Der Felsenfrosch aus Borneo ist für sein einzigartiges „Foot-Flagging"-Verhalten bekannt: Er streckt seine weißen Hinterfüße in die Luft und winkt damit, um in der Nähe lauter Wasserfälle visuell zu kommunizieren. Diese faszinierende Anpassung kompensiert die Tatsache, dass akustische Signale am Wasserfall untergehen.
| Wissenschaftlicher Name | Staurois guttatus |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Ranidae |
| Gattung | Staurois |
| Größe | 3–5 cm |
| Gewicht | 3–8 g |
| Lebenserwartung | 5–8 Jahre |
| Verbreitung | Borneo (Malaysia, Brunei, Indonesien) |
| Lebensraum | Felsige Bergbäche, Wasserfälle im tropischen Regenwald |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Felsenfrosch ist ein kleiner, schlanker Frosch mit einer Körperlänge von 3–5 cm. Die Oberseite ist dunkelbraun bis schwarz gefärbt mit auffälligen weißen bis hellgrünen Flecken, die dem Frosch auf nassen Felsen eine ausgezeichnete Tarnung verleihen. Die Unterseite ist hell mit dunklerer Marmorierung.
Besonders markant sind die auffällig gefärbten Hinterfüße: Die Schwimmhäute und Zehenspitzen sind leuchtend weiß bis hellgelb – ein Merkmal, das eng mit dem visuellen Kommunikationsverhalten der Art zusammenhängt. Die Zehen besitzen verbreiterte Haftscheiben, die dem Frosch sicheren Halt auf nassen, glitschigen Felsen geben. Die Augen sind groß und nach oben gerichtet.
Verbreitung & Lebensraum
Der Felsenfrosch ist auf der Insel Borneo endemisch und kommt in Malaysia (Sarawak, Sabah), Brunei und Indonesien (Kalimantan) vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die montanen Regenwälder der Insel in Höhenlagen von 200 bis 1.500 m.
Die Art ist streng an felsige Bergbäche und Wasserfälle im tropischen Regenwald gebunden. Sie bevorzugt Bereiche mit schnell fließendem, klarem Wasser und felsigem Untergrund, wo die Frösche auf nassen Steinen und Felsvorsprüngen sitzen. Die Nähe zu Wasserfällen und Stromschnellen ist typisch – genau jene Orte, an denen normales Froschgequake im Rauschen des Wassers untergeht.
Lebensweise & Verhalten
Das spektakulärste Verhalten des Felsenfroschs ist das „Foot-Flagging": Da seine Rufe im Tosen der Wasserfälle untergehen, kommuniziert er visuell, indem er seine auffällig gefärbten Hinterfüße in die Luft streckt und damit winkt. Dieses Verhalten dient sowohl der Revierverteidigung als auch der Partneranlockung.
Die Männchen sitzen auf exponierten Felsen am Wasserfall und heben abwechselnd die Hinterbeine, wobei sie die hellen Schwimmhäute spreizen und langsam hin und her bewegen. Dieses visuelle Signal ist über mehrere Meter sichtbar. Der Felsenfrosch ist tagaktiv – eine Notwendigkeit, da seine visuelle Kommunikation Licht erfordert. Er klettert geschickt auf nassen Felsen und kann auch an vertikalen Flächen haften.
Ernährung
Der Felsenfrosch ernährt sich hauptsächlich von kleinen Wirbellosen, die er auf den nassen Felsen in der Nähe von Wasserfällen und Bächen erbeutet. Dazu gehören Fliegen, Mücken, Ameisen, kleine Käfer und Spinnen. Er jagt aktiv auf den Felsen und nutzt seine klebrige Zunge zur Beutefang.
Die Kaulquappen leben im fließenden Wasser der Bergbäche und ernähren sich von Algenaufwuchs auf Steinen. Sie besitzen einen spezialisierten Saugmund, mit dem sie sich an Felsen in der Strömung festhalten und gleichzeitig Algen abraspeln können.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung findet in der Nähe von Bergbächen und Wasserfällen statt. Männchen verteidigen kleine Reviere auf Felsen und locken Weibchen mit Foot-Flagging-Signalen an. Wenn ein Weibchen interessiert ist, nähert es sich dem Männchen, und die Paarung findet auf den nassen Felsen statt.
Die Eier werden in kleinen Klumpen unter Steinen oder in Felsspalten am Bachrand abgelegt, wo sie vom Spritzwasser feucht gehalten werden. Die Kaulquappen entwickeln sich im fließenden Wasser des Bergbachs und besitzen Anpassungen an das Leben in der Strömung, darunter einen abgeflachten Körper und einen starken Saugmund. Die Metamorphose dauert mehrere Monate.
Haltung im Terrarium
Die Haltung des Felsenfroschs ist äußerst anspruchsvoll und nur erfahrenen Terraristikern zu empfehlen. Du benötigst ein Paludarium mit einem fließenden Wasserbereich, der einen Wasserfall oder zumindest eine starke Strömung simuliert. Feuchte Felsen, Moose und eine üppige Bepflanzung gehören zur Grundausstattung.
Die Temperatur sollte tagsüber bei 22–26 °C liegen, nachts bei 18–20 °C. Die Luftfeuchtigkeit muss konstant hoch sein (85–100 %). Ein leistungsstarker Filter und eine Pumpe für die Wasserumwälzung sind unerlässlich. Die Art wird im Handel praktisch nicht angeboten und stammt nur aus spezialisierten Nachzuchtprojekten.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Felsenfrosch wird von der IUCN als „Least Concern" eingestuft. Die Art kommt in geschützten Regenwaldgebieten Borneos vor und profitiert vom Schutz der Nationalparks. Die Populationen gelten insgesamt als stabil.
Potenzielle Bedrohungen sind die Abholzung von Primärregenwäldern (insbesondere für Palmölplantagen), Gewässerverschmutzung durch Bergbau und die Veränderung der Wasserströme durch Dammbauten. Der Erhalt intakter Bergregenwälder und ihrer Wasserläufe ist entscheidend für den Schutz dieser faszinierenden Froscharten mit ihrem einzigartigen Kommunikationsverhalten.
Quellen
- AmphibiaWeb: Staurois guttatus – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Staurois guttatus – iucnredlist.org
- Grafe, T. U. et al. (2012): Multimodal communication in a noisy environment: a case study of the Bornean rock frog. PLoS ONE, 7(5), e37965.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
- Inger, R. F. & Stuebing, R. B. (2005): A Field Guide to the Frogs of Borneo. Natural History Publications.
