Frösche

Europäischer Wasserfrosch (Pelophylax lessonae)

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Europäischer Wasserfrosch (Pelophylax lessonae)

Bildquelle: PaulSat / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Europäische Wasserfrosch, auch Kleiner Wasserfrosch genannt, ist einer der drei Vertreter des Wasserfrosch-Komplexes in Europa. Er lebt aquatisch und ist eng mit dem Seefrosch und dem Teichfrosch verwandt, mit dem er hybridisiert. Seine grüne Färbung und die lautstarken Rufe im Frühling sind typisch für europäische Feuchtgebiete.

Der Europäische Wasserfrosch, auch Kleiner Wasserfrosch genannt, ist einer der drei Vertreter des Wasserfrosch-Komplexes in Europa. Er lebt aquatisch und ist eng mit dem Seefrosch und dem Teichfrosch verwandt, mit dem er hybridisiert. Seine grüne Färbung und die lautstarken Rufe im Frühling sind typisch für europäische Feuchtgebiete.

Steckbrief: Europäischer Wasserfrosch (Pelophylax lessonae)
Wissenschaftlicher NamePelophylax lessonae
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieRanidae
GattungPelophylax
Größe5–8 cm
Gewicht15–30 g
Lebenserwartung6–12 Jahre
VerbreitungEuropa (West- und Mitteleuropa bis Westrusslad)
LebensraumStehende Gewässer, Teiche, Weiher, Gräben
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Europäische Wasserfrosch ist der kleinste Vertreter des Wasserfrosch-Komplexes mit einer Körperlänge von 5–8 cm. Die Oberseite ist hellgrün bis grasgrün gefärbt, manchmal mit bräunlichem Einschlag. Dunkle Flecken sind oft vorhanden, aber weniger ausgeprägt als beim Seefrosch. Ein heller, gelblich-grüner Rückenstreifen ist häufig vorhanden.

Die Unterseite ist weißlich und meist ungefleckt, was ihn vom gefleckten Bauch des Seefroschs unterscheidet. Die Hinterbeine sind kräftig mit ausgeprägten Schwimmhäuten. Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist der große, halbmondförmige innere Fersenhöcker an den Hinterfüßen. Die Augen sind groß mit horizontalen Pupillen, und die Männchen besitzen paarige seitliche Schallblasen, die beim Rufen weiß hervortreten.

Verbreitung & Lebensraum

Der Europäische Wasserfrosch ist von Frankreich über Mitteleuropa bis nach Westrussland verbreitet. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis Südfinnland und ins Baltikum, im Süden bis Norditalien. In Deutschland kommt er vor allem in Norddeutschland häufiger vor als im Süden.

Die Art bevorzugt kleine bis mittelgroße, besonnte Stillgewässer wie Teiche, Weiher, Gräben und überflutete Wiesen. Im Gegensatz zum Seefrosch meidet er große, tiefe Gewässer und bevorzugt flache, vegetationsreiche Gewässer in Waldnähe. Er kann auch in Mooren und auf feuchten Wiesen angetroffen werden und verbringt mehr Zeit an Land als der Seefrosch.

Lebensweise & Verhalten

Der Europäische Wasserfrosch ist tagaktiv und verbringt den Großteil seines Lebens am und im Wasser. Er sonnt sich gerne am Ufer oder auf Schwimmblättern und flieht bei Störung mit einem charakteristischen Sprung ins Wasser. Im Gegensatz zum Seefrosch ist er etwas scheuer und flüchtiger.

Die Art überwintert sowohl im Gewässer als auch an Land – unter Laub, in Erdlöchern oder in Komposthaufen. Besonders komplex ist die Genetik des Wasserfrosch-Komplexes: Der Europäische Wasserfrosch (P. lessonae) hybridisiert mit dem Seefrosch (P. ridibundus) und bildet den Teichfrosch (P. esculentus), der kein eigenständiges Genom besitzt, sondern als kleptogene Hybridform existiert.

Ernährung

Der Europäische Wasserfrosch ernährt sich von einer breiten Palette wirbelloser Tiere. Hauptsächlich frisst er Insekten (Fliegen, Käfer, Libellen), Spinnen, Schnecken und Würmer. Im Gegensatz zum größeren Seefrosch nimmt er seltener Wirbeltiere zu sich, gelegentlich werden aber kleine Frösche und Kaulquappen gefressen.

Er jagt sowohl im Wasser als auch an Land, wobei er bevorzugt am Gewässerufer auf Beute lauert. Die Kaulquappen ernähren sich herbivor von Algen und Aufwuchs auf Pflanzen und Steinen.

Fortpflanzung

Die Laichzeit erstreckt sich von Mai bis Juni. Die Männchen rufen aus dem Wasser heraus und erzeugen dabei mit ihren seitlichen Schallblasen einen melodischen, keckernden Ruf, der deutlich höher und leiser ist als der des Seefroschs. Die Rufchöre sind vor allem in warmen Frühlingsnächten zu hören.

Das Weibchen legt 1.500–4.000 Eier in mehreren kleinen Laichballen ab, die an Wasserpflanzen befestigt werden. Die Kaulquappen schlüpfen nach 5–10 Tagen und benötigen für die Metamorphose 2–3 Monate. Die Jungtiere verlassen das Wasser im Spätsommer und erreichen die Geschlechtsreife nach 2–3 Jahren.

Haltung im Aquarium

Der Europäische Wasserfrosch steht in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern unter strengem Artenschutz. Eine Haltung ist nur mit Nachzuchten und entsprechender Genehmigung erlaubt. Die Entnahme aus der Natur ist verboten.

Für die Haltung eignet sich ein Aquaterrarium ab 100 × 40 × 40 cm mit einem großen Wasseranteil (mindestens 60 %), Schwimmpflanzen, Landteilen mit Moos und flachen Ufersteinen zum Sonnen. Die Wassertemperatur sollte bei 18–24 °C liegen. Eine Winterruhe bei 4–8 °C über 3–4 Monate ist notwendig. Gefüttert wird mit Grillen, Fliegen und Regenwürmern.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Europäische Wasserfrosch wird von der IUCN als „Least Concern" eingestuft, ist aber in vielen Regionen Europas rückläufig. In Deutschland steht er auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Die Unterscheidung von den anderen Wasserfroscharten erschwert eine genaue Bestandserfassung.

Hauptbedrohungen sind der Verlust von Kleingewässern durch Entwässerung, intensive Landwirtschaft und Eutrophierung. Auch die Einschleppung gebietsfremder Seefrösche aus dem Balkan kann die genetische Integrität der Populationen gefährden. Schutzmaßnahmen umfassen den Erhalt und die Neuanlage von Kleingewässern sowie den Schutz von Feuchtwiesen.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Pelophylax lessonaeamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Pelophylax lessonaeiucnredlist.org
  3. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
  4. Plötner, J. (2005): Die westpaläarktischen Wasserfrösche. Laurenti Verlag.
  5. Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.

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