Die Cayenne-Blindwühle ist eine der wenigen vollständig aquatischen Blindwühlenarten und die am häufigsten im Aquarium gehaltene Vertreterin dieser faszinierenden Amphibienordnung. Mit ihrem schlangenartigen, seitlich abgeflachten Körper und der dunkelgrauen bis schwarzen Färbung ist sie ein ungewöhnlicher und interessanter Aquarienbewohner. Sie stammt aus den Süßgewässern Südamerikas und kann in Gefangenschaft 10–15 Jahre alt werden.
| Wissenschaftlicher Name | Typhlonectes compressicauda |
| Ordnung | Schleichenlurche (Gymnophiona) |
| Familie | Blindwühlen (Typhlonectidae) |
| Gattung | Typhlonectes |
| Größe | 30–55 cm |
| Gewicht | 50–150 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Südamerika (Venezuela, Kolumbien, Brasilien, Guyana, Französisch-Guayana) |
| Lebensraum | Süßwasserflüsse, Bäche, Sümpfe, überschwemmte Gebiete |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Die Cayenne-Blindwühle besitzt einen langgestreckten, aalartig wirkenden Körper, der im hinteren Bereich seitlich abgeflacht ist und eine Hautflosse bildet, die als Schwimmhilfe dient. Die Körperlänge beträgt 30–55 cm, wobei besonders große Exemplare auch 60 cm erreichen können. Die Haut ist glatt, schleimig und von dunkelgrauer bis blauschwarzer Farbe, die Unterseite ist etwas heller.
Der Körper ist durch zahlreiche Ringfurchen (Annuli) gegliedert, die dem Tier ein segmentiertes Aussehen verleihen. Der Kopf ist klein und flach mit einem abgerundeten Maul. Die Augen sind stark reduziert und als winzige dunkle Punkte unter der Haut erkennbar. Zwischen Auge und Nasenloch befindet sich das für Blindwühlen typische Tentakel – ein chemisches Sinnesorgan, das bei der Orientierung und Nahrungssuche im trüben Wasser eine wichtige Rolle spielt. Im Maul sitzen zahlreiche kleine, spitze Zähne, die dem Festhalten schlüpfriger Beute dienen.
Verbreitung & Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet der Cayenne-Blindwühle erstreckt sich über weite Teile des nördlichen und zentralen Südamerikas. Du findest sie in Venezuela, Kolumbien, Brasilien, Guyana, Suriname und Französisch-Guayana. Die Art kommt hauptsächlich im Tiefland vor, in Höhenlagen bis etwa 500 Meter über dem Meeresspiegel.
Als vollständig aquatische Art bewohnt die Cayenne-Blindwühle langsam fließende Flüsse, Bäche, Sümpfe, Überschwemmungsgebiete und stehende Gewässer mit weichem Bodengrund. Sie bevorzugt Gewässer mit dichter Ufervegetation und reichlich Versteckmöglichkeiten in Form von Wurzelwerk, Falllaub und Schwemmholz. Während der Regenzeit breitet sie sich in überschwemmte Waldgebiete und Feuchtwiesen aus.
Lebensweise & Verhalten
Die Cayenne-Blindwühle ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verbirgt sie sich im Bodensubstrat, zwischen Wasserpflanzen oder in Wurzelwerk und Totholz. Nachts wird sie aktiv und durchstreift den Gewässergrund auf der Suche nach Nahrung. Trotz ihrer reduzierten Augen orientiert sie sich hervorragend mithilfe ihres Tentakelorgans und ihres ausgeprägten Geruchssinns.
Die Art ist ein guter Schwimmer und bewegt sich mit schlängelnden Körperbewegungen durchs Wasser. Die seitlich abgeflachte Schwanzregion dient dabei als effektive Antriebsflosse. Blindwühlen müssen regelmäßig an die Wasseroberfläche kommen, um Luft zu atmen – sie besitzen funktionsfähige Lungen und können nicht ausschließlich über die Haut atmen. Dieses Verhalten kannst du besonders in den Abend- und Nachtstunden gut beobachten.
Cayenne-Blindwühlen sind friedliche Tiere, die gegenüber Artgenossen und anderen Aquarienbewohnern keine Aggression zeigen. Sie können in kleinen Gruppen gehalten werden und zeigen gelegentlich geselliges Verhalten, indem sie sich zu mehreren in einem Versteck zusammenfinden.
Ernährung
In der Natur ernährt sich die Cayenne-Blindwühle von einer Vielzahl kleiner Wassertiere. Zu ihrem Nahrungsspektrum gehören Zuckmückenlarven, kleine Krebstiere, Würmer, Insektenlarven und gelegentlich kleine Fische. Die Beute wird mit dem empfindlichen Tentakelorgan aufgespürt und mit den spitzen Zähnen gepackt. Größere Beutetiere werden durch rotierende Bewegungen des Körpers in mundgerechte Stücke zerteilt.
Im Aquarium nimmst du die Cayenne-Blindwühle am besten mit Frostfutter wie roten Mückenlarven, Tubifex und Artemia an. Auch Regenwürmer (in passender Größe), Enchyträen und fein gehackte Fischstücke werden gerne gefressen. Du solltest abwechslungsreich füttern und darauf achten, dass die Futtertiere den Bodengrund erreichen, da die Blindwühlen ihr Futter dort suchen. Eine Fütterung alle 2–3 Tage ist in der Regel ausreichend.
Fortpflanzung
Die Cayenne-Blindwühle ist lebendgebärend (vivipar) – eine Besonderheit unter den Amphibien. Die Befruchtung erfolgt intern, wobei das Männchen ein spezielles Begattungsorgan (Phallodeum) verwendet, um die Spermien direkt in die Kloake des Weibchens zu übertragen. Die Tragzeit beträgt etwa 6–7 Monate.
Die Embryonen entwickeln sich im Eileiter der Mutter und ernähren sich zunächst vom Dotter, später von einem nährstoffreichen Sekret der Eileiterwand (Matrotrophie). Pro Wurf werden in der Regel 2–9 vollständig entwickelte Jungtiere geboren, die bei der Geburt bereits 10–15 cm lang sind. Die Jungtiere sind sofort selbstständig und beginnen eigenständig zu fressen.
Die Zucht im Aquarium ist möglich, aber selten und erfordert optimale Bedingungen. Wichtig sind stabile Wasserparameter, ausreichend Futter und Versteckmöglichkeiten für die trächtigen Weibchen. Die Geschlechtsreife wird mit etwa 2–3 Jahren erreicht.
Haltung im Aquarium
Als vollständig aquatische Art eignet sich die Cayenne-Blindwühle gut für die Haltung im Aquarium. Du benötigst ein Becken mit mindestens 100 Litern Fassungsvermögen für eine kleine Gruppe von 2–3 Tieren, besser sind 150–200 Liter. Der Bodengrund sollte aus feinem Sand bestehen, da die Tiere sich gerne eingraben. Reichlich Versteckmöglichkeiten in Form von Wurzeln, Kokosnusshälften, PVC-Röhren und dichten Wasserpflanzen sind unerlässlich.
Die Wassertemperatur sollte zwischen 22 und 28 °C liegen, idealerweise bei 24–26 °C. Der pH-Wert sollte zwischen 6,0 und 7,5 liegen, die Gesamthärte bei 5–15 °dGH. Ein leistungsfähiger Filter ist wichtig, da die Tiere empfindlich auf schlechte Wasserqualität reagieren. Regelmäßige Wasserwechsel von 20–30 % pro Woche sind empfehlenswert. Achte auf eine sichere Abdeckung des Aquariums – Blindwühlen sind erstaunlich geschickte Ausbruchskünstler und können durch kleinste Spalten entkommen.
Die Vergesellschaftung mit friedlichen, nicht zu kleinen Fischen ist grundsätzlich möglich. Gut geeignete Beifische sind Panzerwelse, ruhige Salmlerarten und kleine Buntbarsche. Sehr kleine Fische und Garnelen könnten als Beute angesehen werden. Vermeide aggressive oder sehr aktive Fischarten, die die scheuen Blindwühlen stressen könnten.
Gefährdung & Schutzstatus
Die Cayenne-Blindwühle wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art hat ein großes Verbreitungsgebiet und kommt in vielen Regionen noch häufig vor. Dennoch können lokale Populationen durch Gewässerverschmutzung, Habitatzerstörung und den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft beeinträchtigt werden.
Da die Art gelegentlich für den Aquarienhandel gefangen wird, ist ein nachhaltiger Umgang mit den Wildbeständen wichtig. Nachzuchten sind wünschenswert, aber im Aquarienhandel noch selten. Der Schutz der natürlichen Süßwasserlebensräume in Südamerika ist entscheidend für den langfristigen Erhalt dieser faszinierenden Art. Wenn du Cayenne-Blindwühlen halten möchtest, erkundige dich nach Nachzuchten und informiere dich über die geltenden Artenschutzbestimmungen in deinem Land.
Quellen
- AmphibiaWeb: Typhlonectes compressicauda – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Typhlonectes compressicauda – iucnredlist.org
- Wilkinson, M. (2012): Caecilians. Current Biology, 22(17), R668–R669.
- Wake, M. H. (1977): The reproductive biology of caecilians: an evolutionary perspective. In: Taylor, D. H. & Guttman, S. I. (eds.): The Reproductive Biology of Amphibians. Plenum Press, New York.
- Exbrayat, J.-M. (2006): Reproductive Biology and Phylogeny of Gymnophiona (Caecilians). Science Publishers, Enfield.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
