Frösche

Dschungelfrosch (Leptodactylus fallax)

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Dschungelfrosch (Leptodactylus fallax)

Bildquelle: Derek D. Galon / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Dschungelfrosch, auch „Mountain Chicken" genannt, ist einer der größten Frösche der Karibik. Sein Name rührt daher, dass er von der lokalen Bevölkerung als Delikatesse geschätzt wird und sein Fleisch an Hühnchen erinnert. Die Art kommt nur auf Dominica und Montserrat vor und ist durch den Chytridpilz vom Aussterben bedroht.

Der Dschungelfrosch, auch „Mountain Chicken" genannt, ist einer der größten Frösche der Karibik. Sein Name rührt daher, dass er von der lokalen Bevölkerung als Delikatesse geschätzt wird und sein Fleisch an Hühnchen erinnert. Die Art kommt nur auf Dominica und Montserrat vor und ist durch den Chytridpilz vom Aussterben bedroht.

Steckbrief: Dschungelfrosch (Leptodactylus fallax)
Wissenschaftlicher NameLeptodactylus fallax
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieLeptodactylidae
GattungLeptodactylus
Größe15–21 cm
Gewicht400–900 g
Lebenserwartung10–15 Jahre
VerbreitungDominica und Montserrat (Kleine Antillen)
LebensraumTropische Bergwälder, Flusstäler, Schluchten
SchutzstatusVom Aussterben bedroht (CR) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Dschungelfrosch ist ein großer, kräftig gebauter Frosch mit einer Körperlänge von 15–21 cm und einem Gewicht von bis zu 900 g. Die Oberseite ist kastanienbraun bis rotbraun gefärbt, oft mit dunkleren Flecken und einem hellen Streifen entlang der Oberlippenregion. Die Unterseite ist heller, gelblich bis cremefarben.

Der Kopf ist breit und flach mit großen, prominenten Augen und einer abgerundeten Schnauze. Die kräftigen Hinterbeine machen ihn zu einem ausgezeichneten Springer. Die Finger und Zehen sind nicht mit Schwimmhäuten verbunden, was seine überwiegend terrestrische Lebensweise widerspiegelt. Männchen entwickeln zur Paarungszeit verdickte Daumen mit Brunftschwielen.

Verbreitung & Lebensraum

Der Dschungelfrosch kommt ausschließlich auf den karibischen Inseln Dominica und Montserrat vor, wobei die Population auf Montserrat durch den Vulkanausbruch des Soufrière Hills 1997 und den Chytridpilz dramatisch dezimiert wurde. Auf Dominica hat der Chytridpilz seit 2002 zu einem geschätzten Bestandsrückgang von über 80 % geführt.

Die Art bewohnt tropische Bergwälder, bevorzugt in Flusstälern und feuchten Schluchten in Höhenlagen zwischen 100 und 800 m. Sie benötigt dichte Vegetation, feuchte Böden und natürliche Höhlen oder Spalten als Verstecke. Im Gegensatz zu vielen anderen Fröschen ist der Dschungelfrosch nicht auf offene Gewässer zur Fortpflanzung angewiesen.

Lebensweise & Verhalten

Der Dschungelfrosch ist vorwiegend nachtaktiv und bodenbewohnend. Tagsüber versteckt er sich in Felsspalten, unter umgestürzten Bäumen oder in selbst gegrabenen Höhlen. Er ist territorial und einzelgängerisch – Männchen verteidigen ihre Reviere aggressiv gegen Rivalen und stoßen dabei laute, bellende Rufe aus.

Die Art ist ein kräftiger Springer und kann bei Gefahr weite Sätze machen. Trotz seiner Größe ist er überraschend wendig. Der Dschungelfrosch hat eine besondere Beziehung zur lokalen Bevölkerung: Auf Dominica und Montserrat war er über Jahrhunderte ein wichtiges Nahrungsmittel und Nationalgericht, was zusammen mit dem Chytridpilz zu seinem dramatischen Rückgang beigetragen hat.

Ernährung

Der Dschungelfrosch ist ein gefräßiger Räuber und frisst alles, was er überwältigen kann. Sein Beutespektrum umfasst Insekten (besonders Grillen und Käfer), Krebstiere, Schnecken, kleine Eidechsen und sogar andere Frösche. Dank seiner Größe kann er auch verhältnismäßig große Beute erbeuten.

Er jagt aktiv in der Nacht, wobei er sich langsam an seine Beute heranpirscht und dann blitzschnell zuschnappt. Die Nahrung wird ganz verschlungen, da Frösche keine Nahrung kauen können. Sein kräftiges Maul ermöglicht es ihm, auch wehrhafte Beute festzuhalten.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung des Dschungelfroschs ist einzigartig unter den Froschlurchen. Das Weibchen baut in einer Erdhöhle ein Schaumnest, in das es etwa 25–50 große Eier ablegt. Der Schaum wird durch das Weibchen mit den Hinterbeinen aus Hautsekret und Wasser aufgeschlagen und schützt die Eier vor Austrocknung.

Noch bemerkenswerter ist die Brutpflege: Das Weibchen bleibt beim Nest und füttert die schlüpfenden Kaulquappen mit unbefruchteten Nähreiern – ein bei Fröschen äußerst seltenes Verhalten. Die gesamte Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Frosch findet im Schaumnest statt, ohne dass ein offenes Gewässer benötigt wird. Die Metamorphose dauert etwa 45 Tage.

Haltung im Terrarium

Die Haltung des Dschungelfroschs in Privathand ist aufgrund seines kritischen Gefährdungsstatus praktisch ausgeschlossen. Die wenigen Exemplare in menschlicher Obhut befinden sich in zoologischen Einrichtungen, die an Erhaltungszuchtprogrammen teilnehmen. Der Durrell Wildlife Conservation Trust auf Jersey und der Chester Zoo in England spielen eine Schlüsselrolle bei der Ex-situ-Zucht.

In den Zuchteinrichtungen werden die Tiere in großen, klimatisierten Terrarien bei 20–26 °C und hoher Luftfeuchtigkeit (80–90 %) gehalten. Die Einrichtung umfasst ein tiefes Substrat, natürliche Höhlen und eine dichte Bepflanzung. Die Zucht ist anspruchsvoll, aber entscheidend für das Überleben der Art.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Dschungelfrosch wird von der IUCN als „Critically Endangered" (vom Aussterben bedroht) eingestuft. Die Hauptbedrohung ist der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis), der seit Anfang der 2000er-Jahre die Populationen auf beiden Inseln verwüstet hat. Auf Montserrat kam zusätzlich der Vulkanausbruch von 1997 hinzu, der einen Großteil des Lebensraums zerstörte.

Internationale Erhaltungszuchtprogramme, angeführt vom Durrell Wildlife Conservation Trust, arbeiten an der Rettung der Art. Auf Dominica wurden Schutzgebiete eingerichtet, und die Jagd auf den Frosch ist verboten. Experimentelle Behandlungen gegen den Chytridpilz und die Wiederauswilderung von Zuchttieren geben Hoffnung, aber die Situation bleibt äußerst kritisch.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Leptodactylus fallaxamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Leptodactylus fallaxiucnredlist.org
  3. Durrell Wildlife Conservation Trust: Mountain Chicken Recovery Programme – durrell.org
  4. Hudson, M. A. et al. (2016): In-situ and ex-situ conservation of the Critically Endangered Mountain Chicken. Conservation Biology, 30(4), 816–826.
  5. Tapley, B. et al. (2014): The Mountain Chicken Frog: a flagship species for the Caribbean. FrogLog, 22(3), 28–30.

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