Was sind Süßwasserfische?
Süßwasserfische sind Fische, die in Binnengewässern mit einem Salzgehalt von weniger als 0,05 % leben. Obwohl Süßwasser nur etwa 1 % der gesamten Wasserfläche der Erde ausmacht, beherbergt es rund 18.000 der weltweit knapp 36.000 bekannten Fischarten – eine bemerkenswerte Vielfalt. Von winzigen Nano-Fischen wie dem Perlhuhnbärbling bis hin zu riesigen Süßwasserstechrochen und Lungenfischen bietet die Welt der Süßwasserfische eine unglaubliche Bandbreite an Formen, Farben und Verhaltensweisen.
In der Aquaristik sind Süßwasserfische die mit Abstand beliebtesten Pfleglinge. Sie sind in der Regel pflegeleichter und kostengünstiger in der Haltung als Meerwasserfische, was sie ideal für Einsteiger macht. Gleichzeitig bieten sie auch erfahrenen Aquarianern mit anspruchsvolleren Arten wie Diskusfischen, Altum-Skalaren oder Süßwasserstechrochen spannende Herausforderungen.
Merkmale
Süßwasserfische zeigen eine enorme Vielfalt an Körperformen und Anpassungen. Stromlinienförmige Salmler sind für schnelles Schwimmen in offenen Gewässern optimiert, während abgeflachte Welse mit Saugnäpfen am Boden leben und Strömung standhalten. Labyrinthfische wie Kampffische und Guramis besitzen ein spezielles Atemorgan, das ihnen erlaubt, atmosphärischen Sauerstoff zu nutzen – eine Anpassung an sauerstoffarme Gewässer. Lungenfische können sogar vollständig an der Luft atmen und Trockenperioden in einem Kokon aus Schleim überdauern.
Die Farbenpracht vieler Süßwasserfische ist beeindruckend: Neons leuchten in schillerndem Blau und Rot, Regenbogenfische zeigen spektakuläre Farbverläufe, und männliche Kampffische begeistern mit ihren ausladenden, farbenprächtigen Flossen. Viele Arten zeigen zudem faszinierende Verhaltensweisen wie Brutpflege, Schwarmbildung oder Revierverteidigung.
Im Gegensatz zu Salzwasserfischen müssen Süßwasserfische aktiv Wasser ausscheiden und Salze aufnehmen, um ihren osmotischen Haushalt zu regulieren. Ihre Nieren sind darauf spezialisiert, große Mengen verdünnten Urins zu produzieren, während Salze über spezielle Zellen in den Kiemen aufgenommen werden.
Verbreitung
Süßwasserfische kommen auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis vor. Die größte Artenvielfalt findest du in den tropischen Flüssen Südamerikas, insbesondere im Amazonas- und Orinoco-Becken, die zusammen über 5.000 Fischarten beherbergen. Auch die Großen Seen Afrikas (Malawi-, Tanganjika- und Victoriasee) sind mit ihren hunderten endemischen Buntbarscharten wahre Hotspots der Evolution.
Südostasien mit Mekong, Ganges und den indonesischen Inselgewässern ist ebenfalls extrem artenreich. In Europa leben vergleichsweise wenige Süßwasserfischarten, darunter aber beliebte Aquarienbewohner wie der Zebrabarbe nahe verwandte Wildformen. Australien und Papua-Neuguinea beherbergen einzigartige Regenbogenfische, die nur dort vorkommen.
Lebensweise
Die Lebensweisen von Süßwasserfischen sind äußerst vielfältig und an die jeweiligen Gewässertypen angepasst. In schnell fließenden Gebirgsbächen leben stromlinienförmige Arten, die sich an Steinen festsaugen oder gegen die Strömung schwimmen können. In stehenden, pflanzenreichen Gewässern findest du dagegen Labyrinthfische und Killifische, die an warme, sauerstoffarme Bedingungen angepasst sind.
Viele Süßwasserfische leben in Schwärmen, was ihnen Schutz vor Fressfeinden bietet – Salmler, Bärblinge und Regenbogenfische sind typische Schwarmfische. Andere Arten wie Buntbarsche sind territorial und verteidigen Reviere, insbesondere während der Brutzeit. Welse sind oft nachtaktiv und verbringen den Tag in Verstecken, während Salmler und Barben tagsüber aktiv durchs Wasser streifen.
Besonders faszinierend sind die verschiedenen Fortpflanzungsstrategien: Maulbrütende Buntbarsche, lebendgebärende Guppys und Platys, Schaumnestbauer wie der Kampffisch oder Höhlenbrüter wie der Antennenwels – die Vielfalt der Brutpflege bei Süßwasserfischen ist enorm.
Beliebte Arten für das Aquarium
Zu den beliebtesten Süßwasserfischen in der Aquaristik gehören:
- Salmler (Characidae): Neons, Rote Neons, Kongosalmler – leuchtende Schwarmfische für bepflanzte Aquarien.
- Lebendgebärende (Poeciliidae): Guppys, Platys, Mollys, Schwertträger – farbenfroh und leicht zu vermehren.
- Buntbarsche (Cichlidae): Skalare, Schmetterlingsbuntbarsche, Malawi-Buntbarsche – intelligent und mit spannendem Verhalten.
- Welse (Siluriformes): Antennenwelse, Panzerwelse, Otocinclus – nützliche Bodenbewohner und Algenfresser.
- Labyrinthfische (Anabantoidei): Kampffische, Guramis – robuste Fische mit Luftatmung.
- Bärblinge (Cyprinidae): Zebrabärblinge, Keilfleckbärblinge – aktive Schwarmfische für Gesellschaftsbecken.
- Regenbogenfische (Melanotaeniidae): Boesemans Regenbogenfisch, Neon-Regenbogenfisch – farbenprächtige Schwarmfische.
Für Einsteiger eignen sich besonders robuste und pflegeleichte Arten wie Guppys, Platys, Neons, Antennenwelse und Panzerwelse, die auch kleinere Pflegefehler verzeihen.
Haltung im Aquarium
Die erfolgreiche Haltung von Süßwasserfischen beginnt mit einem gut eingefahrenen Aquarium. Lasse dein Aquarium mindestens 2–4 Wochen ohne Fischbesatz laufen, damit sich die notwendigen Filterbakterien aufbauen können. Die Größe des Aquariums richtet sich nach den gehaltenen Arten – von 20 Litern für Nano-Fische bis hin zu 500 Litern und mehr für große Buntbarsche oder Welse.
Achte bei der Zusammenstellung deines Besatzes auf die Verträglichkeit der Arten untereinander: Friedliche Schwarmfische wie Salmler und Bärblinge lassen sich gut kombinieren, während territoriale Buntbarsche eigene Reviere brauchen. Berücksichtige die bevorzugten Wasserwerte (Temperatur, pH-Wert, Härte) und die Beckenzonen – idealerweise besetzt du alle Bereiche vom Boden über die Mitte bis zur Oberfläche. Regelmäßige Wasserwechsel von 25–30 % pro Woche, eine gute Filterung und eine angemessene Beleuchtung sind die Grundpfeiler einer erfolgreichen Fischhaltung.
Fütterung
Eine abwechslungsreiche und artgerechte Ernährung ist entscheidend für die Gesundheit deiner Süßwasserfische. Hochwertiges Trockenfutter (Flocken, Granulat) bildet die Basis der täglichen Fütterung. Ergänze es regelmäßig mit Frostfutter (Artemia, Mückenlarven, Daphnien) und gelegentlich Lebendfutter für eine optimale Nährstoffversorgung.
Pflanzenfressende Arten wie Antennenwelse benötigen zusätzlich pflanzliche Kost in Form von Gemüse (Gurke, Zucchini, überbrühter Salat) oder speziellen Algen-Tabs. Füttere grundsätzlich nur so viel, wie deine Fische innerhalb von 2–3 Minuten fressen können – Überfütterung belastet die Wasserqualität und fördert Algenwachstum. Zwei bis drei kleine Fütterungen pro Tag sind besser als eine große Portion.
Quellen
- FishBase – Umfassende Fischdatenbank – fishbase.se
- Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.
- IUCN Red List of Threatened Species – iucnredlist.org
- Seriously Fish – Artprofile und Haltungsinformationen – seriouslyfish.com
