Der Balkan-Kammmolch ist ein großer, kräftiger Molch der Balkanhalbinsel. Er wurde erst 2013 als eigenständige Art von den anderen Kammmolchen abgetrennt. Wie alle Kammmolche entwickelt das Männchen zur Paarungszeit einen imposanten gezackten Rückenkamm und zeigt ein eindrucksvolles Balzverhalten.
| Wissenschaftlicher Name | Triturus ivanbureschi |
| Ordnung | Schwanzlurche (Urodela) |
| Familie | Echte Salamander (Salamandridae) |
| Gattung | Triturus |
| Größe | 12–16 cm |
| Gewicht | 8–15 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Balkanhalbinsel (Griechenland, Nordmazedonien, Bulgarien, Türkei) |
| Lebensraum | Teiche, Tümpel, Feuchtgebiete |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Balkan-Kammmolch erreicht eine Gesamtlänge von 12–16 cm und gehört damit zu den größeren Molcharten Europas. Die Oberseite ist dunkelbraun bis schwarz mit einer feinen, hellen Punktierung. Die Unterseite ist leuchtend orange bis gelb mit einem individuellen Muster dunkler Flecken, das zur Identifikation einzelner Tiere genutzt werden kann.
Männchen entwickeln während der Wassertracht einen hohen, gezackten Rückenkamm, der vom Hinterkopf bis zum Schwanzende reicht und an der Schwanzbasis deutlich eingekerbt ist. An den Seiten des Schwanzes zeigt sich ein silbrig-weißes Band. Weibchen sind in der Regel etwas größer als Männchen, besitzen aber keinen Kamm. Die Art wurde erst 2013 von Wielstra et al. als eigenständige Spezies beschrieben und war zuvor als Unterart des Kammmolchs (Triturus cristatus) eingestuft.
Verbreitung & Lebensraum
Der Balkan-Kammmolch kommt auf der südlichen Balkanhalbinsel vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Teile Griechenlands, Nordmazedoniens, Bulgariens und der westlichen Türkei. Er bewohnt dort Höhenlagen vom Meeresniveau bis etwa 1.500 Meter.
Als Laichgewässer bevorzugt die Art stehende oder langsam fließende Gewässer wie Teiche, Tümpel, Gräben und überschwemmte Wiesen. Die Gewässer sollten gut besonnt sein und eine reiche Unterwasservegetation aufweisen. Außerhalb der Laichzeit lebt der Balkan-Kammmolch an Land in Wäldern, auf Wiesen und in Heckenlandschaften, wo er sich unter Steinen, Totholz und in Erdlöchern verbirgt.
Lebensweise & Verhalten
Der Balkan-Kammmolch führt eine amphibische Lebensweise. Im Frühjahr (März–Mai) wandert er zu seinen Laichgewässern, wo er mehrere Monate verbringt. In dieser Zeit zeigen die Männchen ihr eindrucksvolles Balzverhalten: Sie präsentieren ihren hohen Kamm und den farbenprächtigen Schwanz vor den Weibchen in einem ritualisierten Balztanz.
Außerhalb der Fortpflanzungszeit lebt der Balkan-Kammmolch überwiegend an Land und ist dämmerungs- bis nachtaktiv. Tagsüber versteckt er sich unter Steinen, Baumstämmen oder in Erdlöchern. Die Winterruhe verbringt er von November bis Februar in frostfreien Verstecken an Land. Wie alle Kammmolche ist er ein langsamer, bedächtiger Jäger, der seine Beute mit einer schnellen Kopfbewegung packt.
Ernährung
Der Balkan-Kammmolch ernährt sich von einer Vielzahl kleiner Wirbelloser. Im Wasser frisst er Mückenlarven, Wasserflöhe, kleine Schnecken, Würmer und Insektenlarven. Gelegentlich werden auch Kaulquappen und Eier anderer Amphibien erbeutet. An Land stehen Regenwürmer, Nacktschnecken, Spinnen und Insekten auf dem Speiseplan.
Die Beute wird visuell geortet und mit einer schnellen Schnappbewegung des Kopfes ergriffen. Im Wasser saugt der Molch seine Beute durch schnelles Öffnen des Mauls ein. Jungmolche ernähren sich von kleinsten Wassertieren wie Wasserflöhen und Hüpferlingen.
Fortpflanzung
Die Paarungszeit erstreckt sich von März bis Juni. Das Männchen führt ein aufwendiges Balzritual durch, bei dem es seinen Kamm aufrichtet, den Schwanz seitlich abknickt und wellenförmig bewegt, um Duftstoffe zum Weibchen zu fächeln. Nach erfolgreicher Balz setzt das Männchen eine Spermatophore (ein Samenpaket) am Boden ab, die vom Weibchen mit der Kloake aufgenommen wird.
Das Weibchen legt 200–400 Eier einzeln an Blätter von Wasserpflanzen und faltet die Blätter zum Schutz der Eier um. Die Larven schlüpfen nach 2–3 Wochen und leben vollständig aquatisch. Die Metamorphose zum landlebenden Jungtier erfolgt nach 3–4 Monaten. Die Geschlechtsreife wird mit 2–3 Jahren erreicht.
Haltung im Aquarium
Der Balkan-Kammmolch kann in einem Aquaterrarium gehalten werden, sofern er aus legaler Nachzucht stammt. Ein Becken ab 80 × 40 cm Grundfläche mit einem Wasserstand von 20–30 cm und einem Landteil eignet sich für ein Paar. Die Wassertemperatur sollte 16–20 °C betragen, im Sommer nicht über 22 °C.
Die Einrichtung sollte reichlich Wasserpflanzen, Steine und Wurzeln als Verstecke enthalten. Der Landteil kann aus feuchtem Moos und Korkrinde bestehen. Gefüttert wird mit lebenden oder aufgetauten Mückenlarven, Regenwürmern und Enchyträen. Eine Winterruhe bei 4–8 °C über 2–3 Monate ist für die Gesundheit und Fortpflanzungsbereitschaft wichtig.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Balkan-Kammmolch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Dennoch sind lokale Populationen durch den Verlust geeigneter Laichgewässer, intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden bedroht. Auch der Salamanderfresserpilz Bsal stellt eine potenzielle Gefahr dar.
In seinen Herkunftsländern ist die Art durch nationale Naturschutzgesetze geschützt. Der Erhalt von Feuchtgebieten und die Neuanlage von Laichgewässern sind wichtige Schutzmaßnahmen. Als relativ junge Art (erst 2013 beschrieben) ist die Erforschung ihrer Ökologie und Bestandssituation noch nicht abgeschlossen.
Quellen
- AmphibiaWeb: Triturus ivanbureschi – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Triturus ivanbureschi – iucnredlist.org
- Wielstra, B. et al. (2013): Tracing glacial refugia of Triturus newts based on mitochondrial DNA phylogeography and species distribution modeling. Frontiers in Zoology, 10, 13.
- Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
