Der Braune Zackenbarsch ist der größte und bekannteste Zackenbarsch des Mittelmeers. Dieser imposante Raubfisch kann über einen Meter lang und bis zu 60 kg schwer werden. Als protogynischer Hermaphrodit beginnt jedes Tier sein Leben als Weibchen und wandelt sich später in ein Männchen um.
| Wissenschaftlicher Name | Epinephelus marginatus |
| Ordnung | Barschverwandte (Perciformes) |
| Familie | Zackenbarsche (Epinephelidae) |
| Gattung | Epinephelus |
| Größe | 60–120 cm |
| Gewicht | bis 60 kg |
| Lebenserwartung | 40–60 Jahre |
| Verbreitung | Mittelmeer, Ostatlantik (Britische Inseln bis Südafrika), Südwestatlantik |
| Lebensraum | Felsige Küsten, Korallenriffe, Wracks, 8–300 m Tiefe |
| Schutzstatus | Stark gefährdet (EN) – IUCN |
| Aquarium | Nicht für Heimaquarien geeignet |
| Temperatur | 16–26 °C |
| Salinität | 1,023–1,026 |
Beschreibung & Aussehen
Der Braune Zackenbarsch ist ein massiger, kräftiger Fisch mit einer Körperlänge von typischerweise 60–120 cm und einem Gewicht von bis zu 60 kg. Der Körper ist kompakt und muskulös mit einem großen Kopf und einem breiten Maul, das mit kräftigen Zähnen besetzt ist. Die Grundfärbung ist dunkelbraun bis olivbraun mit unregelmäßigen helleren Flecken und Marmorierungen.
Die Flossen sind dunkel mit hellen Rändern. Der Schwanzstiel ist kräftig und die Schwanzflosse abgerundet. Jungtiere zeigen eine deutlich hellere Färbung mit kontrastreicheren Flecken als adulte Exemplare. Die Farbgebung kann je nach Stimmung und Umgebung variieren – gestresste Tiere werden oft deutlich heller oder dunkler.
Verbreitung & Lebensraum
Der Braune Zackenbarsch kommt im Mittelmeer, im östlichen Atlantik von den Britischen Inseln bis Südafrika sowie im südwestlichen Atlantik vor Brasilien vor. Er bewohnt felsige Küstenbereiche, Korallenriffe, Seegraswiesen und Wracks in Tiefen von 8–300 Metern, bevorzugt aber Tiefen von 10–50 Metern.
Die Tiere sind stark an ihr Revier gebunden und bewohnen oft dieselbe Höhle oder Felsspalte über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Ihr Lebensraum muss ausreichend Versteckmöglichkeiten in Form von Felsspalten, Überhängen und Höhlen bieten. In vielen Meeresschutzgebieten des Mittelmeers gehört der Braune Zackenbarsch zu den Leitarten.
Lebensweise & Verhalten
Der Braune Zackenbarsch ist ein reviergebundener Einzelgänger, der sein Territorium gegen Artgenossen und potenzielle Konkurrenten verteidigt. Er ist ein Lauerjäger, der geduldig in seiner Höhle wartet und vorbeikommende Beute mit einem blitzschnellen Schnappstoß ergreift. Das große Maul erzeugt beim Öffnen einen starken Sog, der die Beute regelrecht einsaugt.
Die Tiere sind in Schutzgebieten, wo sie nicht bejagt werden, erstaunlich zutraulich gegenüber Tauchern und lassen sich oft aus nächster Nähe beobachten. Sie entwickeln individuelle Persönlichkeiten und können sogar lernen, bestimmte Taucher wiederzuerkennen.
Eines der faszinierendsten Merkmale ist die protogyne Hermaphroditie: Alle Tiere werden als Weibchen geboren und wandeln sich im Alter von etwa 9–16 Jahren in Männchen um. Dieser Geschlechtswechsel macht die Art besonders anfällig für Überfischung, da die großen Männchen bevorzugt gefangen werden.
Ernährung
Der Braune Zackenbarsch ist ein opportunistischer Raubfisch, der sich hauptsächlich von Fischen, Tintenfischen und Krebstieren ernährt. Er jagt bevorzugt aus dem Hinterhalt und nutzt seine Tarnfärbung und sein blitzschnelles Zuschlagen, um Beute zu überwältigen.
Zu seiner Beute gehören Meerbrassen, Meerbarben, Tintenfische, Hummer und Krabben. Größere Exemplare können auch beachtlich große Beutetiere verschlingen, da das dehnbare Maul es ihnen ermöglicht, Beute von fast der Hälfte ihrer eigenen Körpergröße zu schlucken. Jungtiere ernähren sich von kleinen Krebstieren und Fischen.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung des Braunen Zackenbarsches ist eng mit seiner protogynischen Hermaphroditie verknüpft. Die Laichzeit im Mittelmeer liegt in den Sommermonaten (Juni–September). Mehrere Weibchen versammeln sich im Revier eines Männchens, und das Ablaichen erfolgt in der Abenddämmerung.
Die pelagischen Eier treiben im freien Wasser und die Larven schlüpfen nach etwa zwei Tagen. Die Geschlechtsreife als Weibchen wird mit 5–7 Jahren erreicht, die Umwandlung zum Männchen erfolgt erst mit 9–16 Jahren. Diese späte Geschlechtsreife und der komplexe Lebenszyklus machen die Art besonders empfindlich gegenüber Überfischung.
Haltung im Aquarium
Der Braune Zackenbarsch ist aufgrund seiner enormen Endgröße, seines Raubverhaltens und seiner langen Lebensdauer nicht für die Haltung in privaten Heimaquarien geeignet. Selbst in öffentlichen Aquarien werden Becken mit mehreren Tausend Litern Volumen benötigt.
Die Art wird gelegentlich in großen öffentlichen Schauaquarien gehalten, wo sie sich als robuster und langlebiger Bewohner erweist. In Gefangenschaft können die Tiere handzahm werden und Futter direkt vom Pfleger annehmen. Die artgerechte Haltung erfordert jedoch Becken, die für Privatpersonen weder praktikabel noch wirtschaftlich sinnvoll sind.
Wenn du den Braunen Zackenbarsch erleben möchtest, besuche ihn beim Tauchen in einem Meeresschutzgebiet – dort sind die Tiere oft besonders zutraulich und bieten unvergessliche Begegnungen.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Braune Zackenbarsch wird von der IUCN als „Endangered" (stark gefährdet) eingestuft. Jahrzehntelange Überfischung, insbesondere die gezielte Unterwasserjagd, hat die Bestände im Mittelmeer drastisch reduziert. Die protogyne Hermaphroditie verschärft das Problem, da große Männchen besonders selten geworden sind.
In vielen Mittelmeerländern ist der Braune Zackenbarsch mittlerweile geschützt, und in Meeresschutzgebieten erholen sich die Bestände langsam. Fangverbote, Mindestgrößen und die Einrichtung von No-Take-Zonen haben in einigen Regionen zu positiven Entwicklungen geführt. Der Braune Zackenbarsch gilt als Flaggschiffart für den Meeresschutz im Mittelmeer.
Quellen
- FishBase: Epinephelus marginatus – fishbase.se
- IUCN Red List: Epinephelus marginatus – iucnredlist.org
- Harmelin, J.-G. & Harmelin-Vivien, M. (1999): A review of habitat, diet and growth of the dusky grouper. Marine Life, 9, 11–20.
- Zabala, M. et al. (1997): Space-time distribution of Epinephelus marginatus in the Medes Islands Marine Reserve. Scientia Marina, 61, 499–510.
- Heemstra, P. C. & Randall, J. E. (1993): FAO Species Catalogue Vol. 16: Groupers of the World. FAO.
