Der Chinesische Riesensalamander ist das größte lebende Amphibium der Erde und kann eine Länge von bis zu 180 cm erreichen. Dieser urzeitlich anmutende Schwanzlurch lebt in klaren Bergbächen Chinas und hat sich seit dem Jura kaum verändert – ein lebendes Fossil. Tragischerweise ist er durch Überjagung und Lebensraumverlust vom Aussterben bedroht.
| Wissenschaftlicher Name | Andrias davidianus |
| Ordnung | Schwanzlurche (Caudata) |
| Familie | Riesensalamander (Cryptobranchidae) |
| Gattung | Andrias |
| Größe | Bis 180 cm |
| Gewicht | 25–30 kg (Rekord: über 50 kg) |
| Lebenserwartung | 50–60 Jahre (möglicherweise bis 80 Jahre) |
| Verbreitung | China (Zentral- und Südchina) |
| Lebensraum | Klare, kalte Bergbäche und Flüsse in bewaldeten Gebieten |
| Schutzstatus | Vom Aussterben bedroht (CR) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Chinesische Riesensalamander ist ein wahrhaft gigantisches Amphibium: Er kann bis zu 180 cm lang und über 30 kg schwer werden, wobei historische Berichte sogar von Exemplaren über 50 kg erzählen. Der Körper ist massig, stark abgeflacht und mit einer faltigen, warzigen Haut bedeckt, die zahlreiche Hautlappen an den Flanken bildet – diese vergrößern die Oberfläche für die Hautatmung.
Die Grundfarbe ist dunkelbraun bis olivbraun mit unregelmäßigen dunkleren Flecken. Der Kopf ist breit und flach mit kleinen, lidlosen Augen – ein Hinweis auf die überwiegend nachtaktive Lebensweise. Die Beine sind kurz und kräftig, der Schwanz seitlich abgeflacht und etwa ein Drittel der Gesamtlänge. Trotz der reduzierten Augen verfügt der Riesensalamander über Sinneszellen entlang der Körperseiten (Seitenlinienorgan), die Vibrationen im Wasser wahrnehmen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Chinesische Riesensalamander kommt in Zentral- und Südchina vor, hauptsächlich in den Provinzen Sichuan, Guizhou, Hunan, Hubei, Shaanxi und Guangxi. Historisch war er weit verbreitet, heute ist sein Vorkommen stark fragmentiert und auf isolierte Berggebiete beschränkt.
Er bewohnt klare, kalte, sauerstoffreiche Bergbäche und Flüsse in bewaldeten Gebieten, typischerweise in Höhenlagen von 300 bis 1.500 m. Die Wassertempeatur in seinen Habitaten liegt meist zwischen 10 und 20 °C. Er bevorzugt Gewässerabschnitte mit Felshöhlen, Unterspülungen und tiefen Gumpen, in denen er sich tagsüber versteckt. Sauberes Wasser mit guter Sauerstoffversorgung ist überlebenswichtig, da er einen großen Teil seines Sauerstoffbedarfs über die Haut aufnimmt.
Lebensweise & Verhalten
Der Chinesische Riesensalamander ist vollständig aquatisch und verlässt das Wasser nur äußerst selten. Er ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in Unterwasserhöhlen und Felsspalten. In der Dämmerung und nachts geht er auf Beutefang und verlässt dazu seine Verstecke.
Trotz seiner Größe ist er ein Lauerjäger, der geduldig wartet, bis Beute in Reichweite kommt. Mit einer blitzschnellen seitlichen Kopfbewegung schnappt er dann zu. Die Art besitzt ein ausgeprägtes Seitenlinienorgan, das Druckwellen im Wasser registriert und so die Ortung von Beutetieren auch bei völliger Dunkelheit ermöglicht. Er ist überwiegend einzelgängerisch und kann territorial sein – besonders Männchen während der Brutzeit.
Ernährung
Als Spitzenprädator in seinem Lebensraum frisst der Chinesische Riesensalamander Fische, Krebse, Frösche, Wasserschlangen, Schnecken und sogar kleinere Artgenossen. Die Beute wird durch die blitzschnelle Saugschnapp-Methode erbeutet: Der Salamander öffnet explosionsartig sein breites Maul und saugt die Beute zusammen mit dem Wasser ein.
Junge Riesensalamander ernähren sich von Insektenlarven, kleinen Krebstieren und Würmern. In Zuchtfarmen werden die Tiere mit Fisch, Fischinnereien und speziellen Pellets gefüttert. In der Natur kann der Riesensalamander wochenlang fasten, wenn die Beutedichte gering ist.
Fortpflanzung
Die Paarungszeit liegt im Spätsommer bis Herbst (August–September). Das Männchen wählt eine geeignete Bruthöhle und verteidigt sie aggressiv gegen Rivalen. Das dominante Männchen, der sogenannte „Höhlenherr", lockt ein oder mehrere Weibchen in die Höhle, wo die Eiablage stattfindet.
Das Weibchen legt 400–500 Eier in langen, perlenartigen Schnüren ab, die vom Männchen befruchtet werden. Das Männchen bewacht die Eier anschließend über 50–60 Tage bis zum Schlüpfen und schützt sie vor Fressfeinden und Pilzbefall. Die Larven sind bei der Geburt etwa 3 cm lang und besitzen äußere Kiemen. Die Metamorphose erstreckt sich über mehrere Jahre, wobei die Kiemen nach 2–3 Jahren zurückgebildet werden. Die Geschlechtsreife wird erst mit 5–6 Jahren erreicht.
Haltung im Terrarium
Die private Haltung des Chinesischen Riesensalamanders ist aufgrund seiner extremen Größe, seines kritischen Schutzstatus und der rechtlichen Beschränkungen nicht realistisch und nicht erlaubt. Die Art unterliegt dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES Anhang I) und dem chinesischen Naturschutzrecht der höchsten Schutzstufe.
In China existieren zahlreiche Zuchtfarmen, die den Riesensalamander für die Gastronomie züchten – eine Praxis, die erheblich zur genetischen Vermischung wilder Populationen beigetragen hat, da Zuchtfarm-Tiere freigesetzt wurden. Zoologische Gärten weltweit halten vereinzelt Chinesische Riesensalamander und beteiligen sich an Schutzprogrammen. Für die Aquarienhaltung sind nur kleinere, weniger bedrohte Salamanderarten geeignet.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Chinesische Riesensalamander wird von der IUCN als „Critically Endangered" (vom Aussterben bedroht) eingestuft. Die Wildpopulationen sind in den letzten 30 Jahren um über 80 % zurückgegangen. Hauptbedrohungen sind die illegale Jagd für die traditionelle chinesische Medizin und die Gastronomie (das Fleisch gilt als Delikatesse), der Verlust geeigneter Gewässerhabitate durch Dammbau und Verschmutzung sowie die genetische Kontamination durch freigesetzte Zuchtfarmtiere.
Neuere genetische Studien haben gezeigt, dass es sich beim „Chinesischen Riesensalamander" wahrscheinlich um einen Komplex aus mindestens fünf verschiedenen Arten handelt, von denen einige möglicherweise bereits ausgestorben sind. Internationale Schutzprogramme, Zuchtprojekte und die Einrichtung von Schutzgebieten sind dringend notwendig, um dieses einzigartige lebende Fossil vor dem Aussterben zu bewahren.
Quellen
- AmphibiaWeb: Andrias davidianus – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Andrias davidianus – iucnredlist.org
- Turvey, S. T. et al. (2018): Imminent extinction in the wild of the world's largest amphibian. Current Biology, 28(10), R592–R594.
- Yan, F. et al. (2018): The Chinese giant salamander exemplifies the hidden extinction of cryptic species. Current Biology, 28(10), R590–R592.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
