Molche

Bergmolch (Ichthyosaura alpestris)

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Bergmolch (Ichthyosaura alpestris)

Bildquelle: Rudmer Zwerver / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Bergmolch ist einer der farbenprächtigsten europäischen Molche. Das Männchen besticht während der Wasserphase mit einer leuchtend blauen Oberseite, schwarz-weiß gebänderter Flanke und einem knallig orangeroten Bauch ohne Flecken. Er ist in Mitteleuropa weit verbreitet und kommt vom Tiefland bis in alpine Höhenlagen vor.

Der Bergmolch ist einer der farbenprächtigsten europäischen Molche. Das Männchen besticht während der Wasserphase mit einer leuchtend blauen Oberseite, schwarz-weiß gebänderter Flanke und einem knallig orangeroten Bauch ohne Flecken. Er ist in Mitteleuropa weit verbreitet und kommt vom Tiefland bis in alpine Höhenlagen vor.

Steckbrief: Bergmolch (Ichthyosaura alpestris)
Wissenschaftlicher NameIchthyosaura alpestris
OrdnungSchwanzlurche (Urodela)
FamilieEchte Salamander (Salamandridae)
GattungIchthyosaura
Größe7–12 cm
Gewicht3–8 g
Lebenserwartung10–20 Jahre
VerbreitungMittel- und Westeuropa
LebensraumTeiche, Bergseen, Waldtümpel
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Bergmolch erreicht eine Gesamtlänge von 7–12 cm, wobei Männchen etwas kleiner als Weibchen sind. Die Art zeigt einen ausgeprägten Sexualdimorphismus, besonders während der Wasserphase. Männchen in Wassertracht besitzen eine leuchtend blaue Oberseite, schwarz-weiß marmorierte Flanken mit einem hellen Längsband und einen seitlich abgeflachten Schwanz mit einem niedrigen, ungefleckten Hautkamm.

Das auffälligste Merkmal ist der leuchtend orangerote Bauch, der im Gegensatz zu den meisten anderen Molcharten ungefleckt ist. Weibchen sind oberseits graubraun bis olivgrün marmoriert und besitzen ebenfalls einen orangefarbenen Bauch, der jedoch weniger intensiv gefärbt ist. In der Landtracht sind beide Geschlechter deutlich unauffälliger gefärbt, die Haut wird samtig-rau und die Farben verblassen.

Verbreitung & Lebensraum

Der Bergmolch ist in Mittel- und Westeuropa weit verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Nordspanien und Frankreich über die Alpen und Mitteleuropa bis zum Balkan und nach Griechenland. Er kommt in Höhenlagen vom Meeresniveau bis über 2.500 Meter vor – in den Alpen ist er der am höchsten vorkommende Molch.

Als Laichgewässer nutzt der Bergmolch eine breite Palette stehender Gewässer: Waldtümpel, Gartenteiche, Bergseen, wassergefüllte Fahrspuren, Viehtränken und sogar Brunnenschächte. Er bevorzugt kühle, schattige Gewässer mit sauberem Wasser und guter Unterwasservegetation. An Land lebt er in feuchten Wäldern, auf Wiesen und in Gärten, wo er sich unter Steinen, Baumstümpfen und in der Laubstreu verbirgt.

Lebensweise & Verhalten

Der Bergmolch führt eine amphibische Lebensweise mit einem deutlichen Wechsel zwischen Wasser- und Landphase. Im Frühjahr (Februar–Mai, je nach Höhenlage) wandert er zu seinen Laichgewässern, wo er 2–4 Monate verbringt. In dieser Zeit ist er tag- und nachtaktiv und zeigt sein spektakuläres Prachkleid.

Nach der Fortpflanzungsperiode verlässt er das Wasser und führt ein verstecktes, dämmerungs- und nachtaktives Leben an Land. Die Winterruhe verbringt er von Oktober bis Februar in frostfreien Verstecken – unter Steinen, in Erdlöchern, Mauerspalten oder Kellern. In höheren Lagen kann die Winterruhe deutlich länger dauern. Einige Populationen in tiefen Bergseen bleiben ganzjährig aquatisch.

Ernährung

Der Bergmolch ernährt sich als opportunistischer Räuber von einer Vielzahl kleiner Wirbelloser. Im Wasser frisst er Mückenlarven, Wasserflöhe, Bachflohkrebse, kleine Schnecken und Würmer. Gelegentlich werden auch Kaulquappen und Laich anderer Amphibien erbeutet. An Land stehen Insekten, Spinnen, kleine Nacktschnecken und Regenwürmer auf dem Speiseplan.

Die Beute wird visuell geortet und mit einer schnellen Kopfbewegung ergriffen. Im Wasser nutzt der Bergmolch eine Saugschnapp-Technik: Durch schnelles Öffnen des Mauls erzeugt er einen Unterdruck, der die Beute ins Maul zieht. Larven ernähren sich von kleinsten Wassertieren wie Wasserflöhen und Hüpferlingen.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr, kurz nach der Ankunft am Laichgewässer. Das Männchen führt eine elegante Balz durch: Es nähert sich dem Weibchen, fächelt mit seinem Schwanz Duftstoffe zu und vollführt eine Serie ritualisierter Körperbewegungen. Nach erfolgreicher Balz setzt das Männchen eine Spermatophore am Boden ab, die vom Weibchen mit der Kloake aufgenommen wird.

Das Weibchen legt 150–300 Eier einzeln an Blätter von Wasserpflanzen und faltet die Blätter sorgfältig um jedes einzelne Ei. Die Larven schlüpfen nach 2–4 Wochen und leben 2–3 Monate vollständig aquatisch, bevor sie die Metamorphose durchlaufen und an Land gehen. In höheren Lagen kann die Larvalentwicklung deutlich länger dauern, und einige Larven überwintern im Wasser. Die Geschlechtsreife wird mit 2–4 Jahren erreicht.

Haltung im Aquarium

Der Bergmolch ist in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern streng geschützt. Eine Entnahme aus der Natur ist verboten, und auch die Haltung von Nachzuchten erfordert in einigen Ländern eine Genehmigung. Wenn du legal erworbene Tiere hältst, eignet sich ein kühles Aquaterrarium ab 60 × 30 cm Grundfläche für ein kleines Grüppchen.

Die Wassertemperatur sollte 14–18 °C betragen, im Sommer nicht über 22 °C. Reichlich Wasserpflanzen, Steine und Wurzeln bieten Versteckmöglichkeiten. Der Landteil sollte aus feuchtem Moos und Korkrinde bestehen. Gefüttert wird mit Mückenlarven, kleinen Regenwürmern und Enchyträen. Eine Winterruhe bei 4–6 °C über 3–4 Monate ist für die Gesundheit und Fortpflanzungsbereitschaft essenziell.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Bergmolch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. In seinem Gesamtverbreitungsgebiet ist er noch relativ häufig, lokal gehen die Bestände jedoch durch Lebensraumverlust, Gewässerverschmutzung und den Einsatz von Pestiziden zurück. Besonders die Zerstörung von Kleingewässern und die Intensivierung der Landwirtschaft wirken sich negativ aus.

In Deutschland ist der Bergmolch nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Die Neuanlage von Gartenteichen und Kleingewässern ohne Fischbesatz kann den Populationen erheblich helfen. Der Salamanderfresserpilz Bsal stellt eine zunehmende Bedrohung dar, die besonders in Belgien und den Niederlanden zu Bestandseinbrüchen geführt hat.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Ichthyosaura alpestrisamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Ichthyosaura alpestrisiucnredlist.org
  3. Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
  4. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
  5. Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.

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