Der Brasilianische Riesenlaubfrosch ist der größte Vertreter der Makifrösche und kann bis zu 12 cm lang werden. Er ist bekannt für sein Hautsekret, das von indigenen Völkern des Amazonas als „Kambo" in rituellen Zeremonien verwendet wird. Die Art zeichnet sich durch ihre leuchtend grüne Färbung und das charakteristische langsame Kletterverhalten aus.
| Wissenschaftlicher Name | Phyllomedusa bicolor |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Greiffrösche (Phyllomedusidae) |
| Gattung | Phyllomedusa |
| Größe | 9–12 cm |
| Gewicht | 30–60 g |
| Lebenserwartung | 8–15 Jahre |
| Verbreitung | Amazonasbecken (Brasilien, Peru, Kolumbien, Venezuela, Bolivien, Guyana) |
| Lebensraum | Tropischer Regenwald, Baumkronen nahe Gewässern |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Brasilianische Riesenlaubfrosch ist mit 9–12 cm Körperlänge der größte Vertreter der Makifrösche (Phyllomedusinae). Die Oberseite ist leuchtend dunkelgrün, die Flanken und die Innenseiten der Beine zeigen weiße Flecken mit dunklen Rändern auf einem grauen oder bläulichen Grund. Die Unterseite ist weißlich bis cremefarben.
Der Körperbau ist kräftig und für das Klettern optimiert, mit langen, schlanken Gliedmaßen und großen Haftscheiben an Fingern und Zehen. Die Finger sind opponierbar, was einen greifenden Klettergriff ermöglicht. Die Augen sind groß mit vertikaler Pupille und silbriger Iris – typisch für nachtaktive Makifrösche. Die Haut sondert ein wachsartiges Sekret ab, das vor Austrocknung schützt, sowie bioaktive Peptide, die in der traditionellen Medizin verwendet werden.
Verbreitung & Lebensraum
Der Brasilianische Riesenlaubfrosch ist im gesamten Amazonasbecken verbreitet, mit Vorkommen in Brasilien, Peru, Kolumbien, Venezuela, Bolivien und den Guyanas. Er bewohnt primäre tropische Tieflandregenwälder, bevorzugt in Überschwemmungsgebieten und entlang von Flüssen.
Er lebt in den Baumkronen und im mittleren Stockwerk des Regenwaldes, typischerweise in der Nähe von stehenden oder langsam fließenden Gewässern. In der Nacht steigt er zur Fortpflanzung auf Äste und Blätter über dem Wasser herab. Die Art benötigt intakte Regenwaldhabitate und kommt in stark degradierten Wäldern nicht vor.
Lebensweise & Verhalten
Der Brasilianische Riesenlaubfrosch ist streng nachtaktiv und verbringt den Tag reglos auf einem Blatt sitzend, wobei er seine bunten Flanken unter den Beinen verbirgt. Wie alle Phyllomedusa-Arten bewegt er sich extrem langsam und bedächtig durch das Geäst, wobei er sich mit den greifenden Händen und Füßen von Ast zu Ast hangelt.
Ein bemerkenswertes Verhalten ist die Hautpflege: Der Frosch reibt mit den Hinterbeinen ein wachsartiges Sekret über seinen gesamten Körper, um die Verdunstung über die Haut zu minimieren. Dieses Verhalten ist einzigartig unter Fröschen und ermöglicht es der Art, auch in Perioden geringer Luftfeuchtigkeit zu überleben. Das Hautsekret enthält zudem über 70 bioaktive Peptide, die Gegenstand intensiver pharmakologischer Forschung sind.
Ernährung
Der Brasilianische Riesenlaubfrosch ernährt sich aufgrund seiner Größe von einer Vielzahl mittelgroßer Insekten und Gliedertiere. Zur Beute gehören große Grillen, Heuschrecken, Käfer, Motten, Schaben und Spinnen. Gelegentlich frisst er auch kleinere Frösche und Eidechsen.
Im Terrarium fütterst du ihn mit großen Grillen, Heuschrecken, Schaben und Wachsmottenlarven. Die Futtertiere sollten die Breite des Froschkopfes nicht überschreiten. Bestäube sie regelmäßig mit Kalzium- und Vitaminpräparaten. Füttere 2–3 Mal pro Woche – Riesenlaubfrösche neigen weniger zu Verfettung als manche andere Arten, da sie einen aktiven Stoffwechsel haben.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung findet während der Regenzeit statt. Männchen rufen nachts mit einem lauten, wiederholten „wak" von Ästen über dem Wasser. Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier auf ein großes Blatt, das über dem Wasser hängt. Es faltet das Blatt dann teilweise zusammen und bildet eine schützende Tasche.
Ein Gelege umfasst 600–1.000 Eier, die in einer Gallerthülle eingebettet sind. Die Embryonen entwickeln sich innerhalb des Blatts über 8–10 Tage. Die schlüpfenden Kaulquappen fallen in das darunterliegende Gewässer und durchlaufen dort die Metamorphose in 8–12 Wochen. Die großen Gelege und die relativ schnelle Entwicklung ermöglichen eine hohe Reproduktionsrate.
Haltung im Terrarium
Für die Haltung des Brasilianischen Riesenlaubfroschs benötigst du ein großes, hohes Regenwaldterrarium von mindestens 60 × 60 × 100 cm. Die Einrichtung sollte kräftige Kletteräste, großblättrige Pflanzen (Philodendron, Monstera) und ein geräumiges Wasserbecken am Boden umfassen. Die Temperatur sollte tagsüber 24–28 °C betragen, nachts 20–22 °C.
Die Luftfeuchtigkeit muss konstant bei 70–90 % gehalten werden. Aufgrund der Hautsekrete solltest du den Frosch nur mit gewaschenen Händen anfassen und den Kontakt mit Schleimhäuten vermeiden. Die Art ist in der Terraristik gelegentlich als Nachzucht erhältlich und eignet sich für erfahrene Halter mit Kenntnissen in der Pflege tropischer Laubfrösche. Beachte die CITES-Bestimmungen beim Erwerb.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Brasilianische Riesenlaubfrosch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist in ihrem großen Verbreitungsgebiet häufig und die Populationen sind insgesamt stabil. Die Hauptbedrohung ist die fortschreitende Abholzung des Amazonas-Regenwaldes.
Die Verwendung des Hautsekrets als „Kambo" in traditionellen und zunehmend auch in westlichen Zeremonien hat zu einer erhöhten Nachfrage geführt. Die Tiere werden für die Sekretgewinnung gefangen und nach der Entnahme wieder freigelassen, doch die langfristigen Auswirkungen auf die Populationen sind noch nicht umfassend untersucht. Die Art ist in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet.
Quellen
- AmphibiaWeb: Phyllomedusa bicolor – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Phyllomedusa bicolor – iucnredlist.org
- Erspamer, V. et al. (1993): Pharmacological studies of "sapo" from the frog Phyllomedusa bicolor skin. Toxicon, 31(9), 1099–1111.
- Duellman, W. E. (2001): The Hylid Frogs of Middle America. Society for the Study of Amphibians and Reptiles.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
