| Wissenschaftlicher Name | Bufo bufo |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Kröten (Bufonidae) |
| Gattung | Bufo |
| Größe | 8–13 cm (Weibchen größer als Männchen) |
| Gewicht | 20–80 g |
| Lebenserwartung | 10–12 Jahre (in Gefangenschaft bis 36 Jahre) |
| Verbreitung | Europa, Nordwestafrika, Westasien |
| Lebensraum | Wälder, Gärten, Wiesen, Parks |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Die Erdkröte besitzt einen gedrungenen, plumpen Körperbau mit relativ kurzen Hinterbeinen. Die Oberseite ist mit zahlreichen Warzen besetzt und variiert farblich von graubraun über olivbraun bis rötlichbraun. Die Unterseite ist heller und kann schmutzig-weiß bis gelblich gefärbt sein, teils mit dunkler Marmorierung.
Besonders auffällig sind die großen, bohnenförmigen Ohrdrüsen (Parotiden) hinter den Augen, die ein giftiges Sekret (Bufotoxin) absondern können. Die Pupillen sind waagerecht, die Iris kupfer- bis goldfarben. Weibchen werden mit 8–13 cm deutlich größer als Männchen (6–9 cm). In der Paarungszeit entwickeln die Männchen dunkle Brunftschwielen an den ersten drei Fingern.
Verbreitung & Lebensraum
Die Erdkröte ist von Westeuropa (Großbritannien, Iberische Halbinsel) über ganz Mittel- und Nordeuropa bis nach Westsibirien und in den Nordwesten Afrikas verbreitet. Sie fehlt auf Island, in Irland und auf den meisten Mittelmeerinseln.
Als Landlebensraum bevorzugt die Erdkröte feuchte Wälder, Hecken, Gärten und Parks. Sie ist sehr anpassungsfähig und kommt auch in landwirtschaftlich genutzten Gebieten und städtischen Grünanlagen vor. Als Laichgewässer nutzt sie verschiedenste stehende oder langsam fließende Gewässer – bevorzugt werden größere, fischhaltige Teiche und Seen.
Lebensweise & Verhalten
Erdkröten sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verstecken sie sich unter Steinen, Holzstapeln, in Komposthaufen oder in selbst gegrabenen Erdlöchern. Sie sind sehr standorttreu und nutzen über Jahre hinweg dieselben Versteckplätze und Laichgewässer.
Im Herbst (Oktober/November) suchen Erdkröten frostfreie Überwinterungsplätze auf – häufig Erdlöcher, Keller oder Mauerspalten. Im zeitigen Frühjahr (Februar–April) beginnt die spektakuläre Wanderung zu den Laichgewässern, bei der oft tausende Tiere gleichzeitig unterwegs sind. Viele werden dabei Opfer des Straßenverkehrs, weshalb an vielen Stellen Amphibienschutzzäune aufgestellt werden.
Bei Gefahr nehmen Erdkröten eine typische Abwehrhaltung ein: Sie blasen sich auf, stellen sich auf die Beine und senken den Kopf. Das Hautgift der Parotiden wirkt auf viele Fressfeinde abschreckend, ist für Menschen jedoch ungefährlich.
Ernährung
Die Erdkröte ist ein Generalist und frisst praktisch alles, was in ihr Maul passt und sich bewegt. Zur Hauptnahrung gehören Insekten (Käfer, Ameisen, Fliegen), Regenwürmer, Nacktschnecken, Spinnen und Asseln. Die Beute wird mit der klebrigen Zunge erbeutet oder direkt mit dem Maul gepackt.
Kaulquappen ernähren sich zunächst von Algen und organischen Partikeln, später auch von Aas und kleinen Wirbellosen. Erdkröten gelten als wertvolle Nützlinge im Garten, da sie große Mengen an Schädlingen vertilgen.
Fortpflanzung
Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr (März–April), sobald die Temperaturen über 5 °C steigen. Die Männchen wandern zuerst zu den Laichgewässern und klammern sich dort an die Weibchen (Amplexus). Da Männchen deutlich häufiger als Weibchen vorkommen, bilden sich oft „Paarungsknäuel" aus mehreren Männchen um ein Weibchen.
Das Weibchen legt 3.000–6.000 Eier in langen, doppelreihigen Laichschnüren ab, die um Wasserpflanzen gewickelt werden. Die Kaulquappen schlüpfen nach 10–14 Tagen und entwickeln sich innerhalb von 2–3 Monaten zu kleinen Kröten (Metamorphose). Die Jungtiere sind bei der Umwandlung nur 1–1,5 cm groß. Die Geschlechtsreife erreichen Erdkröten mit 3–5 Jahren.
Haltung im Terrarium
Die Haltung von Erdkröten im Terrarium ist grundsätzlich möglich, jedoch unterliegt die Art in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern dem strengen Artenschutz. Eine Entnahme aus der Natur ist verboten. Nur legal erworbene Nachzuchten dürfen gehalten werden.
Für die Haltung eignet sich ein Terrarium ab 80 × 40 × 40 cm (L × B × H) für ein Paar. Die Einrichtung sollte eine dicke Erdschicht zum Graben, Verstecke aus Korkrinde oder Steinen, Moos und ein flaches Wasserbecken umfassen. Temperaturen von 18–22 °C tagsüber und eine leicht erhöhte Luftfeuchtigkeit sind ideal. Eine Winterruhe bei 4–8 °C über 2–3 Monate fördert die Gesundheit und Fortpflanzungsbereitschaft.
Gefährdung & Schutzstatus
Die Erdkröte wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Dennoch gehen die Bestände in vielen Regionen zurück. Hauptursachen sind der Straßenverkehr während der Wanderzeit, der Verlust geeigneter Laichgewässer, intensive Landwirtschaft mit Pestizideinsatz sowie die Zerschneidung von Lebensräumen.
In Deutschland ist die Erdkröte nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Amphibienschutzmaßnahmen wie Krötenzäune, Tunnel unter Straßen und die Neuanlage von Laichgewässern tragen wesentlich zum Erhalt der Populationen bei.
Quellen
- AmphibiaWeb: Bufo bufo – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Bufo bufo – www.iucnredlist.org
- Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
- Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
- Deutsches Bundesamt für Naturschutz: Artenschutz-Steckbrief Erdkröte – www.bfn.de
