Voraussetzungen für die Zucht
Erfolgreiche Garnelenzucht beginnt mit optimalen Haltungsbedingungen. Ein gut eingefahrenes, stabiles Becken mit artgerechten Wasserwerten und einer ausgewogenen Ernährung bildet die Grundlage. Die Garnelen müssen sich wohlfühlen und stressfrei leben – nur dann setzen sie regelmäßig Nachwuchs an.
Starte mit einer ausreichend großen Gruppe von mindestens 10–15 Tieren, um ein günstiges Geschlechterverhältnis sicherzustellen. In der Regel lassen sich männliche und weibliche Garnelen anhand von Größe und Körperform unterscheiden: Weibchen sind größer, fülliger und haben einen gerundeten Hinterleib. Bei guten Bedingungen tragen die Weibchen fast permanent Eier.
Fortpflanzungstypen
Bei Garnelen unterscheidet man zwei Fortpflanzungstypen: Beim spezialisierten Typ (z. B. Neocaridina, Bienengarnelen) schlüpfen aus den relativ wenigen, großen Eiern voll entwickelte Junggarnelen. Diese sind sofort selbstständig und können im selben Becken wie die Elterntiere aufwachsen. Die Aufzucht ist vergleichsweise einfach.
Beim primitiven Typ (z. B. Amano-Garnelen, Fächergarnelen) schlüpfen aus vielen kleinen Eiern zunächst planktonische Larven, die für ihre Entwicklung Brackwasser oder Meerwasser benötigen. Die Aufzucht dieser Larven ist deutlich anspruchsvoller und gelingt nur erfahrenen Züchtern mit spezieller Ausrüstung.
Das Zuchtbecken einrichten
Ein reines Zuchtbecken für Garnelen muss nicht groß sein – 20–30 Liter genügen für die meisten Zwerggarnelen. Wichtig ist eine dichte Bepflanzung mit Moos und feinfiedrigen Pflanzen, die den Jungtieren Schutz und Nahrung bieten. Ein Schwammfilter ist die sicherste Filtervariante, da er keine Jungtiere einsaugt.
Verzichte auf Fische und andere potenzielle Fressfeinde im Zuchtbecken. Auch große Garnelen anderer Arten oder aggressive Schnecken können den Nachwuchs gefährden. Getrocknete Blätter am Boden fördern die Biofilmbildung und bieten den winzigen Jungtieren eine ideale Nahrungsquelle in den ersten Lebenswochen.
Eitragende Weibchen pflegen
Eitragende Weibchen erkennst du an der deutlich sichtbaren Eimasse unter dem Hinterleib. Die Eier werden durch regelmäßiges Fächeln mit den Schwimmbeinen mit frischem Wasser versorgt. Die Tragzeit beträgt je nach Art und Temperatur 3–6 Wochen. Während dieser Zeit solltest du das Weibchen nicht unnötig stressen.
Vermeide große Wasserwechsel und Umgestaltungen im Becken, solange Weibchen Eier tragen. Plötzliche Parameteränderungen können dazu führen, dass die Weibchen ihre Eier abwerfen (Eierverlust). Sorge für eine stressfreie Umgebung mit ausreichend Versteckmöglichkeiten und einer ausgewogenen Ernährung, die reich an Mineralien und Proteinen ist.
Jungtiere aufziehen
Frisch geschlüpfte Zwerggarnelen sind winzig (1–2 mm) und ernähren sich in den ersten Wochen ausschließlich von Aufwuchs und Biofilmen. In einem gut eingefahrenen Becken mit viel Moos und Laub finden sie ausreichend Nahrung. Spezielles Staubfutter oder zerriebenes Garnelenfutter kann ergänzend angeboten werden.
Die Jungtiere wachsen langsam und häuten sich in den ersten Wochen häufig. Stabile Wasserwerte und ein ausreichendes Mineralienangebot sind in dieser Phase besonders wichtig. Vermeide Überbesatz – wenn die Population zu groß wird, gib überzählige Tiere an andere Aquarianer ab oder tausche sie im Fachhandel.
Selektion und Zuchtlinien
Für die Zucht hochwertiger Farbvarianten ist eine gezielte Selektion unerlässlich. Sortiere regelmäßig Tiere mit minderwertiger Färbung aus und setze nur die besten Exemplare zur Zucht ein. Dokumentiere deine Zuchtlinien und tausche regelmäßig Zuchttiere mit anderen Züchtern, um Inzuchtdepression zu vermeiden.
Die Farbvererbung bei Garnelen folgt oft komplexen genetischen Mustern. Bei der Kreuzung verschiedener Farbformen können unerwartete Ergebnisse auftreten. Spezialisiere dich auf eine Farbform und arbeite konsequent an der Verbesserung der Farbqualität. Mit Geduld und sorgfältiger Selektion kannst du über Generationen hinweg beeindruckende Zuchterfolge erzielen.
Quellen
- Werner Klotz & Andreas Karge (2013): Süßwassergarnelen aus aller Welt. Dähne Verlag.
- Lukhaup, C. & Pekny, R. (2010): Garnelen, Krebse und Krabben im Süßwasseraquarium. Dähne Verlag.
- Garnelenhaus: Garnelenzucht – garnelenhaus.de
