Süßwasserschnecken

Apfelschnecke (Pomacea canaliculata)

4 Min. Lesezeit
Apfelschnecke (P.canaliculata)

©Andrea Bernd

Zusammenfassung

Die Apfelschnecke Pomacea canaliculata gehört zu den 100 schlimmsten invasiven Arten weltweit. Sie richtet in Reisfeldern und Feuchtgebieten enorme Schäden an. In der EU ist die Haltung und der Handel mit dieser Art seit 2012 verboten. Sie unterscheidet sich von der harmlosen P. diffusa durch ihre Gefräßigkeit gegenüber lebenden Pflanzen.

Die Apfelschnecke Pomacea canaliculata gehört zu den 100 schlimmsten invasiven Arten weltweit. Sie richtet in Reisfeldern und Feuchtgebieten enorme Schäden an. In der EU ist die Haltung und der Handel mit dieser Art seit 2012 verboten. Sie unterscheidet sich von der harmlosen P. diffusa durch ihre Gefräßigkeit gegenüber lebenden Pflanzen.

Steckbrief: Apfelschnecke (Pomacea canaliculata)
Wissenschaftlicher NamePomacea canaliculata
OrdnungArchitaenioglossa
FamilieApfelschnecken (Ampullariidae)
GattungPomacea
Größe5–8 cm
Lebenserwartung3–5 Jahre
VerbreitungSüdamerika (invasiv weltweit)
LebensraumStehende und langsam fließende Süßgewässer, Reisfelder
SchutzstatusInvasive Art – in der EU verboten!
Aquariumab 80 Liter
Temperatur18–28 °C
pH-Wert6,5–8,5
Wasserhärte5–25 °dGH

Beschreibung & Aussehen

Pomacea canaliculata ist eine große, robuste Apfelschnecke mit einem Gehäusedurchmesser von 5–8 cm, in Ausnahmefällen bis 15 cm. Das Gehäuse ist kugelförmig mit einer deutlich eingesenkten Naht (Kanal) zwischen den Windungen – daher der Name „canaliculata". Die Farbe variiert von olivgrün über braun bis goldgelb. Ein kräftiger, horniger Deckel verschließt die Gehäuseöffnung.

Die Unterscheidung von der harmlosen P. diffusa ist für Laien schwierig, aber möglich: P. canaliculata hat eine deutlich tiefere Naht zwischen den Windungen, ein insgesamt runderes Gehäuse und wird größer. Der Weichkörper ist dunkelgrau bis olivgrün. Die Eigelege sind leuchtend pink bis rot und deutlich größer als die von P. diffusa.

Verbreitung & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Pomacea canaliculata umfasst weite Teile Südamerikas, von Argentinien bis zum Amazonasbecken. Seit den 1980er-Jahren wurde die Art zur Nahrungsmittelproduktion (Schneckenfleisch) in zahlreiche tropische und subtropische Regionen eingeführt – nach Südostasien, Hawaii, die Karibik und Teile Europas (Spanien).

Die Art hat sich in vielen dieser Gebiete als äußerst invasiv erwiesen und verursacht massive Schäden in Reisfeldern und natürlichen Feuchtgebieten. Sie steht auf der Liste der „100 of the World's Worst Invasive Alien Species" der IUCN. In Europa hat sie sich in Reisanbaugebieten Spaniens etabliert und breitet sich weiter aus. Die Art ist extrem anpassungsfähig, überlebt Trockenperioden und Kälte und kann sich rasant vermehren.

Lebensweise & Verhalten

Pomacea canaliculata ist vorwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag oft eingegraben im Substrat oder in ruhigen Bereichen. Sie besitzt sowohl Kiemen als auch eine Lunge und ist dadurch extrem anpassungsfähig – sie kann auch in sauerstoffarmen Gewässern überleben und sogar längere Trockenperioden überstehen, indem sie sich im feuchten Schlamm vergräbt und ihren Deckel verschließt.

In ihrer Heimat sind Trockenruhephasen von mehreren Monaten dokumentiert. Die Schnecke ist ein geschickter Kletterer und verlässt regelmäßig das Wasser, um Eier abzulegen oder neue Gewässer zu besiedeln. Ihre hohe Fortbewegungsrate und Reproduktionsfähigkeit machen sie zu einem der erfolgreichsten invasiven Weichtiere weltweit.

Ernährung

Im Gegensatz zur pflanzenschonenden P. diffusa ist P. canaliculata ein ausgesprochener Pflanzenfresser, der lebende Pflanzen bevorzugt. In Reisfeldern frisst sie junge Reispflanzen bis auf die Stoppeln ab und kann ganze Ernten vernichten. Pro Tag kann eine einzelne Schnecke mehrere Gramm Pflanzenmaterial verzehren.

Neben lebenden Pflanzen frisst sie auch Algen, abgestorbenes Pflanzenmaterial, Aas und gelegentlich Eier anderer Schnecken. Im Aquarium würde sie nahezu alle Pflanzen innerhalb kurzer Zeit abfressen – ein weiterer Grund, warum die Haltung in der Aquaristik nicht empfehlenswert und in der EU verboten ist.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung von P. canaliculata ist einer der Schlüsselfaktoren für ihren Erfolg als invasive Art. Die Art ist getrenntgeschlechtlich, erreicht die Geschlechtsreife bereits nach 2–3 Monaten und kann das ganze Jahr über laichen, solange die Temperaturen über 15 °C liegen.

Die Weibchen legen große, leuchtend pinkfarbene bis rote Eigelege über der Wasseroberfläche ab. Ein Gelege enthält 200–600 Eier. Die auffällige Farbe warnt Fressfeinde – die Eier enthalten ein Neurotoxin (PcPV2), das für viele Tiere giftig ist. Die Jungschnecken schlüpfen nach 2–4 Wochen und wachsen bei warmem Klima extrem schnell. Ein einzelnes Weibchen kann pro Jahr mehrere Tausend Nachkommen produzieren.

Haltung im Aquarium

Achtung: Die Haltung von Pomacea canaliculata ist in der Europäischen Union seit 2012 verboten! Die EU-Durchführungsverordnung 2012/697 verbietet die Einfuhr, den Handel und die Haltung aller Pomacea-Arten – mit Ausnahme der als harmlos eingestuften P. diffusa. Verstöße können mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.

Solltest du versehentlich P. canaliculata in deinem Aquarium haben, darfst du die Tiere auf keinen Fall in die Natur entlassen! Kontaktiere stattdessen die zuständige Naturschutzbehörde oder ein Aquaristik-Fachgeschäft. In Ländern außerhalb der EU, in denen die Haltung erlaubt ist, benötigt die Art ein großes Aquarium (ab 80 Liter), warmes Wasser (18–28 °C) und reichlich pflanzliche Nahrung. Ein bepflanztes Aquarium ist mit dieser Art nicht möglich.

Gefährdung & Schutzstatus

Pomacea canaliculata ist selbst nicht gefährdet – sie ist im Gegenteil eine der erfolgreichsten invasiven Arten weltweit. Die IUCN listet sie unter den „100 of the World's Worst Invasive Alien Species". In Südostasien verursacht sie jährlich Ernteschäden in Millionenhöhe, insbesondere in Reisfeldern. In Europa hat sie sich in spanischen Reisanbaugebieten im Ebro-Delta etabliert.

Die EU hat 2012 strenge Maßnahmen ergriffen: Die Einfuhr, der Handel und die Haltung von Pomacea-Arten (außer P. diffusa) sind verboten. In betroffenen Gebieten werden aufwändige Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt, darunter Fallen, Handabsammlung und die Zerstörung der auffälligen rosa Eigelege. Die Art dient als Mahnung, wie schnell eine eingeführte Art ganze Ökosysteme verändern kann.

Quellen

  1. IUCN/SSC Invasive Species Specialist Group: 100 Worst Invasive Species – iucngisd.org
  2. EFSA (2014): Scientific Opinion on Pomacea – efsa.europa.eu
  3. Hayes, K.A. et al. (2008): Insights from an integrated view of the biology of apple snails. Malacologia, 50, 1–32.
  4. EU-Durchführungsverordnung 2012/697 – eur-lex.europa.eu
  5. Gastropods.com – Pomacea canaliculata – gastropods.com

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