Der Apenninische Salamander ist ein kleiner, eleganter Schwanzlurch aus den Bergwäldern des italienischen Apennin. Sein auffälligstes Merkmal ist die brillenartige helle Zeichnung auf dem Kopf, die ihm den englischen Namen „Spectacled Salamander" eingebracht hat. Die Unterseite zeigt ein kontrastreiches Muster aus Rot, Schwarz und Weiß.
| Wissenschaftlicher Name | Salamandrina perspicillata |
| Ordnung | Schwanzlurche (Caudata) |
| Familie | Echte Salamander (Salamandridae) |
| Gattung | Salamandrina |
| Größe | 7–11 cm |
| Gewicht | 3–7 g |
| Lebenserwartung | 8–12 Jahre |
| Verbreitung | Zentral- und Norditalien (Apennin) |
| Lebensraum | Feuchte Laubwälder, Bergbäche, schattige Schluchten |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Apenninische Salamander ist mit 7–11 cm Gesamtlänge ein eher kleiner Vertreter der Schwanzlurche. Der Körper ist schlank und zierlich mit einem relativ langen Schwanz. Die Oberseite ist einheitlich dunkelbraun bis schwarz. Das namensgebende Merkmal ist eine auffällige, V-förmige helle Zeichnung auf dem Kopf zwischen den Augen, die an eine Brille erinnert.
Besonders spektakulär ist die Unterseite: Sie zeigt ein kontrastreiches Muster aus leuchtend rotem, schwarzem und weißem Feld. Bei Bedrohung krümmt der Salamander seinen Schwanz nach oben und präsentiert diese Warnfärbung (Unken-Reflex). Die Haut ist leicht warzig, die Augen sind groß und vorstehend. Anders als die meisten Salamandridae besitzt Salamandrina nur vier Zehen an den Hinterfüßen statt der üblichen fünf.
Verbreitung & Lebensraum
Der Apenninische Salamander kommt ausschließlich in Italien vor und ist dort im nördlichen und zentralen Apennin verbreitet (die südliche Schwesterart S. terdigitata ersetzt ihn im Süden). Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Ligurien im Norden bis in die Abruzzen und das nördliche Latium.
Er bewohnt feuchte, schattige Laubwälder – bevorzugt Buchenwälder und Eichenmischwälder – in Höhenlagen von 200 bis 1.500 m. In der Nähe seiner Laichgewässer, meist klare, kühle Bergbäche und Quellrinnsale, ist er am häufigsten anzutreffen. Die Wälder müssen einen geschlossenen Kronendach und eine reichhaltige Laubstreuschicht aufweisen.
Lebensweise & Verhalten
Der Apenninische Salamander führt ein sehr verstecktes Leben und ist vorwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbirgt er sich unter Steinen, Totholz und in der Laubstreu. Bei Regenwetter kannst du ihn gelegentlich auch am Tag auf dem Waldboden beobachten. Er ist ein langsamer, bedächtiger Wanderer.
Eine besondere Verhaltensweise ist der Unken-Reflex: Bei Bedrohung dreht sich der Salamander auf den Rücken oder krümmt den Schwanz nach oben, um die leuchtend rote Bauchfärbung als Warnsignal zu präsentieren. Die Winterruhe erstreckt sich von November bis Februar. Die Tiere kehren jedes Frühjahr treu zu ihren angestammten Laichbächen zurück.
Ernährung
Der Apenninische Salamander ernährt sich von kleinen Wirbellosen der Laubstreu und des Waldbodens. Zur Hauptnahrung gehören Springschwänze, Milben, kleine Spinnen, Ameisen und Käferlarven. Die Beutetiere werden visuell erfasst und durch schnelles Zuschnappen gefangen.
Larven leben im Wasser und ernähren sich von Kleinstlebewesen wie Bachflohkrebsen, Zuckmückenlarven und anderen aquatischen Wirbellosen. Aufgrund seiner geringen Körpergröße ist der Apenninische Salamander auf entsprechend kleine Beutetiere spezialisiert.
Fortpflanzung
Die Paarung findet im Herbst (Oktober–November) an Land statt. Das Männchen setzt ein Spermatophor ab, das vom Weibchen mit der Kloake aufgenommen wird. Die Weibchen speichern das Sperma über den Winter und legen im folgenden Frühjahr (März–Mai) die befruchteten Eier in klaren, langsam fließenden Bächen ab.
Ein Gelege umfasst 30–60 Eier, die einzeln oder in kleinen Gruppen an Steine und Wasserpflanzen geheftet werden. Die Larven schlüpfen nach 3–4 Wochen und leben aquatisch in den Bächen. Die Metamorphose dauert 2–4 Monate, danach verlassen die etwa 3 cm großen Jungtiere das Wasser und führen ein terrestrisches Leben. Die Geschlechtsreife wird mit 3–4 Jahren erreicht.
Haltung im Terrarium
Die Haltung des Apenninischen Salamanders im Terrarium ist aufgrund des europäischen Artenschutzes (FFH-Richtlinie) ohne behördliche Genehmigung nicht erlaubt. Die Art darf nicht der Natur entnommen werden. Nachzuchten sind im Handel praktisch nicht verfügbar.
Falls du dich für ähnliche kleine Salamanderarten interessierst, informiere dich über legal erhältliche Nachzuchten anderer Arten. Der Apenninische Salamander benötigte ein kühles, feuchtes Waldterrarium mit einem kleinen Bachlauf für die Fortpflanzung – eine Einrichtung, die nur von erfahrenen Haltern realisiert werden kann.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Apenninische Salamander wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft, da er in seinem Verbreitungsgebiet noch relativ häufig vorkommt. Dennoch sind lokale Populationen durch Habitatverlust, Abholzung und Gewässerverschmutzung bedroht.
Die Art ist im Anhang II und IV der FFH-Richtlinie gelistet und steht unter europäischem Schutz. Der Erhalt naturnaher Buchenwälder und sauberer Bergbäche im Apennin ist entscheidend für den langfristigen Fortbestand dieser endemisch-italienischen Art. Klimawandel könnte durch veränderte Niederschlagsmuster und steigende Temperaturen zukünftig eine Bedrohung darstellen.
Quellen
- AmphibiaWeb: Salamandrina perspicillata – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Salamandrina perspicillata – iucnredlist.org
- Lanza, B. et al. (2006): Fauna d'Italia – Amphibia. Calderini, Bologna.
- Vitt, L. J. & Caldwell, J. P. (2014): Herpetology. 4th Edition. Academic Press.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
