Der Süßwasser-Blaupunktrochen ist einer der faszinierendsten und gleichzeitig anspruchsvollsten Süßwasserfische in der Aquaristik. Mit seinem scheibenförmigen Körper und dem markanten Muster aus orangefarbenen Augenflecken auf dunkelbraunem Grund ist er ein wahrer Hingucker – sein giftiger Schwanzstachel erfordert jedoch höchsten Respekt.
| Wissenschaftlicher Name | Potamotrygon motoro |
| Ordnung | Myliobatiformes |
| Familie | Süßwasserstechrochen (Potamotrygonidae) |
| Gattung | Potamotrygon |
| Größe | 40–50 cm Scheibendurchmesser (bis 80 cm möglich) |
| Gewicht | 5–15 kg |
| Lebenserwartung | 15–20 Jahre |
| Verbreitung | Südamerika (Amazonas-, Orinoco-, Paraná- und Paraguay-Becken) |
| Lebensraum | Sandige Flussbereiche, Überschwemmungsgebiete, Altarme |
| Schutzstatus | Daten unzureichend (DD) – IUCN |
| Aquarium | ab 2000 Liter |
| Temperatur | 24–28 °C |
| pH-Wert | 5.5–7.0 |
| Wasserhärte | 2–10 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Blaupunktrochen besitzt einen nahezu kreisrunden, scheibenförmigen Körper (Disc) mit einem Durchmesser von 40–50 cm, in Ausnahmefällen bis zu 80 cm. Die Oberseite ist dunkelbraun bis olivbraun mit zahlreichen auffälligen, orangefarbenen bis gelblichen Augenflecken (Ocellen), die von einem dunklen Ring umgeben sind – daher der Name „Motoro" (von portugiesisch „Motor" wegen der kreisförmigen Flecken).
Die Unterseite ist weiß bis cremefarben. Die Augen sitzen auf der Oberseite des Körpers, die Kiemenöffnungen auf der Unterseite. Am peitschenförmigen Schwanz sitzt ein oder mehrere giftige Stacheln (Widerhaken), die bei Verteidigung tiefe, schmerzhafte Wunden verursachen können. Das Gift kann beim Menschen zu starken Schmerzen, Schwellungen und in seltenen Fällen zu schweren allergischen Reaktionen führen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Blaupunktrochen ist einer der am weitesten verbreiteten Süßwasserstechrochen Südamerikas. Sein Verbreitungsgebiet umfasst die großen Flusssysteme des Amazonas, Orinoco, Paraná und Paraguay in Brasilien, Venezuela, Kolumbien, Peru, Bolivien, Paraguay, Uruguay und Argentinien.
Die Tiere bewohnen sandige Flussbereiche, Altarme, Überschwemmungsgebiete und flache Uferzonen. Sie graben sich tagsüber teilweise in den Sand ein und werden bei Dämmerung und nachts aktiv. Das Wasser in ihren Heimatgewässern ist typischerweise weich, leicht sauer und nährstoffreich. Während der Trockenzeit konzentrieren sich die Rochen in den verbliebenen tieferen Wasserbereichen.
Lebensweise & Verhalten
Blaupunktrochen sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktive Bodenbewohner. Tagsüber ruhen sie oft teilweise im Sand eingegraben und sind kaum zu erkennen – eine hervorragende Tarnung vor Fressfeinden. Bei Einbruch der Dunkelheit werden sie aktiv und gleiten elegant über den Bodengrund auf der Suche nach Nahrung.
Im Aquarium werden sie mit der Zeit tagaktiver und gewöhnen sich an die Fütterungszeiten. Sie können ihren Pfleger erkennen und kommen zur Fütterung an die Frontscheibe. Vorsicht: Der giftige Schwanzstachel ist eine ernste Gefahr! Arbeite nie unbedacht im Aquarium und trage beim Hantieren Schutzhandschuhe. Der Stich eines Stachelrochens ist extrem schmerzhaft und erfordert sofortige medizinische Behandlung.
Ernährung
In der Natur ernährt sich der Blaupunktrochen von Fischen, Schnecken, Muscheln, Krebstieren und Insektenlarven, die er im Sand aufspürt. Seine sensorischen Ampullen (Lorenzinische Ampullen) auf der Unterseite des Körpers können elektrische Felder von Beutetieren wahrnehmen, was ihm auch bei Dunkelheit die Nahrungssuche ermöglicht.
Im Aquarium biete ihm eine proteinreiche Kost aus ganzen Garnelen (mit Schale), Muschelfleisch, Tintenfischstücken, Regenwürmern, Stinten und hochwertigem Pelletfutter für Rochen an. Jungfiere fressen Mückenlarven, Tubifex und kleine Garnelen. Füttere adulte Tiere 2–3 Mal pro Woche großzügig. Eine regelmäßige Kalziumergänzung ist für gesundes Wachstum wichtig.
Fortpflanzung
Der Blaupunktrochen ist lebendgebärend (ovovivipar). Die Paarung erfolgt durch Einführen eines der beiden Klaspern (männliche Begattungsorgane) in die Kloake des Weibchens. Die Tragzeit beträgt 3–5 Monate, abhängig von Temperatur und Ernährung.
Das Weibchen bringt 1–8 voll entwickelte Jungtiere zur Welt, die bei der Geburt bereits 8–12 cm Scheibendurchmesser haben. Die Jungtiere sind sofort selbstständig und besitzen bereits funktionsfähige Giftstacheln. Die Zucht im Aquarium gelingt bei optimalen Bedingungen und ausreichend Platz, erfordert aber ein sehr großes Becken und Erfahrung mit der Art.
Haltung im Aquarium
Die Haltung von Süßwasserstechrochen ist ausschließlich erfahrenen Aquarianern mit entsprechend großen Becken vorbehalten. Ein Aquarium ab 2.000 Litern mit einer sehr großen Grundfläche (mindestens 200 × 80 cm) ist das absolute Minimum für ein einzelnes Tier. Der Bodengrund muss feiner Sand sein, in den sich der Rochen eingraben kann. Keine scharfkantigen Steine oder Dekorationsgegenstände verwenden!
Die Wassertemperatur sollte bei 24–28 °C liegen, der pH-Wert zwischen 5,5 und 7,0 bei weichem Wasser. Eine leistungsstarke Filtration mit häufigen Wasserwechseln (30–50 % wöchentlich) ist unerlässlich, da Rochen empfindlich auf Stickstoffverbindungen (Ammoniak, Nitrit) reagieren. Beachte die gesetzlichen Bestimmungen: In einigen Ländern und Bundesländern ist die Haltung von Stechrochen genehmigungspflichtig.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Blaupunktrochen wird von der IUCN als „Data Deficient" (Daten unzureichend) eingestuft, da die Bestandsdaten für eine fundierte Bewertung nicht ausreichen. In einigen Teilen seines Verbreitungsgebiets ist er häufig, in anderen gehen die Bestände durch Überfischung (für den Aquarienhandel und als Nahrungsmittel) und Lebensraumzerstörung zurück.
Seit 2017 sind alle Potamotrygon-Arten in CITES Anhang III gelistet, was den internationalen Handel reguliert. Brasilien hat den Export wild gefangener Süßwasserrochen verboten. In der Aquaristik werden zunehmend Nachzuchten angeboten, die ethisch und ökologisch die bessere Wahl darstellen.
Quellen
- FishBase: Potamotrygon motoro – fishbase.se
- IUCN Red List: Potamotrygon motoro – iucnredlist.org
- Charvet-Almeida, P. et al. (2005): Freshwater stingrays (Potamotrygonidae) of South America. Shark News, 17, 6–8.
- Ross, R. A. & Schäfer, F. (2000): Aqualog – Süßwasserrochen. Verlag A.C.S.
- CITES: Appendices I, II and III – cites.org
