Fische (Salzwasser)

Drachenkopf (Scorpaena scrofa)

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Drachenkopf (Scorpaena scrofa)

Bildquelle: Jesus Cobaleda / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Drachenkopf ist ein meisterhafter Tarnkünstler und gefürchteter Lauerjäger des Mittelmeers. Mit seinen giftigen Rückenflossenstacheln, dem zerklüfteten Körperprofil und seiner perfekten Tarnung ist er fast unsichtbar, wenn er regungslos auf dem Meeresgrund lauert.

Der Drachenkopf ist ein meisterhafter Tarnkünstler und gefürchteter Lauerjäger des Mittelmeers. Mit seinen giftigen Rückenflossenstacheln, dem zerklüfteten Körperprofil und seiner perfekten Tarnung ist er fast unsichtbar, wenn er regungslos auf dem Meeresgrund lauert.

Steckbrief: Drachenkopf (Scorpaena scrofa)
Wissenschaftlicher NameScorpaena scrofa
OrdnungDrachenkopfartige (Scorpaeniformes)
FamilieSkorpionfische (Scorpaenidae)
GattungScorpaena
Größe30–50 cm
Gewichtbis 3 kg
Lebenserwartung15–20 Jahre
VerbreitungMittelmeer und Ostatlantik (Britische Inseln bis Senegal)
LebensraumFelsige Küsten, Seegraswiesen, sandige Böden, 5–500 m Tiefe
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN
Aquariumab 500 Liter (nur für erfahrene Spezialisten)
Temperatur16–24 °C
Salinität1,023–1,026

Beschreibung & Aussehen

Der Drachenkopf wird 30–50 cm lang und bis zu 3 kg schwer. Sein Körper ist massig und mit zahlreichen Hautlappen, Fransen und Warzen besetzt, die zusammen mit der variablen Färbung eine perfekte Tarnung auf felsigem und bewachsenem Untergrund ergeben. Die Färbung variiert von rötlich-braun über orange bis hin zu graubraun, je nach Umgebung.

Der Kopf ist groß und breit mit kräftigen Stacheln an den Kiemendeckeln und über den Augen. Die Augen sind relativ klein und gut getarnt. Die Rückenflosse trägt 12 kräftige Stacheln, die mit Giftdrüsen verbunden sind. Ein Stich ist extrem schmerzhaft und kann bei Menschen zu starken Schwellungen, Übelkeit und selten zu allergischen Reaktionen führen.

Verbreitung & Lebensraum

Der Drachenkopf kommt im gesamten Mittelmeer und im östlichen Atlantik von den Britischen Inseln bis Senegal, einschließlich der Kanarischen Inseln, Madeira und der Azoren vor. Er bewohnt felsige Küstenbereiche, Seegraswiesen, sandige und schlammige Böden in Tiefen von 5–500 Metern, kommt aber am häufigsten in 20–150 Metern vor.

Die Tiere sind extrem standorttreu und besetzen über lange Zeiträume denselben Platz auf dem Meeresgrund. Sie bevorzugen Bereiche mit Felsen, Bewuchs oder Seegras, die ihre Tarnung unterstützen. In der Nähe von Höhlen und Spalten fühlen sie sich besonders wohl.

Lebensweise & Verhalten

Der Drachenkopf ist ein klassischer Lauerjäger. Er liegt stunden- oder sogar tagelang regungslos auf dem Boden und wartet, bis eine Beute in Reichweite kommt. Sein riesiges Maul kann blitzschnell aufgerissen werden, wobei ein starker Sog entsteht, der die Beute einsaugt. Dieser Schnappangriff dauert nur wenige Millisekunden und ist einer der schnellsten Fressvorgänge im Tierreich.

Die Tarnung ist so perfekt, dass selbst aufmerksame Taucher den Fisch oft übersehen. Algen, Hydroiden und andere Organismen siedeln sich auf der Haut des Drachenkopfs an und verstärken die Tarnung zusätzlich. Die Tiere häuten sich regelmäßig, um diese Aufwüchse abzustreifen.

Die giftigen Stacheln werden nur zur Verteidigung eingesetzt. Der Drachenkopf ist nicht aggressiv, aber die Gefahr, versehentlich auf einen getarnten Fisch zu treten, ist real – besonders beim Waten in flachem Wasser.

Ernährung

Der Drachenkopf ernährt sich von Fischen, Krebstieren und Tintenfischen, die er aus dem Hinterhalt erbeutet. Die Beute wird durch den blitzschnellen Schnappangriff mit dem riesigen Maul eingesaugt. Beute bis zur Hälfte der eigenen Körpergröße kann problemlos verschlungen werden.

In der Natur frisst der Drachenkopf je nach Verfügbarkeit kleine Meerbrassen, Lippfische, Grundeln, Garnelen, Krabben und kleine Tintenfische. Die Tiere fressen nur gelegentlich – nach einer großen Mahlzeit kann es Tage oder sogar Wochen dauern, bis sie wieder Nahrung aufnehmen.

Fortpflanzung

Die Laichzeit des Drachenkopfs im Mittelmeer liegt zwischen Mai und August. Die Weibchen geben eine gallertartige Eimasse ab, die an der Wasseroberfläche treibt. Diese transparente, gelatinöse Hülle enthält Tausende von Eiern und kann bis zu 30 cm lang sein.

Die Larven schlüpfen nach wenigen Tagen und leben zunächst als Plankton im freien Wasser. Nach einigen Wochen lassen sie sich am Boden nieder und nehmen die für adulte Tiere typische bodennahe Lebensweise auf. Die Geschlechtsreife wird mit etwa 3–4 Jahren erreicht.

Haltung im Aquarium

Die Haltung des Drachenkopfs im Aquarium ist nur für erfahrene Spezialisten empfehlenswert und erfordert besondere Vorsichtsmaßnahmen wegen der giftigen Stacheln. Ein Aquarium ab 500 Litern mit einem felsigen Aufbau und sandigem Bodengrund bietet eine geeignete Umgebung. Die Wassertemperatur sollte bei 16–24 °C liegen – kühler als bei tropischen Meerwasserfischen.

Die Fütterung erfordert Geduld, da der Drachenkopf meist nur lebende oder frisch aufgetaute Nahrung akzeptiert. Fische, Garnelen und Tintenfischstücke können mit einer Futterzange angeboten werden. Füttere nur alle paar Tage, da der Fisch große Mahlzeiten langsam verdaut.

Extreme Vorsicht beim Hantieren im Becken ist geboten! Trage bei Wartungsarbeiten stets dicke Handschuhe und arbeite langsam und aufmerksam. Der Stich eines Drachenkopfs erfordert sofortige medizinische Behandlung. Die Vergesellschaftung ist nur mit gleich großen oder größeren, robusten Fischen möglich – alles Kleine wird gefressen.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Drachenkopf wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Er ist im Mittelmeer und Ostatlantik verbreitet und relativ häufig. Die Art wird als geschätzter Speisefisch gefangen und ist eine Hauptzutat der französischen Bouillabaisse.

In einigen Regionen sind die Bestände durch Überfischung zurückgegangen, erholen sich aber in Schutzgebieten gut. Der Drachenkopf profitiert von Meeresschutzgebieten, in denen keine Fischerei betrieben wird, und kann dort beachtliche Dichten erreichen.

Quellen

  1. FishBase: Scorpaena scrofafishbase.se
  2. IUCN Red List: Scorpaena scrofaiucnredlist.org
  3. Hureau, J.-C. & Litvinenko, N. I. (1986): Scorpaenidae. In: Fishes of the North-eastern Atlantic and the Mediterranean. UNESCO.
  4. Debelius, H. (1997): Mediterranean and Atlantic Fish Guide. IKAN.
  5. Harmelin-Vivien, M. L. et al. (1985): Évaluation visuelle des peuplements et populations de poissons. Revue d'Écologie, 40, 467–539.

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