Molche

Fadenmolch (Lissotriton helveticus)

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Fadenmolch (Lissotriton helveticus)

Bildquelle: ClarkWarren1991 / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Fadenmolch ist ein kleiner, zierlicher Molch Westeuropas. Seinen Namen verdankt er dem fadenförmigen Fortsatz am Schwanzende des Männchens während der Paarungszeit. Er bevorzugt kühle, schattige Gewässer und ist besonders in atlantisch geprägten Regionen verbreitet.

Der Fadenmolch ist ein kleiner, zierlicher Molch Westeuropas. Seinen Namen verdankt er dem fadenförmigen Fortsatz am Schwanzende des Männchens während der Paarungszeit. Er bevorzugt kühle, schattige Gewässer und ist besonders in atlantisch geprägten Regionen verbreitet.

Steckbrief: Fadenmolch (Lissotriton helveticus)
Wissenschaftlicher NameLissotriton helveticus
OrdnungSchwanzlurche (Urodela)
FamilieEchte Salamander (Salamandridae)
GattungLissotriton
Größe7–9 cm
Gewicht2–4 g
Lebenserwartung10–12 Jahre
VerbreitungWesteuropa (Großbritannien bis Nordspanien)
LebensraumTeiche, Gräben, Tümpel, Waldtümpel
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Fadenmolch ist mit 7–9 cm Gesamtlänge einer der kleinsten europäischen Molche. Die Oberseite ist glatt und von olivbraun bis gelbbraun gefärbt mit undeutlichen, dunklen Flecken. Die Unterseite ist bei beiden Geschlechtern orange bis gelblich, bei Männchen kräftiger gefärbt, und weist nur wenige oder gar keine dunklen Flecken auf – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Teichmolch.

Das namensgebende Merkmal ist der schwarze, fadenförmige Fortsatz am Schwanzende des Männchens während der Wassertracht, der 5–8 mm lang sein kann. Zusätzlich entwickelt das Männchen einen niedrigen, ganzrandigen (nicht gezackten) Rückenkamm und einen hohen Schwanzflossensaum. An den Hinterfüßen bilden sich auffällige Schwimmlappen. Weibchen sind insgesamt unauffälliger gefärbt und besitzen keinen Schwanzfaden.

Verbreitung & Lebensraum

Der Fadenmolch ist in Westeuropa verbreitet. Sein Areal erstreckt sich von Großbritannien und Irland (einziger dort vorkommender Kammmolch-ähnlicher Molch) über Frankreich, die Benelux-Staaten und Westdeutschland bis nach Nordspanien und in die Schweiz. In Deutschland kommt er vor allem im Westen vor – vom Rheinland über die Eifel bis zum Schwarzwald.

Die Art bevorzugt kühle, schattige Gewässer in Waldnähe. Typische Laichgewässer sind Waldtümpel, wassergefüllte Wagenspuren, Gräben, flache Teiche und Quelltöpfe. Im Gegensatz zum Teichmolch meidet er offene, besonnte Gewässer. An Land lebt er in feuchten Wäldern, Hecken und auf feuchten Wiesen, wo er sich unter Steinen, Totholz und in der Laubstreu verbirgt.

Lebensweise & Verhalten

Der Fadenmolch wandert im Frühjahr (Februar–April) zu seinen Laichgewässern und verbringt dort 2–4 Monate. Er ist sowohl tag- als auch nachtaktiv und kann in seinen Laichgewässern oft in erstaunlich hohen Dichten vorkommen. Die Art ist etwas kältetoleranter als der Teichmolch und beginnt die Wasserphase oft etwas früher im Jahr.

Nach der Laichzeit verlässt er das Wasser und führt ein verstecktes, dämmerungsaktives Leben an Land. Die Winterruhe verbringt er von Oktober bis Februar in frostfreien Verstecken. In milden, atlantisch geprägten Regionen kann die Winterruhe deutlich kürzer ausfallen oder sogar ganz entfallen, und einige Populationen bleiben ganzjährig aquatisch.

Ernährung

Der Fadenmolch ernährt sich von kleinen Wirbellosen. Im Wasser frisst er Wasserflöhe, Hüpferlinge, Mückenlarven, kleine Schnecken und Würmer. Aufgrund seiner geringen Größe erbeutet er vor allem kleinere Nahrungstiere als der Bergmolch oder der Kammmolch.

An Land stehen kleine Insekten, Spinnen, Milben und winzige Schnecken auf dem Speiseplan. Die Beute wird mit der klebrigen Zunge gefangen oder direkt mit dem Maul gepackt. Larven ernähren sich von Kleinstlebewesen wie Wasserflöhen und einzelligen Organismen.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich von März bis Mai. Das Männchen präsentiert seinen Schwanzfaden und den hohen Schwanzflossensaum in einer ritualisierten Balz vor dem Weibchen. Es wedelt mit dem Schwanz und fächelt Pheromone zum Weibchen. Nach erfolgreicher Balz setzt es eine Spermatophore ab, die vom Weibchen aufgenommen wird.

Das Weibchen legt 150–300 Eier einzeln an Blätter von Wasserpflanzen und faltet jedes Blatt über das Ei. Die Larven schlüpfen nach 2–3 Wochen und leben 2–3 Monate aquatisch, bevor sie die Metamorphose durchlaufen. Bei der Umwandlung sind die Jungtiere nur etwa 3 cm groß. Die Geschlechtsreife wird mit 2–3 Jahren erreicht.

Haltung im Aquarium

Der Fadenmolch steht in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern unter Naturschutz. Eine Entnahme aus der Natur ist verboten. Die Haltung von Nachzuchten ist in einem kühlen Aquaterrarium ab 60 × 30 cm Grundfläche möglich. Der Wasserstand sollte 15–20 cm betragen, ein kleiner Landteil ist für die terrestrische Phase wichtig.

Die Wassertemperatur sollte 12–18 °C betragen – der Fadenmolch ist kälteliebender als die meisten anderen Molcharten. Feine Wasserpflanzen wie Javamoos und Wasserpest bieten Eiablageplätze. Gefüttert wird mit kleinen Mückenlarven, Wasserflöhen und Enchyträen. Eine Winterruhe bei 4–6 °C über 2–3 Monate ist empfehlenswert.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Fadenmolch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. In seinem Kernverbreitungsgebiet in Westeuropa ist er noch relativ häufig, am östlichen Arealrand (Deutschland, Schweiz) gehen die Bestände jedoch zurück. Hauptbedrohungen sind der Verlust von Kleingewässern, die Entwässerung von Feuchtgebieten und die Intensivierung der Forstwirtschaft.

In Deutschland ist der Fadenmolch nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. In einigen Bundesländern (z. B. Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz) ist er noch relativ häufig, in anderen (z. B. Baden-Württemberg) steht er auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Der Erhalt und die Neuanlage von Waldtümpeln und Kleingewässern sind wichtige Schutzmaßnahmen.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Lissotriton helveticusamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Lissotriton helveticusiucnredlist.org
  3. Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
  4. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
  5. Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.

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