Kröten

Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans)

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Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans)

Bildquelle: zdenek_macat / shutterstock.com

Zusammenfassung

Die Geburtshelferkröte ist eine kleine, unscheinbare Kröte mit einem einzigartigen Fortpflanzungsverhalten: Das Männchen wickelt sich die Laichschnüre um die Hinterbeine und trägt sie bis zum Schlüpfen der Kaulquappen mit sich. Ihr glockenartiger Ruf ist in lauen Frühlingsnächten weit hörbar.

📚 Steckbrief – Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans)
Wissenschaftlicher NameAlytes obstetricans
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieScheibenzüngler (Alytidae)
GattungAlytes
Größe3,5–5 cm
Gewicht5–10 g
Lebenserwartung5–8 Jahre (in Gefangenschaft bis 10 Jahre)
VerbreitungWesteuropa (Spanien bis Deutschland und Schweiz)
LebensraumSteinige Hänge, Mauern, Steinbrüche, Gärten
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Die Geburtshelferkröte ist mit 3,5–5 cm eine der kleinsten europäischen Krötenarten. Der Körper ist gedrungen und plump mit relativ kurzen Beinen. Die Haut ist warzig und von graubrauner bis olivbrauner Farbe, oft mit kleinen, rötlichen Warzen besetzt. Die Unterseite ist hellgrau bis weißlich.

Die Augen sind groß und prominent mit vertikalen Pupillen – ein Merkmal, das sie von den echten Kröten (Bufonidae) unterscheidet. Hinter den Augen befinden sich keine auffälligen Parotiden. Ein Trommelfell ist sichtbar. Die Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden; die Männchen können jedoch während der Brutpflege an den um die Hinterbeine gewickelten Laichschnüren erkannt werden.

Verbreitung & Lebensraum

Die Geburtshelferkröte kommt in Westeuropa vor – von Portugal und Spanien über Frankreich bis in die Schweiz, nach Luxemburg, Belgien und ins westliche Deutschland (Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Baden-Württemberg). In Deutschland liegt die östliche Verbreitungsgrenze.

Bevorzugte Lebensräume sind sonnenexponierte, steinige Habitate mit vielen Spalten und Versteckmöglichkeiten: Steinbrüche, Trockenmauern, Böschungen, Burgruinen und sonnige Gärten. Die Art kommt auch in Dörfern und Städten vor, wo alte Mauern und Kellerwände besiedelt werden. Zur Fortpflanzung werden kleine, saubere Gewässer in der Nähe des Landlebensraums benötigt.

Lebensweise & Verhalten

Die Geburtshelferkröte ist dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber versteckt sie sich in Mauerspalten, unter Steinen oder in selbst gegrabenen Höhlen. Sie ist relativ standorttreu und nutzt dieselben Verstecke über lange Zeiträume.

Besonders auffällig ist der melodische Ruf der Männchen – ein einzelner, klarer, glockenhafter Ton „üüh", der alle 1–2 Sekunden wiederholt wird. Dieser Ruf ist in ruhigen Nächten bis zu 300 m weit hörbar und wird oft mit einer Glocke oder einer Unke verwechselt. Die Überwinterung findet in frostfreien Spalten und Höhlen statt.

Ernährung

Die Geburtshelferkröte ernährt sich von Ameisen, kleinen Käfern, Spinnen, Asseln und Schnecken. Aufgrund ihrer geringen Größe frisst sie überwiegend kleine Wirbellose. Die Nahrungssuche findet nachts in der Nähe der Tagesverstecke statt.

Kaulquappen ernähren sich von Algen und Detritus im Wasser. Da die Larvenentwicklung lange dauern kann (mehrere Monate bis über ein Jahr), werden die Kaulquappen relativ groß.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung der Geburtshelferkröte ist einzigartig unter den europäischen Amphibien. Die Paarung findet an Land statt (März–August). Das Männchen umklammert das Weibchen und befruchtet die Eier, während sie gelegt werden. Anschließend wickelt sich das Männchen die Laichschnüre (20–80 Eier) um die Hinterbeine.

Das Männchen trägt die Eier 3–8 Wochen mit sich und hält sie dabei feucht, indem es feuchte Verstecke aufsucht oder sich in Taunächten ins Freie begibt. Wenn die Kaulquappen schlüpfbereit sind, sucht das Männchen ein Gewässer auf und setzt die Larven ab. Die Kaulquappen entwickeln sich im Wasser über mehrere Monate – manchmal überwintern sie als Larven und metamorphosieren erst im folgenden Frühjahr.

Haltung im Terrarium

Die Geburtshelferkröte ist in Deutschland streng geschützt (Anhang IV der FFH-Richtlinie). Eine Haltung ist nur mit legal erworbenen Nachzuchten und entsprechender Genehmigung möglich.

Für die Haltung eignet sich ein Terrarium ab 60 × 30 × 40 cm mit einer strukturreichen Einrichtung: Steinaufbauten mit Spalten, eine dünne Erdschicht und ein kleines Wasserbecken. Die Temperaturen sollten bei 18–22 °C liegen. Das faszinierende Brutpflegeverhalten der Männchen kann im Terrarium gut beobachtet werden.

Gefährdung & Schutzstatus

Die Geburtshelferkröte ist in Deutschland auf der Roten Liste als „gefährdet" (Kategorie 3) eingestuft. Ihre Bestände gehen durch den Verlust geeigneter Lebensräume zurück: Mauern werden saniert und verfugt, Steinbrüche rekultiviert, Kleingewässer verfüllt.

Eine besondere Bedrohung stellt der Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) dar, für den die Geburtshelferkröte besonders anfällig ist. In Spanien und Frankreich hat der Pilz bereits zu dramatischen Populationseinbrüchen geführt. Schutzmaßnahmen umfassen den Erhalt von Trockenmauern, die Offenhaltung von Steinbrüchen und die Neuanlage kleiner Laichgewässer.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Alytes obstetricans – amphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Alytes obstetricans – www.iucnredlist.org
  3. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
  4. Bundesamt für Naturschutz: Geburtshelferkröte – www.bfn.de

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