Molche

Donau-Kammmolch (Triturus dobrogicus)

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Donau-Kammmolch (Triturus dobrogicus)

Bildquelle: WildMedia / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Donau-Kammmolch ist ein großer, schlanker Molch des Donau-Einzugsgebiets. Er ist stärker ans Wasser gebunden als andere Kammmolche und verbringt einen Großteil des Jahres in Auengewässern und Überschwemmungsflächen. Sein Bestand ist durch den Verlust von Auen-Lebensräumen potenziell gefährdet.

Der Donau-Kammmolch ist ein großer, schlanker Molch des Donau-Einzugsgebiets. Er ist stärker ans Wasser gebunden als andere Kammmolche und verbringt einen Großteil des Jahres in Auengewässern und Überschwemmungsflächen. Sein Bestand ist durch den Verlust von Auen-Lebensräumen potenziell gefährdet.

Steckbrief: Donau-Kammmolch (Triturus dobrogicus)
Wissenschaftlicher NameTriturus dobrogicus
OrdnungSchwanzlurche (Urodela)
FamilieEchte Salamander (Salamandridae)
GattungTriturus
Größe12–18 cm
Gewicht8–15 g
Lebenserwartung10–15 Jahre
VerbreitungDonauraum, Osteuropa (Österreich bis Schwarzes Meer)
LebensraumÜberschwemmungsflächen, Auengewässer, Altarme
SchutzstatusPotenziell gefährdet (NT) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Donau-Kammmolch erreicht eine Gesamtlänge von 12–18 cm und ist damit einer der größten Molche Europas. Im Vergleich zu anderen Kammmolcharten ist er etwas schlanker und langgestreckter. Die Oberseite ist dunkelbraun bis schwarz mit undeutlichen, dunklen Flecken. Die Unterseite ist leuchtend orange bis gelb mit einem individuellen Muster dunkler Flecken.

Männchen in Wassertracht besitzen einen hohen, gezackten Rückenkamm, der allerdings im Vergleich zum Europäischen Kammmolch etwas niedriger ausfällt. An der Schwanzbasis ist der Kamm deutlich eingekerbt. Die Schwanzseiten zeigen ein silbrig-bläuliches Band. Weibchen sind kammlos und etwas größer als Männchen. Die Körperproportionen – der relativ längere Rumpf und kürzere Schwanz – unterscheiden den Donau-Kammmolch von den übrigen Kammmolcharten.

Verbreitung & Lebensraum

Der Donau-Kammmolch ist eng an das Einzugsgebiet der Donau und ihrer großen Nebenflüsse gebunden. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Ostösterreich über Ungarn, die Slowakei, Serbien, Rumänien und die Ukraine bis zum Donaudelta am Schwarzen Meer. Isolierte Vorkommen gibt es auch an der Drau, Save und Theiß.

Die Art ist stärker an Gewässer gebunden als andere Kammmolche und bevorzugt die Auenlandschaften der großen Flüsse. Typische Lebensräume sind Altarme, Überschwemmungsflächen, Auengewässer, Altwässer und flache Teiche in den Flussauen. Im Gegensatz zu anderen Kammmolchen verbringt der Donau-Kammmolch oft einen großen Teil des Jahres im Wasser und hat eine deutlich längere aquatische Phase.

Lebensweise & Verhalten

Der Donau-Kammmolch ist unter den europäischen Kammmolchen am stärksten an das Wasserleben angepasst. Er verbringt oft 6–8 Monate pro Jahr im Wasser – von März bis Oktober oder sogar November. Einige Populationen bleiben ganzjährig aquatisch, besonders in Gebieten mit permanenten Auengewässern.

Während der aquatischen Phase ist er tag- und nachtaktiv und zeigt das für Kammmolche typische spektakuläre Balzverhalten. An Land ist er dämmerungs- und nachtaktiv und verbirgt sich unter Steinen, Totholz und in Erdspalten. Die Winterruhe ist relativ kurz und wird in der Nähe der Gewässer verbracht.

Ernährung

Der Donau-Kammmolch ernährt sich als Raubtier von einer breiten Palette aquatischer und terrestrischer Wirbelloser. Im Wasser frisst er Mückenlarven, Wasserflöhe, Bachflohkrebse, kleine Schnecken, Würmer und Insektenlarven. Gelegentlich werden auch Kaulquappen und Larven anderer Amphibien erbeutet – einschließlich der Larven der eigenen Art.

An Land stehen Regenwürmer, Nacktschnecken, Insekten und Spinnen auf dem Speiseplan. Die Beute wird visuell geortet und mit einer schnellen Schnappbewegung ergriffen. Im Wasser nutzt der Molch die Saugschnapp-Technik, bei der durch schnelles Öffnen des Mauls ein Unterdruck entsteht, der die Beute einsaugt.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr (März–April) und kann sich bis in den Juni erstrecken. Das Männchen führt eine eindrucksvolle Balz durch, bei der es seinen Kamm aufrichtet, den Schwanz seitlich abknickt und wellend bewegt, um Pheromone zum Weibchen zu fächeln. Die Balz erfolgt in einer ritualisierten Sequenz aus Annäherung, Präsentation und Spermatophorenabgabe.

Das Weibchen legt 200–400 Eier einzeln an Blätter von Wasserpflanzen. Die Larven schlüpfen nach 2–3 Wochen und entwickeln sich über 3–4 Monate im Wasser, bevor sie die Metamorphose durchlaufen. In manchen Jahren verlassen nicht alle Larven das Wasser vor dem Winter und überwintern als Larven. Die Geschlechtsreife wird mit 2–4 Jahren erreicht.

Haltung im Aquarium

Der Donau-Kammmolch steht unter strengem Naturschutz und darf nicht der Natur entnommen werden. Die Haltung von legal erworbenen Nachzuchten ist in einem Aquaterrarium ab 80 × 40 cm Grundfläche möglich. Aufgrund seiner starken Wasserbindung sollte der Wasseranteil groß sein – ein Wasserstand von 20–30 cm mit einem kleinen Landteil ist ideal.

Die Wassertemperatur sollte 16–20 °C betragen. Reichlich Wasserpflanzen, insbesondere breitblättrige Arten zum Einfalten der Eier, sind wichtig. Gefüttert wird mit Mückenlarven, Regenwürmern und Enchyträen. Eine Winterruhe bei 4–8 °C über 2–3 Monate ist empfehlenswert. Die Art ist im Handel selten und wird nur gelegentlich von spezialisierten Züchtern angeboten.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Donau-Kammmolch wird von der IUCN als „Near Threatened" (potenziell gefährdet) eingestuft. Die Hauptbedrohung ist der massive Verlust von Auenlebensräumen entlang der Donau und ihrer Nebenflüsse durch Flussregulierungen, Deichbau und die Trockenlegung von Überschwemmungsflächen. Auch Gewässerverschmutzung und der Einsatz von Pestiziden in der intensiven Landwirtschaft wirken sich negativ aus.

Die Art ist durch die EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Anhang II und IV) geschützt und gilt als „Art von gemeinschaftlichem Interesse". Der Erhalt und die Renaturierung von Donauauen sowie die Schaffung von Ersatzlaichgewässern sind entscheidende Schutzmaßnahmen.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Triturus dobrogicusamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Triturus dobrogicusiucnredlist.org
  3. Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
  4. Wielstra, B. & Arntzen, J. W. (2011): Unraveling the rapid radiation of crested newts. Molecular Phylogenetics and Evolution, 60(3), 393–401.
  5. Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.

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