Der Flösselaal ist ein einzigartiger, schlangenförmiger Fisch aus Westafrika, der zur uralten Familie der Flösselhechte gehört. Mit seiner Fähigkeit, atmosphärische Luft zu atmen, und seinem auffälligen Aussehen ist er ein faszinierender Bewohner für größere Aquarien.
| Wissenschaftlicher Name | Erpetoichthys calabaricus |
| Ordnung | Flösselhechte (Polypteriformes) |
| Familie | Flösselhechte (Polypteridae) |
| Gattung | Erpetoichthys |
| Größe | 30–60 cm |
| Gewicht | 30–100 g |
| Lebenserwartung | 15–20 Jahre |
| Verbreitung | Westafrika (Nigeria, Kamerun, Benin, Kongo) |
| Lebensraum | Süßwasser – langsam fließende Flüsse, Sümpfe und Marschland |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 200 Liter |
| Temperatur | 22–28 °C |
| pH-Wert | 6.5–7.5 |
| Wasserhärte | 5–15 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Flösselaal erreicht im Aquarium eine Länge von 30–60 cm und besitzt einen auffallend langgestreckten, schlangenförmigen Körper ohne Bauchflossen. Die Rückenflosse besteht aus 7–13 einzelnen, fächerförmigen Flössel (Pinnulae), die der gesamten Familie ihren Namen gaben. Die Brustflossen sind fleischig und werden ähnlich wie Stummelarme eingesetzt.
Die Grundfärbung ist olivgrün bis dunkelbraun mit einem gelblichen bis weißlichen Bauch. Die Schuppen sind groß, rautenförmig und extrem hart – ein Relikt aus der Urzeit, als diese Schuppen als Schutzpanzer dienten. Die Augen sind relativ klein, da der Flösselaal sich hauptsächlich über seinen ausgezeichneten Geruchssinn orientiert.
Verbreitung & Lebensraum
Der Flösselaal ist in Westafrika beheimatet, insbesondere in Nigeria, Kamerun, Benin und der Demokratischen Republik Kongo. Er bewohnt langsam fließende Flussabschnitte, Sümpfe, Marschland und überflutete Wälder mit dichter Vegetation und schlammigem Grund.
Sein natürlicher Lebensraum ist oft sauerstoffarm, weshalb die Art ein spezielles Atmungsorgan entwickelt hat, das die Aufnahme von atmosphärischer Luft ermöglicht. In der Trockenzeit kann er kurze Strecken über Land zurücklegen, um andere Gewässer zu erreichen. Die Gewässer sind typischerweise warm und pflanzenreich mit vielen Versteckmöglichkeiten.
Lebensweise & Verhalten
Der Flösselaal ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber versteckt er sich in Höhlen, Röhren und zwischen dichten Pflanzen. Nachts geht er auf Jagd und durchstreift das gesamte Becken auf der Suche nach Nahrung. Dabei nutzt er seinen ausgezeichneten Geruchssinn, da seine Sehfähigkeit eingeschränkt ist.
Eine besondere Eigenschaft ist seine Fähigkeit, atmosphärische Luft zu atmen. Er steigt regelmäßig zur Wasseroberfläche auf, um Luft zu schlucken, die in seiner modifizierten Schwimmblase verarbeitet wird. Der Flösselaal ist friedlich gegenüber Fischen, die zu groß sind, um als Beute in Frage zu kommen. Achtung: Er ist ein geschickter Ausbrecher und kann durch kleinste Öffnungen in der Abdeckung entwischen!
Ernährung
Der Flösselaal ist ein Fleischfresser, der sich in der Natur von Insektenlarven, kleinen Fischen, Würmern und Krebstieren ernährt. Im Aquarium biete ihm kräftiges Frostfutter wie Mückenlarven, Stinte, Garnelen und Muschelfleisch an. Auch Regenwürmer werden sehr gerne genommen.
Anfangs kann die Fütterung etwas Geduld erfordern, da frisch eingesetzte Tiere oft nur Lebendfutter akzeptieren. Mit der Zeit gewöhnen sie sich aber an Frostfutter und manchmal sogar an hochwertiges Trockenfutter. Füttere abends oder nachts, wenn der Fisch am aktivsten ist. Aufgrund seines schlechten Sehvermögens hilft eine Fütterung mit der Pinzette, um sicherzustellen, dass er genug bekommt.
Fortpflanzung
Die Zucht des Flösselaals im Aquarium ist möglich, aber selten. Die Geschlechter sind schwer zu unterscheiden – bei Männchen ist die Afterflosse etwas breiter und dicker, was bei der Befruchtung hilft. Die Paarung findet nach einer Phase erhöhter Aktivität und Balzrituale statt.
Das Männchen umschlingt das Weibchen mit seiner Afterflosse und nimmt die Eier auf, die dann an feinblättrigen Pflanzen oder Laichmopps abgestreift werden. Die Eier sind klebrig und schlüpfen nach 3–4 Tagen. Die Jungfische besitzen äußere Kiemen ähnlich wie Axolotl und müssen mit feinem Lebendfutter aufgezogen werden. Die Aufzucht ist anspruchsvoll, aber lohnend.
Haltung im Aquarium
Für den Flösselaal benötigst du ein Aquarium ab 200 Litern mit einer Kantenlänge von mindestens 120 cm. Eine absolut dichte Abdeckung ist zwingend erforderlich, da dieser Fisch ein meisterhafter Ausbrecher ist! Selbst kleinste Spalten um Schläuche und Kabel werden gefunden und genutzt.
Richte das Becken mit vielen Versteckmöglichkeiten aus Röhren, Wurzeln und dichten Pflanzen ein. Der Bodengrund sollte aus feinem Sand bestehen. Die Wassertemperatur sollte zwischen 22 und 28 °C liegen, der pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5. Die Vergesellschaftung gelingt mit Fischen, die zu groß sind, um gefressen zu werden – Buntbarsche, größere Barben und andere Polypteridae sind geeignete Mitbewohner.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Flösselaal wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist in Westafrika weit verbreitet und die Bestände sind derzeit stabil. Lokale Bedrohungen durch Lebensraumzerstörung und Umweltverschmutzung sind vorhanden, betreffen die Gesamtpopulation aber nicht gravierend.
In der Aquaristik ist der Flösselaal seit Jahrzehnten beliebt und wird sowohl als Wildfang als auch zunehmend als Nachzucht angeboten. Als Vertreter einer uralten Fischgruppe, die seit über 60 Millionen Jahren existiert, ist er ein lebendes Fossil von besonderem wissenschaftlichem und aquaristischem Interesse.
Quellen
- FishBase: Erpetoichthys calabaricus – fishbase.se
- Seriously Fish: Erpetoichthys calabaricus – seriouslyfish.com
- IUCN Red List: Erpetoichthys calabaricus – iucnredlist.org
- Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.
- Berra, T. M. (2007): Freshwater Fish Distribution. University of Chicago Press.
