Der Europäische Kammmolch ist der größte und imposanteste heimische Molch. Sein Name leitet sich vom hohen, gezackten Rückenkamm ab, den das Männchen während der Paarungszeit entwickelt. Mit seiner dunklen Oberseite und dem leuchtend orange gefleckten Bauch ist er ein faszinierender Bewohner stehender Gewässer.
| Wissenschaftlicher Name | Triturus cristatus |
| Ordnung | Schwanzlurche (Urodela) |
| Familie | Echte Salamander (Salamandridae) |
| Gattung | Triturus |
| Größe | 12–18 cm |
| Gewicht | 8–15 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Europa (von Großbritannien bis Westsibirien) |
| Lebensraum | Teiche, Seen, Weiher, Feuchtgebiete |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN, aber in vielen Ländern streng geschützt |
Beschreibung & Aussehen
Der Europäische Kammmolch erreicht eine Gesamtlänge von 12–18 cm und ist damit der größte mitteleuropäische Molch. Die Oberseite ist dunkelbraun bis schwarz mit undeutlichen, dunklen Flecken. Die Flanken zeigen eine feine, weiße Punktierung, die an einen Sternenhimmel erinnert. Die Unterseite ist leuchtend orange bis gelb mit einem individuell einzigartigen Muster großer, dunkler Flecken.
Das namensgebende Merkmal ist der hohe, tief gezackte Rückenkamm, den das Männchen während der Wassertracht entwickelt. Dieser Kamm reicht vom Hinterkopf bis zum Schwanzende und ist an der Schwanzbasis deutlich eingekerbt. Die Schwanzseiten zeigen ein auffälliges silbrig-weißes oder bläuliches Band. Weibchen sind etwas größer, besitzen aber keinen Kamm. An der Unterseite des Schwanzes zeigt sich bei beiden Geschlechtern ein leuchtend orangefarbener Streifen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Europäische Kammmolch besitzt das größte Verbreitungsgebiet aller Kammmolcharten. Es erstreckt sich von Großbritannien und Frankreich über Mitteleuropa und Skandinavien bis nach Westsibirien. Im Süden reicht es bis Norditalien und den nördlichen Balkan, wo es an das Areal des Balkan-Kammmolchs grenzt.
Als Laichgewässer bevorzugt der Kammmolch größere, stehende Gewässer wie Teiche, Weiher, Altarme und Seen mit reicher Unterwasservegetation. Im Gegensatz zum Bergmolch meidet er kleine, schattige Waldtümpel und bevorzugt offenere, besonnte Gewässer. Fischfreie oder fischarme Gewässer werden klar bevorzugt. An Land lebt er in Wäldern, Heckenlandschaften, Gärten und auf extensiv genutzten Wiesen.
Lebensweise & Verhalten
Der Europäische Kammmolch wandert im Frühjahr (März–April) zu seinen Laichgewässern, wo er 3–5 Monate verbringt. In der Wasserphase ist er sowohl tag- als auch nachtaktiv. Die Männchen zeigen ein eindrucksvolles Balzverhalten: Sie richten ihren hohen Kamm auf, präsentieren ihre silbrig schimmernden Schwanzseiten und vollführen einen ritualisierten Tanz vor den Weibchen.
Nach der Laichzeit verlässt der Kammmolch das Wasser und führt ein verstecktes, überwiegend nachtaktives Leben an Land. Die Winterruhe verbringt er von Oktober bis März in frostfreien Verstecken – unter Steinen, in Mauerspalten, in Komposthaufen oder in Kleinsäugerbauten. Kammmolche können beachtliche Wanderstrecken zurücklegen: Entfernungen von über 1 km zwischen Laichgewässer und Landlebensraum sind dokumentiert.
Ernährung
Der Europäische Kammmolch ist ein opportunistischer Räuber. Im Wasser frisst er Mückenlarven, Wasserflöhe, Bachflohkrebse, kleine Schnecken, Würmer und Kaulquappen. Auch die Larven und Eier anderer Molcharten werden gelegentlich gefressen. An Land stehen Regenwürmer, Nacktschnecken, Insekten und Spinnen auf dem Speiseplan.
Als größter heimischer Molch kann er auch relativ große Beutetiere überwältigen. Im Wasser nutzt er die Saugschnapp-Technik, um seine Beute einzusaugen. Die Larven ernähren sich von kleinsten Wassertieren und fressen mit zunehmender Größe immer größere Beute.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich von März bis Juni. Das Balzritual des Männchens ist eines der spektakulärsten unter den europäischen Amphibien: Es richtet seinen imposanten Kamm auf, knickt den Schwanz seitlich ab und führt peitschenartige Schwanzbewegungen aus, die Pheromone zum Weibchen fächeln. Die Balz umfasst mehrere ritualisierte Phasen und endet mit dem Absetzen einer Spermatophore.
Das Weibchen legt 200–400 Eier einzeln an Blätter von Wasserpflanzen und faltet jedes Blatt sorgfältig über das Ei, um es vor Fressfeinden zu schützen. Die Larven schlüpfen nach 2–3 Wochen und leben 3–4 Monate vollständig aquatisch. Sie sind an ihren langen Schwanzfäden und den federartigen äußeren Kiemen erkennbar. Die Metamorphose erfolgt im Spätsommer, und die Jungtiere gehen an Land. Die Geschlechtsreife wird mit 2–4 Jahren erreicht.
Haltung im Aquarium
Der Europäische Kammmolch ist in der gesamten EU durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Anhang II und IV) streng geschützt. Die Entnahme aus der Natur ist verboten, und die Haltung unterliegt strengen Auflagen. Nur legal erworbene Nachzuchten dürfen gehalten werden, wobei in vielen Ländern eine Meldepflicht oder Haltungsgenehmigung erforderlich ist.
Für die Haltung eignet sich ein Aquaterrarium ab 100 × 40 cm Grundfläche mit einem Wasserstand von 25–35 cm und einem Landteil. Die Wassertemperatur sollte 14–18 °C betragen, im Sommer nicht über 22 °C. Reichlich breitblättrige Wasserpflanzen (Laichkräuter, Wasserpest) sind essenziell für die Eiablage. Gefüttert wird mit Mückenlarven, Regenwürmern und kleinen Nacktschnecken. Eine Winterruhe bei 4–8 °C über 3–4 Monate ist zwingend erforderlich.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Europäische Kammmolch wird von der IUCN global als „Least Concern" eingestuft, ist aber in vielen europäischen Ländern regional rückläufig und streng geschützt. In der EU ist er durch die FFH-Richtlinie (Anhang II und IV) geschützt, was die Ausweisung von Schutzgebieten und die Durchführung von Artenschutzmaßnahmen erfordert.
Die Hauptbedrohungen sind der Verlust geeigneter Laichgewässer durch Verfüllung und Verlandung, die Intensivierung der Landwirtschaft, Fischbesatz in Laichgewässern und die Zerschneidung von Wanderkorridoren. Der Salamanderfresserpilz Bsal stellt eine wachsende Bedrohung dar. Schutzmaßnahmen umfassen die Neuanlage und Pflege fischfreier Laichgewässer, die Vernetzung von Teilpopulationen und das Monitoring der Bestände.
Quellen
- AmphibiaWeb: Triturus cristatus – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Triturus cristatus – iucnredlist.org
- Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
- Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
