Der Fledermausfisch ist einer der spektakulärsten Meerwasserfische mit einer der dramatischsten Verwandlungen im Fischreich. Jungtiere sind tiefschwarz mit einem leuchtend orangefarbenen Rand – sie imitieren damit ein giftiges Plattwurm und werden oft mit diesem verwechselt. Adulte Tiere entwickeln eine silbrige Färbung und eine imposante, scheibenförmige Gestalt.
| Wissenschaftlicher Name | Platax pinnatus |
| Ordnung | Barschverwandte (Perciformes) |
| Familie | Fledermausfische (Ephippidae) |
| Gattung | Platax |
| Größe | 30–45 cm |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Indopazifik (Rotes Meer bis Westpazifik) |
| Lebensraum | Korallenriffe, Lagunen, geschützte Buchten, 5–30 m Tiefe |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 1500 Liter |
| Temperatur | 24–27 °C |
| Salinität | 1,023–1,026 |
Beschreibung & Aussehen
Der Fledermausfisch erreicht eine Körperlänge von 30–45 cm und eine beachtliche Körperhöhe einschließlich der ausgedehnten Rücken- und Afterflossen. Adulte Tiere haben einen stark seitlich abgeflachten, nahezu kreisrunden Körper mit einer silbergrauen Grundfärbung und einem dunklen Querband durch das Auge. Die Rücken- und Afterflossen sind bei adulten Tieren deutlich kürzer als bei Jungtieren.
Die Jungtiere sind das wahre Highlight: Sie sind komplett tiefschwarz mit einem leuchtend orangefarbenen bis roten Rand, der den gesamten Körper und die extrem verlängerten Flossen umgibt. Diese Erscheinung imitiert einen giftigen Plattwurm (Pseudobiceros) und bietet so einen wirksamen Schutz vor Fressfeinden. Die Verwandlung vom spektakulären Jungtier zum schlichten Adulttier erstreckt sich über mehrere Monate.
Verbreitung & Lebensraum
Der Fledermausfisch ist im Indopazifik vom Roten Meer über den Indischen Ozean bis in den westlichen Pazifik verbreitet. Jungtiere halten sich bevorzugt in geschützten Lagunen, Mangrovengebieten und unter schwimmenden Gegenständen auf. Adulte Tiere bewohnen Korallenriffe und Steilwände in Tiefen von 5–30 Metern.
Adulte Fledermausfische sind oft in kleinen Gruppen an Steilwänden und Putzerstationen anzutreffen. Die Jungtiere leben einzeln und nutzen ihre Mimikry zum Schutz, wobei sie sich häufig auf die Seite legen und wie ein totes Blatt oder Plattwurm im Wasser treiben.
Lebensweise & Verhalten
Das Verhalten der Jungtiere ist besonders faszinierend: Sie treiben seitlich im Wasser und imitieren mit ihren wellenförmigen Bewegungen und der schwarz-orangefarbenen Färbung einen giftigen Plattwurm. Diese Mimikry ist so überzeugend, dass selbst erfahrene Taucher die Jungtiere für Plattwürmer halten können.
Adulte Tiere sind gesellig und schwimmen oft in kleinen Gruppen von 3–10 Individuen über dem Riff. Sie sind neugierig und nähern sich häufig Tauchern. An Putzerstationen lassen sie sich bereitwillig von Putzerfischen reinigen und verharren dabei ruhig im Wasser.
Im Aquarium zeigen Fledermausfische ein ruhiges, zugängliches Verhalten und werden schnell handzahm. Sie erkennen ihren Pfleger und kommen bei der Fütterung an die Scheibe. Allerdings gelten sie als anspruchsvoll in der Eingewöhnung, da viele Wildfänge anfangs das Futter verweigern.
Ernährung
In der Natur ist der Fledermausfisch ein Allesfresser, der sich von Algen, Zooplankton, kleinen Wirbellosen und Quallen ernährt. Er pickt auch an Korallenpolypen und anderen sessilen Organismen. Jungtiere ernähren sich hauptsächlich von kleinen Krebstieren und Plankton.
Im Aquarium kann die Fütterung anfangs problematisch sein. Frisch importierte Tiere verweigern oft das Futter und können abmagern. Lebendfutter wie Artemia oder kleine Garnelen helfen oft, die Futterannahme zu stimulieren. Einmal eingewöhnt, nehmen Fledermausfische die meisten Futtermittel an: Frostfutter, Algenblätter, Granulat und Flockenfutter. Mehrmals tägliche Fütterungen sind empfehlenswert.
Fortpflanzung
Über die Fortpflanzung des Fledermausfischs in der Natur ist relativ wenig bekannt. Die Laichzeit wird in den wärmeren Monaten vermutet. Die Eier sind pelagisch und treiben im freien Wasser. Die Larven durchlaufen eine mehrwöchige Planktonphase, bevor sie sich als Jungtiere in geschützten Küstenbereichen niederlassen.
Die Zucht im Aquarium ist bisher nicht gelungen. In großen Becken kann gelegentlich Balzverhalten beobachtet werden, aber eine erfolgreiche Aufzucht der Larven steht noch aus. Alle im Handel erhältlichen Fledermausfische sind Wildfänge.
Haltung im Aquarium
Der Fledermausfisch gilt als einer der anspruchsvolleren Meerwasserfische in der Eingewöhnungsphase. Er benötigt ein großes Aquarium ab 1000 Litern mit viel freiem Schwimmraum und einigen Rückzugsmöglichkeiten. Trotz seiner beeindruckenden Erscheinung ist er ein eher ruhiger Schwimmer, der nicht die extreme Aktivität von Doktorfischen zeigt.
Die Wassertemperatur sollte bei 24–28 °C liegen, die Salinität bei 1,023–1,026. Die größte Herausforderung bei der Haltung ist die Eingewöhnung an das Aquarienfutter. Biete anfangs Lebendfutter und frisches Frostfutter an und wechsle dann schrittweise zu Trocken- und Ersatzfutter. Geduld ist hier der Schlüssel zum Erfolg.
Die Vergesellschaftung mit anderen friedlichen bis halbfriedlichen Meerwasserfischen ist möglich. Der Fledermausfisch ist gegenüber Korallen und Wirbellosen nicht immer zuverlässig – er kann an LPS-Korallen und Manteltieren knabbern. Eine Haltung in einem FOWLR-Becken oder einem Becken mit robusten Korallen ist daher empfehlenswert.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Fledermausfisch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Er ist im Indopazifik weit verbreitet und häufig. Die Bestände gelten als stabil und die Art kommt in zahlreichen Meeresschutzgebieten vor.
Für die Aquaristik werden die Tiere als Wildfänge importiert. Aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate bei der Eingewöhnung solltest du nur bei erfahrenen Händlern kaufen, die ihre Tiere gut eingewöhnt haben und bei denen die Fische bereits selbstständig fressen. Der Kauf eines fressenden Tieres ist der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Haltung.
Quellen
- FishBase: Platax pinnatus – fishbase.se
- IUCN Red List: Platax pinnatus – iucnredlist.org
- Bariche, M. (2012): Field Identification Guide to the Living Marine Resources of the Eastern and Southern Mediterranean. FAO.
- Debelius, H. & Kuiter, R. H. (2007): Atlas der Meeresfische. Kosmos Verlag.
- Randall, J. E. (2005): Reef and Shore Fishes of the South Pacific. University of Hawaii Press.
