Molche

Bergbach-Molch (Echinotriton andersoni)

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Bergbach-Molch (Echinotriton andersoni)

Bildquelle: HWall / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Bergbach-Molch ist ein seltener Schwanzlurch von den Ryukyu-Inseln Japans. Mit seinem stachelartigen Rippenmechanismus und der kräftigen, rauen Haut gehört er zu den ungewöhnlichsten Molchen der Welt. Er ist stark gefährdet und steht unter strengem Schutz.

Der Bergbach-Molch ist ein seltener Schwanzlurch von den Ryukyu-Inseln Japans. Mit seinem stachelartigen Rippenmechanismus und der kräftigen, rauen Haut gehört er zu den ungewöhnlichsten Molchen der Welt. Er ist stark gefährdet und steht unter strengem Schutz.

Steckbrief: Bergbach-Molch (Echinotriton andersoni)
Wissenschaftlicher NameEchinotriton andersoni
OrdnungSchwanzlurche (Urodela)
FamilieEchte Salamander (Salamandridae)
GattungEchinotriton
Größe12–18 cm
Gewicht15–30 g
Lebenserwartung10–15 Jahre
VerbreitungRyukyu-Inseln (Japan)
LebensraumBergbäche, feuchte Wälder
SchutzstatusStark gefährdet (EN) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Bergbach-Molch erreicht eine Gesamtlänge von 12–18 cm und besitzt einen robusten, gedrungenen Körperbau. Die Haut ist extrem rau und warzig mit deutlichen Knochenleisten auf dem breiten, abgeflachten Kopf. Entlang der Flanken sind die Rippenspitzen als knotenartige Erhebungen tastbar – bei Bedrohung können diese durch die Haut gestoßen werden, ähnlich wie beim Rippenmolch.

Die Grundfarbe der Oberseite ist dunkelbraun bis schwarz. Die warzigen Erhebungen an den Flanken und die Unterseite können orange bis rötlich gefärbt sein, was als Warnsignal (Aposematismus) dient. Der Schwanz ist seitlich abgeflacht und relativ kurz. Die Augen sind klein, rund und hervorstehend. Männchen sind in der Regel etwas kleiner als Weibchen und besitzen eine deutlich geschwollene Kloakenregion.

Verbreitung & Lebensraum

Der Bergbach-Molch ist ein Endemit der Ryukyu-Inseln im Süden Japans. Er kommt auf den Inseln Okinawa, Amami-Ōshima und Tokunoshima vor. Das Verbreitungsgebiet ist extrem begrenzt und umfasst nur wenige hundert Quadratkilometer.

Die Art bewohnt feuchte, subtropische Bergwälder in Höhenlagen bis etwa 500 Meter. Sie lebt in der Nähe klarer, kühler Bergbäche und bevorzugt schattige, moosbedeckte Waldpartien mit reichlich Totholz und Laubstreu. Die Fortpflanzung findet in langsam fließenden Bachabschnitten und kleinen Tümpeln statt.

Lebensweise & Verhalten

Der Bergbach-Molch ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag verborgen unter Steinen, Baumstämmen und in der Laubstreu. Nach Regenfällen kann er auch tagsüber aktiv sein. Die Art ist relativ langsam und bewegt sich bedächtig über den Waldboden.

Bei Bedrohung setzt der Bergbach-Molch seine bemerkenswerte Verteidigungsstrategie ein: Er dreht die scharfen Rippenspitzen nach außen durch die Haut und sondert gleichzeitig ein giftiges Hautsekret ab. Die Kombination aus giftiger Substanz und den spitzen Rippen macht ihn für Fressfeinde sehr unattraktiv. Die orange-roten Warnfarben an den Flanken verstärken die abschreckende Wirkung.

Ernährung

Der Bergbach-Molch ernährt sich von einer Vielzahl kleiner Wirbelloser des Waldbodens. Zum Nahrungsspektrum gehören Insekten, Insektenlarven, Würmer, Schnecken und Spinnen. Im Wasser werden Mückenlarven, Bachflohkrebse und andere aquatische Wirbellose gefressen.

Die Beute wird vor allem durch den Geruchssinn und Tastsinn aufgespürt und mit einer schnellen Schnappbewegung des Kopfes ergriffen. Die relativ kleinen Augen spielen bei der nächtlichen Jagd eine untergeordnete Rolle.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzungszeit fällt in die Regenzeit, typischerweise zwischen November und Februar. Die Tiere wandern zu flachen, langsam fließenden Bachbereichen und kleinen Tümpeln im Wald. Die Balz ist wenig erforscht, erfolgt aber vermutlich ähnlich wie bei verwandten Arten durch chemische Kommunikation und taktile Reize.

Das Weibchen legt die Eier einzeln unter Steinen oder an Wasserpflanzen in flachen Gewässern ab. Die Larven entwickeln sich über mehrere Monate im Wasser und durchlaufen dann die Metamorphose zum landlebenden Jungtier. Über die genauen Details der Embryonalentwicklung und Larvaldauer ist noch wenig bekannt, da die Art in der Natur schwer zu beobachten ist.

Haltung im Aquarium

Die Haltung des Bergbach-Molchs in Gefangenschaft ist aufgrund seines strengen Schutzstatus und seiner Seltenheit nicht empfehlenswert und in den meisten Fällen nicht legal. Die Art ist durch die japanische Naturschutzgesetzgebung streng geschützt, und der Export aus Japan ist verboten.

Sollte dir die Art in einem Zoo oder einer wissenschaftlichen Einrichtung begegnen, wirst du feststellen, dass sie ein kühles, feuchtes Terrarium mit Wasserbereich benötigt. Temperaturen von 18–22 °C, hohe Luftfeuchtigkeit und ein Landteil mit feuchtem Moos und Verstecken wären die Mindestanforderungen. Für Privathalter ist diese Art jedoch keine Option.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Bergbach-Molch wird von der IUCN als „Endangered" (stark gefährdet) eingestuft. Sein extrem begrenztes Verbreitungsgebiet auf wenigen kleinen Inseln macht ihn besonders verwundbar. Hauptbedrohungen sind die Zerstörung und Fragmentierung seiner Waldlebensräume durch Straßenbau, Forstwirtschaft und Urbanisierung.

Zusätzlich stellen eingeschleppte Raubtiere wie der Indische Mungo eine ernste Gefahr dar. Die Art ist durch das japanische Artenschutzgesetz als „Naturdenkmal" geschützt, und der Handel ist streng verboten. Habitatschutz und die Bekämpfung invasiver Arten sind entscheidend für das Überleben dieser einzigartigen Molchart.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Echinotriton andersoniamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Echinotriton andersoniiucnredlist.org
  3. Nussbaum, R. A. & Brodie, E. D. (1982): Partitioning of the salamandrid genus Tylototriton. Herpetologica, 38(3), 383–389.
  4. Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.

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