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Endler-Guppy (Poecilia wingei)

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Endler-Guppy (Poecilia wingei)

Bildquelle: Arunee Rodloy / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Endler-Guppy ist ein winziger, leuchtend bunter Verwandter des gewöhnlichen Guppys und einer der farbenprächtigsten Nano-Fische überhaupt. In der Natur ist er vom Aussterben bedroht – die Wildpopulationen beschränken sich auf wenige kleine Gewässer in Venezuela. Im Aquarium ist er ein pflegeleichter, lebhafter Dauerschwimmer.

Der Endler-Guppy ist ein winziger, leuchtend bunter Verwandter des gewöhnlichen Guppys und einer der farbenprächtigsten Nano-Fische überhaupt. In der Natur ist er vom Aussterben bedroht – die Wildpopulationen beschränken sich auf wenige kleine Gewässer in Venezuela. Im Aquarium ist er ein pflegeleichter, lebhafter Dauerschwimmer.

Steckbrief: Endler-Guppy (Poecilia wingei)
Wissenschaftlicher NamePoecilia wingei
OrdnungZahnkärpflinge (Cyprinodontiformes)
FamilieLebendgebärende Zahnkarpfen (Poeciliidae)
GattungPoecilia
Größe2–4 cm (Männchen 2 cm, Weibchen 4 cm)
Gewicht0,5–2 g
Lebenserwartung2–3 Jahre
VerbreitungVenezuela (Laguna de Patos, Cumana)
LebensraumSüßwasser – warme Lagunen und Teiche in Venezuela
SchutzstatusVom Aussterben bedroht (CR) – IUCN (Wildpopulation)
Aquariumab 30 Liter
Temperatur24–30 °C
pH-Wert7.0–8.5
Wasserhärte10–25 °dGH

Beschreibung & Aussehen

Der Endler-Guppy ist mit 2–4 cm einer der kleinsten lebendgebärenden Fische. Die Männchen sind mit nur etwa 2 cm besonders winzig, aber dafür umso farbenprächtiger. Sie zeigen ein kaleidoskopartiges Muster aus leuchtend grünen, orangen, schwarzen und metallisch schillernden Farbflecken, die bei jedem Individuum einzigartig sind.

Weibchen sind mit bis zu 4 cm deutlich größer, aber schlicht silbrig-grau gefärbt. Im Vergleich zum gewöhnlichen Guppy (Poecilia reticulata) sind Endler-Guppys kleiner, schlanker und haben weniger ausladende Schwanzflossen. Die Farben der Männchen sind dafür oft intensiver und kontrastreicher. Das Gonopodium (modifizierte Afterflosse) der Männchen dient zur inneren Befruchtung.

Verbreitung & Lebensraum

Der Endler-Guppy hat ein extrem kleines natürliches Verbreitungsgebiet – er kommt nur in wenigen kleinen Lagunen und Teichen in der Nähe von Cumaná im nordöstlichen Venezuela vor. Der bekannteste Fundort ist die Laguna de Patos, ein warmer, flacher See mit hartem, alkalischem Wasser.

Die Wildpopulationen sind durch Umweltverschmutzung, urbane Expansion und die Einführung von Guppys (P. reticulata), die sich mit Endlern kreuzen können, akut bedroht. Das natürliche Habitat zeichnet sich durch warme Wassertemperaturen (bis 30 °C), hartes Wasser mit hohem pH-Wert und dichten Algenbewuchs aus.

Lebensweise & Verhalten

Der Endler-Guppy ist ein ausgesprochen aktiver, lebhafter kleiner Fisch, der ständig in Bewegung ist. Die Männchen sind pausenlos damit beschäftigt, um die Weibchen zu werben – sie zeigen ihre Farben, spreizen die Flossen und führen charakteristische Balztänze auf. Dieses ständige Balzverhalten ist faszinierend zu beobachten.

Er bevorzugt die mittlere und obere Wasserzone und schwimmt in lockeren Gruppen. Trotz seiner Winzigkeit ist er ein mutiger kleiner Fisch, der sich auch von größeren Mitbewohnern nicht einschüchtern lässt. In einem gut bepflanzten Becken etabliert sich schnell eine sich selbst erhaltende Population, da die Jungtiere zwischen den Pflanzen Schutz finden.

Ernährung

Der Endler-Guppy ist ein unkomplizierter Allesfresser mit winzigem Maul. In der Natur frisst er Algen, Kleinstkrebse und Mückenlarven. Im Aquarium nimmt er feines Flockenfutter, Micro-Granulat und zerriebenes Frostfutter bereitwillig an.

Ergänze die Ernährung mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien, Micro-Würmern und feinem Frostfutter. Spirulina-Flocken und kleine Algenportionen werden ebenfalls gerne gefressen und fördern die Farbintensität. Füttere mehrmals täglich kleine Portionen – sein hoher Stoffwechsel erfordert regelmäßige Nahrungszufuhr.

Fortpflanzung

Der Endler-Guppy ist lebendgebärend und vermehrt sich im Aquarium praktisch von alleine. Die Tragzeit beträgt 23–28 Tage, und ein Weibchen kann alle 3–4 Wochen 5–25 Jungfische zur Welt bringen. Die Jungfische sind bei der Geburt etwa 3–4 mm groß und sofort schwimm- und fressfähig.

Im Gegensatz zu gewöhnlichen Guppys zeigen Endler-Guppys weniger Kannibalismus gegenüber ihren Jungen, besonders in gut bepflanzten Becken mit Schwimmpflanzen als Deckung. Eine Trennung der Geschlechter ist nur nötig, wenn du die Population kontrollieren möchtest. Wichtig: Kreuze Endler-Guppys nicht mit gewöhnlichen Guppys, um die genetische Reinheit dieser bedrohten Art zu erhalten.

Haltung im Aquarium

Der Endler-Guppy ist ein idealer Bewohner für Nano-Aquarien ab 30 Litern. Das Becken sollte dicht bepflanzt sein mit Schwimmpflanzen an der Oberfläche, die den Jungfischen Deckung bieten. Ein gut bepflanztes Artenbecken ist ideal, um eine reine Endler-Population aufzubauen.

Die Wassertemperatur sollte bei 24–30 °C liegen, der pH-Wert bei 7,0–8,5. Im Gegensatz zu vielen anderen Nano-Fischen bevorzugt der Endler hartes, leicht alkalisches Wasser. Halte einen Überschuss an Weibchen (Verhältnis 1:2 oder 1:3), um den Stress durch die ständige Balz der Männchen zu verteilen. Die Vergesellschaftung ist mit anderen kleinen, friedlichen Arten möglich, vermeide aber Guppys (P. reticulata), um Kreuzungen zu verhindern.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Endler-Guppy wird von der IUCN als „Critically Endangered" (vom Aussterben bedroht) eingestuft – eine der höchsten Gefährdungskategorien. Die winzigen Wildpopulationen in Venezuela sind durch Umweltverschmutzung, Habitatzerstörung und Hybridisierung mit eingeführten Guppys akut bedroht. Die Laguna de Patos ist durch Abwässer stark verschmutzt.

In der Aquaristik ist der Endler-Guppy weit verbreitet und wird in großen Mengen nachgezüchtet. Die Erhaltungszucht in Aquarien ist daher von enormer Bedeutung für den Fortbestand der Art. Achte beim Kauf auf reinrassige Tiere und vermeide Kreuzungen mit P. reticulata. Die Zuchtgemeinschaft unterscheidet zwischen „N-Klasse" (reinrassige Wildform), „P-Klasse" (Hybridfrei aus Zucht) und „K-Klasse" (Kreuzungen mit Guppys).

Quellen

  1. FishBase: Poecilia wingeifishbase.se
  2. IUCN Red List: Poecilia wingeiiucnredlist.org
  3. Poeser, F. N., Kempkes, M. & Isbrücker, I. J. H. (2005): Description of Poecilia (Acanthophacelus) wingei n. sp. from the Paría Peninsula, Venezuela. Contributions to Zoology, 74(1/2), 97–115.
  4. Seriously Fish: Poecilia wingeiseriouslyfish.com

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