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Flösselhecht (Polypterus senegalus)

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Flösselhecht (Polypterus senegalus)

Bildquelle: Roman Marusew / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Flösselhecht ist ein urtümlicher Fisch, der oft als „lebendes Fossil" bezeichnet wird. Seine Familie existiert seit über 60 Millionen Jahren nahezu unverändert. Mit seinen charakteristischen Flösseln auf dem Rücken und der Fähigkeit zur Luftatmung ist er ein faszinierender Vertreter der Urzeit-Fische.

Der Flösselhecht ist ein urtümlicher Fisch, der oft als „lebendes Fossil" bezeichnet wird. Seine Familie existiert seit über 60 Millionen Jahren nahezu unverändert. Mit seinen charakteristischen Flösseln auf dem Rücken und der Fähigkeit zur Luftatmung ist er ein faszinierender Vertreter der Urzeit-Fische.

Steckbrief: Flösselhecht (Polypterus senegalus)
Wissenschaftlicher NamePolypterus senegalus
OrdnungFlösselhechte (Polypteriformes)
FamilieFlösselhechte (Polypteridae)
GattungPolypterus
Größe25–40 cm
Gewicht50–200 g
Lebenserwartung15–20+ Jahre
VerbreitungWeite Teile Afrikas (Nil, Senegal, Niger, Tschadsee)
LebensraumSüßwasser – Flüsse, Seen und Überschwemmungsgebiete
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN
Aquariumab 300 Liter
Temperatur24–28 °C
pH-Wert6.0–7.5
Wasserhärte5–20 °dGH

Beschreibung & Aussehen

Der Flösselhecht erreicht im Aquarium eine Länge von 25–40 cm und besitzt einen langgestreckten, zylindrischen Körper mit einer abgeflachten Schnauze. Sein markantestes Merkmal sind die 8–11 einzelnen, fächer- oder segelförmigen Rückenflössel (Pinnulae), die er unabhängig voneinander aufstellen kann. Jedes Flössel besteht aus einem harten Stachel mit einer dahinter liegenden weichen Flosse.

Die Grundfärbung ist grau bis olivgrün, der Bauch heller. Die Schuppen sind rautenförmig und extrem hart (Ganoidschuppen), ein typisches Merkmal urtümlicher Fische. Die Brustflossen besitzen einen fleischigen Ansatz und werden fast wie kleine Arme eingesetzt. Die Augen sind relativ klein, der Geruchssinn ist dagegen hervorragend entwickelt.

Verbreitung & Lebensraum

Der Flösselhecht ist über weite Teile Afrikas verbreitet – vom Senegal und Gambia über Niger und Tschadsee bis zum Nil und seinen Zuflüssen. Er ist der am weitesten verbreitete und häufigste Vertreter der Polypteridae und bewohnt eine Vielzahl von Süßwasserlebensräumen.

In der Natur findest du ihn in langsam fließenden Flüssen, Seen, Sümpfen und saisonalen Überschwemmungsgebieten. Er bevorzugt flache, pflanzenreiche Gewässer mit schlammigem oder sandigem Grund. Während der Regenzeit wandert er in überschwemmte Graslandschaften, um dort zu jagen und zu laichen.

Lebensweise & Verhalten

Der Flösselhecht ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruht er am Boden oder versteckt sich zwischen Pflanzen und Dekorationen. Er kann atmosphärische Luft atmen, indem er an die Wasseroberfläche steigt und Luft in seine modifizierte Schwimmblase aufnimmt, die wie eine einfache Lunge funktioniert.

Diese Fähigkeit ermöglicht es ihm, auch in sauerstoffarmen Gewässern zu überleben und sogar kurze Zeit an Land zu überdauern, solange seine Haut feucht bleibt. Im Aquarium steigt er regelmäßig zur Oberfläche auf, um Luft zu schnappen. Gegenüber anderen Fischen ist er friedlich, solange diese zu groß sind, um gefressen zu werden. Kleine Fische werden jedoch nachts gejagt.

Ernährung

Der Flösselhecht ist ein Raubfisch, der sich in der Natur von kleinen Fischen, Insektenlarven, Würmern und Krebstieren ernährt. Im Aquarium biete ihm kräftiges Frostfutter wie Stinte, Garnelen, Muschelfleisch und Mückenlarven an. Regenwürmer sind ein besonderer Leckerbissen.

Mit Geduld lässt er sich auch an hochwertiges Trockenfutter in Pellet- oder Stick-Form gewöhnen. Füttere bevorzugt abends oder nachts, wenn der Fisch am aktivsten ist. Aufgrund seines relativ langsamen Fressverhaltens und seines schlechten Sehvermögens solltest du sicherstellen, dass er nicht von schnelleren Mitbewohnern beim Fressen verdrängt wird.

Fortpflanzung

Die Zucht des Flösselhechts im Aquarium ist möglich und gelingt erfahrenen Aquarianern regelmäßig. Die Geschlechter lassen sich an der Afterflosse unterscheiden: Beim Männchen ist sie breiter und dicker, da sie zur Aufnahme der Eier während der Paarung dient.

Die Paarung wird durch Simulation der Regenzeit ausgelöst – kühle Wasserwechsel und anschließende Erwärmung können den Laichreflex stimulieren. Das Männchen umschlingt das Weibchen mit seiner Afterflosse und nimmt die Eier auf, bevor es sie an Pflanzen oder Mopps verteilt. Die Eier schlüpfen nach 3–4 Tagen, die Larven besitzen zunächst äußere Kiemen. Die Aufzucht erfolgt mit Artemia-Nauplien und feinem Lebendfutter.

Haltung im Aquarium

Für den Flösselhecht benötigst du ein Aquarium ab 300 Litern mit einer Kantenlänge von mindestens 120 cm. Eine absolut dichte Abdeckung ist unverzichtbar, da Flösselhechte notorische Ausbrecher sind. Richte das Becken mit Sand als Bodengrund, großen Wurzeln und robuster Bepflanzung ein.

Die Wassertemperatur sollte zwischen 24 und 28 °C liegen, der pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5. Stelle sicher, dass der Fisch Zugang zur Wasseroberfläche hat, da er regelmäßig Luft atmen muss. Als Beifische eignen sich größere, robuste Arten wie Buntbarsche, große Welse oder andere Polypterus-Arten. Kleine Fische werden als Beute betrachtet.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Flösselhecht wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Er ist in Afrika weit verbreitet und die Bestände gelten als stabil. Lokal kann er durch Überfischung und Habitatverlust betroffen sein, doch insgesamt ist die Art nicht bedroht.

Als „lebendes Fossil" besitzt der Flösselhecht einen hohen wissenschaftlichen Wert für die Erforschung der Wirbeltierevolution. In der Aquaristik wird er regelmäßig als Nachzucht angeboten, was den Wildfangdruck minimiert. Die Polypteridae insgesamt gelten als wichtige Studienobjekte für das Verständnis der Evolution der Landwirbeltiere.

Quellen

  1. FishBase: Polypterus senegalusfishbase.se
  2. Seriously Fish: Polypterus senegalusseriouslyfish.com
  3. IUCN Red List: Polypterus senegalusiucnredlist.org
  4. Berra, T. M. (2007): Freshwater Fish Distribution. University of Chicago Press.
  5. Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.

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