Was sind Garnelen?
Garnelen gehören zur Ordnung der Zehnfußkrebse (Decapoda) und sind weltweit in Süß- und Salzwasser verbreitet. In der Aquaristik werden vor allem Süßwassergarnelen der Familien Atyidae (Süßwassergarnelen) und Palaemonidae (Felsengarnelen) gehalten, aber auch einige Meerwasserarten wie Putzergarnelen erfreuen sich großer Beliebtheit. Garnelen spielen in ihren natürlichen Lebensräumen eine wichtige ökologische Rolle als Aufwuchsfresser und Destruenten.
Die Haltung von Garnelen im Aquarium hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen regelrechten Boom erlebt. Besonders Zwerggarnelen der Gattungen Caridina und Neocaridina sind durch ihre einfache Haltung, friedliche Art und die Vielzahl an Farbvarianten zu Lieblingen der Aquaristik geworden. Aber auch größere Arten wie die Amanogarnele oder die Riesenfächergarnele haben ihren festen Platz in der Aquarienhaltung.
Merkmale
Der Körper einer Garnele gliedert sich in zwei Hauptabschnitte: den Cephalothorax (Kopfbruststück) und das Abdomen (Hinterleib). Der Cephalothorax wird von einem Carapax (Rückenschild) bedeckt und trägt die Augen, Antennen, Mundwerkzeuge und fünf Paar Schreitbeine. Das Abdomen besteht aus sechs Segmenten und endet in einem Schwanzfächer (Telson), der es der Garnele ermöglicht, sich mit einem schnellen Schwanzschlag rückwärts durch das Wasser zu katapultieren.
Garnelen besitzen ein Außenskelett (Exoskelett) aus Chitin, das regelmäßig gehäutet werden muss, um zu wachsen. Die Häutung ist ein kritischer Vorgang, bei dem die Garnele besonders verwundbar ist. Die meisten Garnelenarten haben fünf Paar Schwimmbeine (Pleopoden) am Abdomen, an denen die Weibchen ihre Eier tragen. Die Färbung variiert je nach Art und Zuchtform von transparent über rot, blau, schwarz bis hin zu komplexen Streifenmustern.
Arten für das Aquarium
Zu den beliebtesten Garnelenarten in der Süßwasseraquaristik gehören:
- Amanogarnele (Caridina multidentata): Der Klassiker unter den Algenfressern, robust und pflegeleicht.
- Red Cherry Garnele (Neocaridina davidi): Die Einsteigergarnele schlechthin, in vielen Farbvarianten erhältlich.
- Crystal Red / Bienengarnele (Caridina cantonensis): Anspruchsvolle Zuchtformen mit beeindruckenden Farbmustern.
- Kardinalsgarnele (Caridina dennerli): Eine prachtvolle Sulawesi-Garnele mit hohen Ansprüchen an die Wasserwerte.
- Riesenfächergarnele (Atya gabonensis): Eine imposante Filtriergarnele, die in Strömung ihre Fächerhände ausbreitet.
- Großarmgarnele (Macrobrachium rosenbergii): Eine der größten Süßwassergarnelen, eher für erfahrene Halter.
Im Meerwasserbereich sind besonders die Putzergarnelen (Lysmata amboinensis) und Scherengarnelen beliebt, die eine faszinierende Symbiose mit Fischen eingehen.
Haltung im Aquarium
Die Haltung von Garnelen im Aquarium ist grundsätzlich unkompliziert, erfordert aber die Beachtung einiger wichtiger Punkte. Ein gut eingefahrenes Aquarium mit stabilen Wasserwerten ist die Grundvoraussetzung. Garnelen reagieren empfindlich auf Ammoniak, Nitrit und Schwermetalle – eine sorgfältige Wasseraufbereitung und regelmäßige Wasserwechsel sind daher unerlässlich.
Der Bodengrund sollte idealerweise feinkörnig sein und reichlich Aufwuchsflächen bieten. Moos, Javafarn, Anubias und andere Aufsitzerpflanzen eignen sich hervorragend als Bepflanzung und bieten gleichzeitig Versteckmöglichkeiten und Nahrungsquelle. Laub (z. B. Seemandelbaumblätter, Eichenlaub) dient als Dauerfutterquelle und fördert das Wachstum von Biofilmen, die von Garnelen abgeweidet werden.
Fütterung
Garnelen sind Allesfresser und ernähren sich in der Natur von Aufwuchs (Algen, Biofilme), abgestorbenen Pflanzenteilen, Detritus und gelegentlich auch von tierischer Kost wie toten Insekten oder Würmern. Im Aquarium solltest du eine abwechslungsreiche Ernährung anbieten, die pflanzliche und tierische Bestandteile enthält.
Spezielles Garnelenfutter in Form von Sticks, Pellets oder Pudding deckt den Grundbedarf. Ergänzend kannst du überbrühtes Gemüse (Spinat, Brennnessel, Zucchini), Laub, Frostfutter und gelegentlich Proteinfutter anbieten. Wichtig ist, nicht zu viel zu füttern – Garnelen finden in einem gut eingefahrenen Becken oft ausreichend Nahrung durch Aufwuchs und Biofilme.
Zucht
Viele Garnelenarten lassen sich im Aquarium gut züchten. Bei den meisten Süßwassergarnelen trägt das Weibchen die befruchteten Eier unter dem Hinterleib, bis die Jungtiere schlüpfen. Man unterscheidet zwischen dem spezialisierten und dem primitiven Fortpflanzungstyp: Beim spezialisierten Typ (z. B. Neocaridina, Caridina cantonensis) schlüpfen voll entwickelte Junggarnelen, die sofort wie kleine Erwachsene leben. Beim primitiven Typ (z. B. Amanogarnelen) schlüpfen zunächst Larven, die für ihre Entwicklung Brackwasser benötigen.
Für eine erfolgreiche Zucht sind stabile Wasserwerte, ausreichend Futter und Versteckmöglichkeiten für die Jungtiere wichtig. Moos und feinfiedrige Pflanzen bieten den kleinen Garnelen Schutz und Nahrung in Form von Mikroorganismen.
Wasserwerte
Die optimalen Wasserwerte variieren je nach Garnelenart erheblich. Neocaridina-Arten sind relativ tolerant und kommen mit einem pH-Wert von 6,5–8,0 und einer Gesamthärte von 6–20 °dGH gut zurecht. Caridina-Arten wie Bienengarnelen bevorzugen dagegen weiches, leicht saures Wasser (pH 5,5–7,0, GH 0–6 °dGH). Sulawesi-Garnelen wie die Kardinalsgarnele benötigen hartes, alkalisches Wasser (pH 7,5–8,5).
Grundsätzlich gilt für alle Garnelen: Stabilität der Wasserwerte ist wichtiger als exakte Zielwerte. Schwankungen, besonders beim pH-Wert und der Temperatur, können Stress und Häutungsprobleme verursachen. Kupfer ist für Garnelen hochgiftig – achte darauf, dass Wasseraufbereiter und Medikamente kupferfrei sind.
Quellen
- Werner Klotz & Andreas Karge (2013): Süßwassergarnelen aus aller Welt. Dähne Verlag.
- Chris Lukhaup & Reinhard Pekny (2010): Garnelen, Krebse und Krabben im Süßwasseraquarium. Dähne Verlag.
- Crustaceology – sciencedirect.com
- IUCN Red List of Threatened Species – iucnredlist.org
