Süßwasserschnecken

Apfelschnecke (Pomacea bridgesii)

4 Min. Lesezeit
Apfelschnecke

©Andrea Bernd

Zusammenfassung

Die Apfelschnecke Pomacea bridgesii (heute korrekt P. diffusa) ist eine der beliebtesten und farbenprächtigsten Süßwasserschnecken in der Aquaristik. Sie ist in zahlreichen Farbvarianten erhältlich – von goldgelb über blau und weiß bis hin zu gestreift – und zeichnet sich durch ihre friedliche, pflanzenschonende Art aus.

Die Apfelschnecke Pomacea bridgesii (heute korrekt P. diffusa) ist eine der beliebtesten und farbenprächtigsten Süßwasserschnecken in der Aquaristik. Sie ist in zahlreichen Farbvarianten erhältlich – von goldgelb über blau und weiß bis hin zu gestreift – und zeichnet sich durch ihre friedliche, pflanzenschonende Art aus.

Steckbrief: Apfelschnecke (Pomacea bridgesii)
Wissenschaftlicher NamePomacea bridgesii (syn. Pomacea diffusa)
OrdnungArchitaenioglossa
FamilieApfelschnecken (Ampullariidae)
GattungPomacea
Größe4–6 cm
Lebenserwartung2–4 Jahre
VerbreitungSüdamerika (Bolivien, Brasilien, Paraguay)
LebensraumStehende und langsam fließende Süßgewässer
SchutzstatusNicht gefährdet (LC)
Aquariumab 54 Liter
Temperatur22–28 °C
pH-Wert7,0–8,0
Wasserhärte8–20 °dGH

Beschreibung & Aussehen

Die Apfelschnecke Pomacea bridgesii (aktuell gültiger Name: Pomacea diffusa) erreicht eine Gehäusegröße von 4–6 cm. Das Gehäuse ist kugelförmig bis hochkonisch mit deutlich abgesetzten Windungen und einem relativ spitzen Apex. Ein markantes Merkmal ist der hornige Deckel (Operculum), mit dem die Schnecke ihr Gehäuse vollständig verschließen kann.

Durch gezielte Zuchtauswahl existiert eine beeindruckende Farbpalette: Die Wildform ist olivbraun mit dunklen Spiralbändern, doch im Handel sind goldgelbe, elfenbeinfarbene, blaue (eigentlich dunkelgraue), rosafarbene, violette und gestreifte Varianten erhältlich. Der Weichkörper kann je nach Farbform hell (weiß-gelblich) oder dunkel (grau-schwarz) sein. Die Apfelschnecke besitzt zwei Paar Fühler und gut entwickelte Augen auf kurzen Stielen.

Verbreitung & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Pomacea diffusa umfasst Teile Südamerikas, insbesondere Bolivien, Brasilien und Paraguay. Die Art bewohnt stehende und langsam fließende Gewässer wie Seen, Teiche, Sumpfgebiete und Bewässerungskanäle. Sie bevorzugt warme, pflanzenreiche Gewässer mit schlammigem Grund.

Im Gegensatz zur verwandten Pomacea canaliculata gilt P. diffusa nicht als invasive Art und wird nicht als Schädling in der Landwirtschaft angesehen. Dennoch solltest du niemals Aquarienschnecken in die Natur entlassen. Die Art besitzt sowohl Kiemen als auch eine Lunge und kann so auch in sauerstoffarmen Gewässern überleben, indem sie zur Oberfläche steigt und Luft atmet.

Lebensweise & Verhalten

Apfelschnecken sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigen sich aber auch tagsüber regelmäßig. Sie bewegen sich langsam und bedächtig über Scheiben, Pflanzen und Dekorationsgegenstände. Ein faszinierendes Verhalten ist ihre Fähigkeit, sich von der Wasseroberfläche fallen zu lassen, wenn sie gestört werden, und dabei ihr Gehäuse mit dem Deckel verschließen.

Die Apfelschnecke besitzt einen langen, rüsselartigen Siphon, den sie zum Atmen an die Wasseroberfläche strecken kann, ohne das Wasser vollständig verlassen zu müssen. Sie klettert gerne und kann aus offenen Aquarien entkommen – eine Abdeckung ist daher unbedingt empfehlenswert. Das Verhalten der Schnecken dient auch als Indikator für die Wasserqualität: Verlassen viele Schnecken gleichzeitig das Wasser, kann dies auf schlechte Wasserwerte hindeuten.

Ernährung

Ein großer Vorteil der Pomacea diffusa gegenüber vielen anderen Apfelschneckenarten ist ihre pflanzenschonende Ernährungsweise. Sie frisst bevorzugt abgestorbene Pflanzenteile, Algenaufwuchs, Biofilme und Futterreste – gesunde Aquarienpflanzen werden in der Regel nicht angefressen. Nur bei extremem Nahrungsmangel kann es zu leichten Fraßschäden an weichblättrigen Pflanzen kommen.

Zur Fütterung eignen sich überbrühtes Gemüse (Zucchini, Gurke, Spinat, Erbsen), Welstabletten, Spirulina-Tabs und Seemandelbaumblätter. Für einen gesunden Gehäuseaufbau ist eine gute Kalziumversorgung essenziell – biete Sepiaschalen, zerdrückte Eierschalen oder spezielle Mineralsteine an. Proteinreiches Futter (Frostfutter, Fischfuttertabletten) wird ebenfalls gerne angenommen und fördert das Wachstum.

Fortpflanzung

Apfelschnecken sind getrenntgeschlechtlich – du benötigst also mindestens ein Männchen und ein Weibchen für die Zucht. Die Geschlechtsbestimmung ist von außen schwierig; erfahrene Halter können das Geschlecht anhand der Gehäuseöffnung und der Beschaffenheit des rechten Fühlers unterscheiden. Am sichersten ist die Beobachtung bei der Paarung.

Das Weibchen legt seine Eier – typisch für Apfelschnecken – über der Wasserlinie ab. Die Gelege sind himbeerförmige Klumpen mit 50–200 rosafarbenen bis weißen Eiern, die an Scheiben, der Aquarienabdeckung oder anderen Oberflächen oberhalb des Wassers befestigt werden. Die Eier benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit und schlüpfen nach 2–4 Wochen. Die Jungschnecken fallen ins Wasser und sind sofort selbstständig. Bei guter Fütterung und warmen Temperaturen wachsen sie schnell heran.

Haltung im Aquarium

Für die Haltung von Apfelschnecken empfiehlt sich ein Aquarium ab 54 Liter, da die Tiere relativ groß werden und eine beachtliche Menge Kot produzieren. Ein leistungsfähiger Filter ist daher wichtig. Die Wassertemperatur sollte bei 22–28 °C liegen, der pH-Wert zwischen 7,0 und 8,0. Mittelhartes bis hartes Wasser (8–20 °dGH) wird bevorzugt, da die Tiere Kalzium für den Gehäuseaufbau benötigen.

Eine Abdeckung oder ein deutlich abgesenkter Wasserstand (mindestens 10 cm Luft über der Wasseroberfläche) ist notwendig, da die Weibchen ihre Eier über Wasser ablegen müssen. Kupfer ist tödlich für Schnecken – prüfe alle Dünger und Medikamente auf Kupfergehalt. Apfelschnecken lassen sich gut mit friedlichen Fischen und Garnelen vergesellschaften. Aggressive Fische wie Schmerlen oder große Buntbarsche solltest du vermeiden, da sie die Fühler der Schnecken abbeißen können.

Gefährdung & Schutzstatus

Pomacea diffusa ist in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet nicht gefährdet. Die Art ist in der Aquaristik weit verbreitet und wird in großen Mengen gezüchtet. Im Gegensatz zu einigen anderen Apfelschneckenarten wie P. canaliculata wird sie nicht als invasive Art eingestuft.

Wichtig zu wissen: In der Europäischen Union sind seit 2012 die Einfuhr und der Handel mit Apfelschnecken der Gattung Pomacea eingeschränkt. P. diffusa wurde jedoch 2014 von dieser Regelung ausgenommen, da sie keine Bedrohung für die europäische Landwirtschaft darstellt. Dennoch solltest du dich vor dem Kauf über die aktuelle Rechtslage in deinem Land informieren.

Quellen

  1. Hayes, K.A. et al. (2012): Molecular phylogenetics of Pomacea. Zoological Journal of the Linnean Society.
  2. Gastropods.com – Ampullariidae – gastropods.com
  3. EFSA (2014): Scientific Opinion on Pomacea – efsa.europa.eu
  4. Eberhard Hartmann (2013): Schnecken im Aquarium. Dähne Verlag.
  5. AquaInfo: Apfelschnecken – aqua-info.de

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