Der Blauaugen-Laubfrosch ist ein farbenprächtiger Greiffrosch aus den Bergwäldern Costa Ricas. Er besticht durch seine leuchtend grüne Oberseite, die blauen Flanken und die charakteristischen blauen Augen. Die Art ist aufgrund ihres kleinen Verbreitungsgebiets in den Hochländern Costa Ricas als gefährdet eingestuft.
| Wissenschaftlicher Name | Agalychnis annae |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Greiffrösche (Phyllomedusidae) |
| Gattung | Agalychnis |
| Größe | 6–8 cm |
| Gewicht | 8–15 g |
| Lebenserwartung | 8–12 Jahre |
| Verbreitung | Costa Rica (Zentralhochland) |
| Lebensraum | Tropische Bergwälder, Nebelwälder, 800–1.800 m Höhe |
| Schutzstatus | Gefährdet (EN) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Blauaugen-Laubfrosch erreicht eine Körperlänge von 6–8 cm, wobei Weibchen etwas größer werden als Männchen. Die Oberseite ist leuchtend dunkelgrün, die Flanken zeigen ein auffälliges Blau bis Violett mit cremefarbenen oder gelben Vertikalstreifen. Die Innenseiten der Beine sind leuchtend orange bis rot.
Sein namensgebendes Merkmal sind die großen, blau-grauen Augen mit vertikaler Pupille – im Gegensatz zu den leuchtend roten Augen des verwandten Rotaugenlaubfroschs (Agalychnis callidryas). Die Finger und Zehen tragen große Haftscheiben und sind mit ausgedehnten Schwimmhäuten verbunden. Der Körperbau ist schlank und für das Klettern optimiert.
Verbreitung & Lebensraum
Der Blauaugen-Laubfrosch kommt ausschließlich in Costa Rica vor und hat ein sehr begrenztes Verbreitungsgebiet im Zentralhochland des Landes. Er bewohnt feuchte tropische Bergwälder und Nebelwälder in Höhenlagen von 800–1.800 m.
Sein Lebensraum umfasst die Baumkronen und das mittlere Stockwerk des Waldes, bevorzugt in der Nähe von Bächen und temporären Gewässern. Die Art benötigt primäre oder gut erhaltene sekundäre Wälder mit hoher Luftfeuchtigkeit und kühlen Nachttemperaturen. Die Fragmentierung der Bergwälder ist eine der größten Bedrohungen.
Lebensweise & Verhalten
Der Blauaugen-Laubfrosch ist streng nachtaktiv und verbringt den Tag reglos auf Blättern sitzend, wobei er seine bunten Flanken unter den grünen Beinen verbirgt. Wie andere Agalychnis-Arten bewegt er sich langsam und greifend durch das Geäst – eher wie ein Chamäleon als wie ein typischer Frosch.
Nachts wird er aktiv und klettert auf der Suche nach Insekten und Paarungspartnern durch die Vegetation. Sein Ruf ist ein leises, nasales Klicken, das in den feuchten Bergwäldern zu hören ist. Die kühleren Temperaturen seines Bergwald-Lebensraums unterscheiden die Art deutlich vom verwandten Rotaugenlaubfrosch der Tieflandregenwälder.
Ernährung
Der Blauaugen-Laubfrosch ernährt sich von Insekten und anderen kleinen Gliedertieren, die er nachts im Geäst erbeutet. Zur Hauptnahrung gehören Grillen, Motten, Käfer, Fliegen und Spinnen. Die Beute wird mit einem schnellen Zungenschlag gefangen.
Im Terrarium fütterst du ihn mit mittelgroßen Grillen, Heimchen, Wachsmottenlarven und Fruchtfliegen. Die Futtertiere sollten regelmäßig mit Kalzium- und Vitaminpräparaten bestäubt werden. Füttere 3–4 Mal pro Woche in angemessenen Mengen.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung findet während der Regenzeit in den Bergwäldern statt. Männchen rufen nachts von Ästen und Blättern über Gewässern. Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier auf Blätter, die über dem Wasser hängen. Ein Gelege umfasst 40–100 Eier, die in einer Gallerthülle eingebettet sind.
Die Embryonen entwickeln sich innerhalb der Eier über 6–10 Tage. Die schlüpfenden Kaulquappen fallen in das darunterliegende Gewässer und durchlaufen dort die Metamorphose in 6–12 Wochen. In Gefangenschaft kann die Nachzucht durch eine simulierte Trocken-Regenzeit-Abfolge ausgelöst werden, wobei die kühleren Temperaturen des Bergwaldklimas nachgeahmt werden müssen.
Haltung im Terrarium
Für die Haltung des Blauaugen-Laubfroschs benötigst du ein hohes Regenwaldterrarium von mindestens 50 × 50 × 80 cm mit vielen Kletterästen, großblättrigen Pflanzen und einem Wasserbecken am Boden. Wichtig: Die Temperaturen müssen kühler sein als bei tropischen Tieflandfröschen – tagsüber 20–24 °C, nachts 16–18 °C.
Die Luftfeuchtigkeit muss konstant bei 70–90 % gehalten werden. Durch die kühleren Temperaturansprüche ist die Art anspruchsvoller in der Haltung als der Rotaugenlaubfrosch. Sie eignet sich nur für erfahrene Halter mit Kenntnissen in der Pflege von Bergwaldbewohnern. Im Fachhandel ist sie selten erhältlich und steht unter Schutz – nur legal erworbene Nachzuchten dürfen gehalten werden.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Blauaugen-Laubfrosch wird von der IUCN als „Endangered" (gefährdet) eingestuft. Die Hauptbedrohungen sind der Verlust und die Fragmentierung seiner Bergwaldlebensräume durch Landwirtschaft, Viehzucht und Siedlungsentwicklung in den costa-ricanischen Hochländern.
Auch der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) stellt eine ernsthafte Bedrohung dar, da der Pilz in den kühlen, feuchten Bergwäldern besonders gut gedeiht. Costa Rica hat mehrere Schutzgebiete eingerichtet, die Teile des Verbreitungsgebiets abdecken. Die Art ist in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet.
Quellen
- AmphibiaWeb: Agalychnis annae – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Agalychnis annae – iucnredlist.org
- Savage, J. M. (2002): The Amphibians and Reptiles of Costa Rica. University of Chicago Press.
- Kubicki, B. (2007): Ranas de vidrio de Costa Rica / Glass Frogs of Costa Rica. INBio Press.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
