Frösche

Frösche

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Zusammenfassung

Frösche gehören zur Ordnung der Froschlurche (Anura) und sind mit über 7.000 beschriebenen Arten die artenreichste Gruppe der Amphibien. Sie kommen auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor und besiedeln Lebensräume von tropischen Regenwäldern bis hin zu Wüstenrandgebieten. Frösche spielen eine zentrale Rolle in vielen Ökosystemen und faszinieren durch ihre enorme Formenvielfalt.

Was sind Frösche?

Frösche bilden zusammen mit den Kröten die Ordnung der Froschlurche (Anura), die mit über 7.000 Arten die bei Weitem artenreichste Gruppe innerhalb der Amphibien darstellt. Der Begriff „Frosch" wird im Deutschen meist für Froschlurche mit glatter, feuchter Haut und langen Hinterbeinen verwendet, während „Kröte" eher trockenhäutige, plumpe Arten beschreibt. Wissenschaftlich gibt es diese strikte Trennung jedoch nicht – beide gehören zur selben Ordnung.

Frösche haben eine jahrmillionenalte Evolutionsgeschichte. Die ältesten fossilen Funde stammen aus der Trias vor etwa 250 Millionen Jahren. Heute kommen Frösche auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor und haben nahezu jeden Lebensraum erobert – von tropischen Regenwäldern über Savannen und Gebirge bis hin zu Wüstenrandgebieten und sogar subarktischen Regionen.

Frösche sind als Bioindikatoren von großer ökologischer Bedeutung. Da sie eine durchlässige Haut besitzen und sowohl im Wasser als auch an Land leben, reagieren sie besonders empfindlich auf Umweltveränderungen. Der weltweite Rückgang vieler Froschpopulationen gilt als alarmierendes Zeichen für den Zustand unserer Ökosysteme.

Merkmale

Frösche zeichnen sich durch einen kompakten, schwanzlosen Körperbau mit kräftigen Hinterbeinen aus, die zum Springen und Schwimmen dienen. Die meisten Arten besitzen eine glatte, feuchte Haut, die eine wichtige Rolle bei der Atmung spielt – Frösche können über ihre Haut Sauerstoff und Wasser aufnehmen. Viele Arten verfügen über Hautdrüsen, die Schleim oder Giftstoffe produzieren.

Die Größe der Frösche variiert enorm: Der kleinste bekannte Frosch, Paedophryne amauensis aus Papua-Neuguinea, misst gerade einmal 7,7 mm, während der Goliathfrosch (Conraua goliath) aus Westafrika bis zu 32 cm Körperlänge und über 3 kg erreichen kann. Die meisten Froscharten besitzen eine klebrige Zunge, mit der sie blitzschnell Beute fangen können. Ihre großen, oft farbenprächtigen Augen bieten ein breites Sichtfeld.

Ein weiteres typisches Merkmal sind die Schallblasen der Männchen, mit denen sie artspezifische Rufe erzeugen. Diese Rufe dienen der Reviermarkierung und der Anlockung von Weibchen. Die Vielfalt der Froschrufe ist enorm – vom melodischen Trillern europäischer Laubfrösche bis zum ohrenbetäubenden Gebrüll des Amerikanischen Ochsenfroschs.

Verbreitung

Frösche sind nahezu weltweit verbreitet. Die höchste Artenvielfalt findet sich in den tropischen Regenwäldern Süd- und Mittelamerikas, Südostasiens und Madagaskars. Allein in Kolumbien und Ecuador leben jeweils über 500 Froscharten. In Europa sind etwa 50 Froscharten heimisch, darunter bekannte Vertreter wie der Grasfrosch (Rana temporaria), der Europäische Laubfrosch (Hyla arborea) und verschiedene Wasserfrösche der Gattung Pelophylax.

Frösche besiedeln eine erstaunliche Bandbreite an Lebensräumen. Viele Arten sind an das Leben in und an Gewässern angebunden, doch es gibt auch rein terrestrische Arten, Baumfrösche, die ihr ganzes Leben in der Baumkrone verbringen, sowie grabende Arten, die unterirdisch leben. Einige Spezialisten haben sich an extreme Lebensräume angepasst – der Wüstenlaubfrosch (Litoria rubella) überlebt in australischen Trockengebieten, während der Waldfrosch (Lithobates sylvaticus) Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt übersteht.

Lebensweise

Die Lebensweise der Frösche ist so vielfältig wie die Gruppe selbst. Die meisten Arten sind dämmerungs- oder nachtaktiv und ernähren sich von Insekten und anderen Wirbellosen, größere Arten fressen auch kleine Wirbeltiere. Frösche sind in der Regel opportunistische Jäger, die auf Beute lauern und diese mit einem blitzschnellen Zungenschlag oder durch direktes Zupacken erbeuten.

Die Fortpflanzung der Frösche ist äußerst vielfältig. Die meisten Arten legen Eier (Laich) in Gewässern ab, aus denen sich Kaulquappen entwickeln, die eine Metamorphose zum adulten Frosch durchlaufen. Doch es gibt zahlreiche Abweichungen von diesem Grundmuster: Schaumnestkbauer wie die Rhacophoridae, Brutpflege in Rückentaschen bei Beutelfroschartigen, Direktentwicklung ohne Kaulquappenstadium bei Pfeiffröschen oder die einzigartige Magenbrüterfrösche, bei denen die Kaulquappen im Magen der Mutter heranwachsen.

Viele Froscharten in gemäßigten Breiten halten eine Winterruhe oder Winterstarre. Tropische Arten können in Trockenperioden in eine Sommerruhe (Ästivation) verfallen. Die Lebensdauer variiert stark: Kleine Arten leben oft nur 3–5 Jahre, während größere Frösche wie der Ochsenfrosch oder der Hornfrosch 15–20 Jahre und älter werden können.

Bekannte Froscharten

Zu den bekanntesten und beliebtesten Froscharten gehören:

  • Rotaugenlaubfrosch (Agalychnis callidryas): Der Inbegriff des tropischen Frosches mit seinen leuchtend roten Augen und dem grünen Körper. Beheimatet in den Regenwäldern Mittelamerikas.
  • Pfeilgiftfrösche (Dendrobatidae): Eine Familie auffällig gefärbter, giftiger Frösche aus Mittel- und Südamerika, die zu den farbenprächtigsten Wirbeltieren überhaupt zählen.
  • Grasfrosch (Rana temporaria): Der häufigste Frosch Europas, der in Gärten, Wäldern und Wiesen vorkommt und im Frühjahr große Laichballen in Gewässern ablegt.
  • Hornfrösche (Ceratophrys): Die sogenannten „Pacman-Frösche" aus Südamerika, die wegen ihres riesigen Mauls und ihrer einfachen Haltung beliebte Terrarientiere sind.
  • Goliathfrosch (Conraua goliath): Der größte lebende Frosch der Welt aus Westafrika mit bis zu 32 cm Körperlänge.
  • Afrikanischer Krallenfrosch (Xenopus laevis): Ein vollständig aquatischer Frosch, der eine wichtige Rolle in der wissenschaftlichen Forschung spielt.

Auch Glasfrösche (Centrolenidae) mit ihrer durchscheinenden Bauchhaut, die vietnamesischen Moosfrösche (Theloderma corticale) mit ihrer unglaublichen Tarnung und die winzigen Zwergpfeilgiftfrösche der Gattung Ranitomeya faszinieren Fachleute und Laien gleichermaßen.

Frösche im Terrarium und Aquarium

Frösche erfreuen sich zunehmender Beliebtheit in der Terraristik und Aquaristik. Einige Arten eignen sich hervorragend für die Haltung im Terrarium oder Aquarium, wenn ihre spezifischen Bedürfnisse beachtet werden. Beliebte Terrarienarten sind Pfeilgiftfrösche, Hornfrösche, Laubfrösche und Moosfrösche. Für die Aquarienhaltung eignen sich vollständig aquatische Arten wie Zwergkrallenfrösche (Hymenochirus) und Krallenfrösche (Xenopus).

Die artgerechte Haltung erfordert je nach Art ein Regenwald-Terrarium, ein Aqua-Terrarium oder ein reines Aquarium mit den passenden Temperatur-, Luftfeuchtigkeits- und Wasserparametern. Viele Froscharten benötigen Lebendfutter wie Fruchtfliegen, Grillen oder Mückenlarven. Bei der Anschaffung solltest du unbedingt auf Nachzuchten aus verantwortungsvoller Zucht setzen und dich über die artenschutzrechtlichen Bestimmungen informieren.

Besonders anfängerfreundliche Arten sind der Südamerikanische Hornfrosch (Ceratophrys ornata), der Afrikanische Zwergfrosch (Hymenochirus boettgeri) und der Färberfrosch (Dendrobates tinctorius). Diese Arten sind relativ pflegeleicht, gut verfügbar und zeigen interessantes Verhalten.

Schutzstatus

Frösche gehören zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen weltweit. Nach Angaben der IUCN sind über 40 % aller Amphibienarten in ihrem Bestand gefährdet, und mindestens 35 Froscharten sind seit den 1980er-Jahren ausgestorben. Die Hauptursachen für den dramatischen Rückgang sind Lebensraumverlust durch Abholzung und Urbanisierung, der Klimawandel, Umweltverschmutzung und die verheerende Chytridpilz-Krankheit (Batrachochytrium dendrobatidis), die weltweit zum Zusammenbruch ganzer Froschpopulationen geführt hat.

In Europa stehen alle heimischen Froscharten unter Naturschutz. International regelt das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) den Handel mit bedrohten Froscharten. Zahlreiche Schutzprogramme weltweit bemühen sich um den Erhalt gefährdeter Arten durch Nachzucht, Lebensraumschutz und die Bekämpfung des Chytridpilzes. Jeder kann zum Schutz der Frösche beitragen – durch den Erhalt naturnaher Gärten mit Teichen, den Verzicht auf Pestizide und die Unterstützung von Amphibienschutzprojekten.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Information on amphibian biology and conservation – amphibiaweb.org
  2. IUCN Red List of Threatened Species – iucnredlist.org
  3. Duellman, W. E. & Trueb, L. (1994): Biology of Amphibians. Johns Hopkins University Press.
  4. Vitt, L. J. & Caldwell, J. P. (2014): Herpetology – An Introductory Biology of Amphibians and Reptiles. 4th Edition. Academic Press.
  5. Stuart, S. N. et al. (2004): Status and Trends of Amphibian Declines and Extinctions Worldwide. Science, 306, 1783–1786.

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