die Art vermehrt sich problemlos in Gefangenschaft, sodass für den Aquarienhandel keine Wildfänge notwendig sind. Antennenwelse gehören zu den am häufigsten nachgezüchteten Aquarienfischen weltweit.
Quellen
- FishBase: Ancistrus spp. – fishbase.se
- Seriously Fish: Ancistrus spp. – seriouslyfish.com
- Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.
- Seidel, I. (2008): Back to Nature – Handbuch für L-Welse. Fohrman Aquaristik AB.
