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Blauer Baumsteiger (Dendrobates azureus)

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Blauer Baumsteiger (Dendrobates azureus)

Bildquelle: Dirk Ercken / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Blaue Baumsteiger ist einer der bekanntesten und beliebtesten Pfeilgiftfrösche. Seine leuchtend blaue Färbung mit schwarzen Flecken warnt Fressfeinde vor seinem starken Hautgift. Er kommt nur in einem winzigen Gebiet in Suriname vor und ist durch Habitatverlust bedroht.

Der Blaue Baumsteiger ist einer der bekanntesten und beliebtesten Pfeilgiftfrösche. Seine leuchtend blaue Färbung mit schwarzen Flecken warnt Fressfeinde vor seinem starken Hautgift. Er kommt nur in einem winzigen Gebiet in Suriname vor und ist durch Habitatverlust bedroht.

Steckbrief: Blauer Baumsteiger (Dendrobates azureus)
Wissenschaftlicher NameDendrobates azureus
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieBaumsteigerfrösche (Dendrobatidae)
GattungDendrobates
Größe3–4,5 cm
Gewicht3–8 g
Lebenserwartung8–12 Jahre (in Gefangenschaft bis 15 Jahre)
VerbreitungSuriname (Sipaliwini-Savanne)
LebensraumTropischer Regenwald, feuchte Felsinseln in der Savanne
SchutzstatusGefährdet (VU) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Blaue Baumsteiger erreicht eine Körperlänge von 3–4,5 cm und ist damit ein relativ großer Vertreter der Pfeilgiftfrösche. Die gesamte Oberseite ist leuchtend azurblau gefärbt – ein außergewöhnlich intensives Blau, das im Tierreich nur selten vorkommt. Die Bauchseite ist dunkelblau bis schwarz. Über den gesamten Körper sind unregelmäßige schwarze Flecken verteilt, die bei jedem Individuum ein einzigartiges Muster bilden.

Die Haut ist glatt und enthält zahlreiche Giftdrüsen, die Pumiliotoxine und andere Alkaloide produzieren. Diese Gifte stammen aus der Nahrung (Ameisen, Milben) und gehen in Gefangenschaft bei Fütterung mit Fruchtfliegen und Grillen nach einiger Zeit verloren. Die Zehen besitzen vergrößerte Haftscheiben, die dem Frosch das Klettern auf glatten Oberflächen ermöglichen.

Verbreitung & Lebensraum

Der Blaue Baumsteiger hat eines der kleinsten Verbreitungsgebiete aller Amphibien. Er kommt ausschließlich in der Sipaliwini-Savanne im südlichen Suriname vor, nahe der Grenze zu Brasilien. Sein Lebensraum besteht aus feuchten, bewaldeten Felsinseln (sogenannten „Inselbergen"), die von trockener Savanne umgeben sind.

Die Frösche bewohnen den feuchten Waldboden und die unteren Bereiche der Vegetation, wo sie zwischen Falllaub, Steinen und Wurzeln leben. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die konstanten Temperaturen des tropischen Regenwaldes sind entscheidend für ihr Überleben. Die isolierten Felsinseln fungieren als natürliche „Inseln", die die einzelnen Populationen voneinander trennen.

Lebensweise & Verhalten

Blaue Baumsteiger sind tagaktive Bodenbewohner, die den Großteil ihrer Zeit auf dem feuchten Waldboden verbringen. Sie klettern gelegentlich auf niedrige Vegetation, bevorzugen aber das Substrat. Ihr leuchtend blaues Äußeres ist eine aposematische Warnfärbung, die Fressfeinden signalisiert: „Ich bin giftig – friss mich nicht!"

Männchen sind territorial und verteidigen ihre Reviere mit lauten Rufserien gegen Rivalen. Weibchen sind weniger territorial, konkurrieren aber untereinander um attraktive Männchen. Die Tiere sind neugierig und erstaunlich selbstbewusst – sie fliehen nicht vor Beobachtern, sondern vertrauen auf den Schutz ihres Giftes.

Ernährung

In der Natur ernährt sich der Blaue Baumsteiger hauptsächlich von Ameisen und Milben, die auch die Quelle seiner Hautgifte sind. Darüber hinaus frisst er Termiten, kleine Käfer, Springschwänze und andere winzige Wirbellose, die er auf dem Waldboden und in der Laubstreu findet.

Im Terrarium werden Blaue Baumsteiger mit Fruchtfliegen (Drosophila), Springschwänzen, Blattläusen und kleinen Grillen gefüttert. Die Futterinsekten sollten regelmäßig mit Vitamin- und Kalziumpulver bestäubt werden (Supplementierung), um eine ausreichende Nährstoffversorgung sicherzustellen. Durch die Umstellung der Nahrung in Gefangenschaft verlieren die Tiere nach einiger Zeit ihre Giftigkeit.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung des Blauen Baumsteigers umfasst ein faszinierendes Brutpflegeverhalten. Das Männchen lockt das Weibchen mit Rufen zu einem geeigneten Laichplatz – meist eine feuchte Stelle unter Falllaub oder in einer Blatthöhle. Dort legt das Weibchen 5–10 Eier in eine kleine Wasserlache ab.

Das Männchen bewacht das Gelege und hält die Eier feucht. Nach 14–18 Tagen schlüpfen die Kaulquappen und werden vom Männchen einzeln auf dem Rücken zu geeigneten kleinen Wasseransammlungen (Bromelien-Trichter, Blattachseln) transportiert. Dort entwickeln sich die Kaulquappen über 10–12 Wochen zu fertigen Fröschen. Die Zucht im Terrarium gelingt bei erfahrenen Haltern regelmäßig.

Haltung im Terrarium

Der Blaue Baumsteiger benötigt ein tropisches Regenwaldterrarium mit hoher Luftfeuchtigkeit (80–100 %) und einer Temperatur von 24–28 °C. Ein Terrarium ab 60 × 40 × 40 cm eignet sich für ein Paar. Die Einrichtung sollte eine dicke Schicht Drainagematerial, Tropenerde, Moos, Wurzeln, Bromelien und Klettermöglichkeiten umfassen.

Eine Beregnungsanlage oder regelmäßiges Sprühen hält die Luftfeuchtigkeit konstant hoch. Ein kleines Wasserbecken und Blattachseln dienen als Wasserquellen und Kaulquappenabsetzplätze. Die Beleuchtung sollte ein natürliches Tageslicht-Spektrum bieten (LED-Pflanzenlampen eignen sich hervorragend). Der Blaue Baumsteiger ist in der EU legal als Nachzucht erhältlich, erkundige dich aber über die geltenden Artenschutzbestimmungen in deinem Land.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Blaue Baumsteiger wird von der IUCN als „Vulnerable" (gefährdet) eingestuft. Sein extrem kleines Verbreitungsgebiet in der Sipaliwini-Savanne macht ihn besonders anfällig für Lebensraumverluste. Goldabbau, Abholzung und der Klimawandel bedrohen seinen Lebensraum. Die Art ist im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) Anhang II gelistet, was den internationalen Handel reguliert.

In der Aquaristik und Terraristik sind ausschließlich Nachzuchten erhältlich und legal handelbar. Die Wildfang-Entnahme ist verboten. Als Halter kannst du zum Schutz der Art beitragen, indem du Nachzuchten erwirbst und die Zucht unterstützt. Seriöse Züchter leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Art in menschlicher Obhut.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Dendrobates azureusamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Dendrobates azureusiucnredlist.org
  3. Lötters, S. et al. (2007): Poison Frogs – Biology, Species & Captive Husbandry. Edition Chimaira.
  4. CITES: Appendices I, II and III – cites.org

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