Fische (Salzwasser)

Geisterpfeifenfisch (Solenostomus paradoxus)

4 Min. Lesezeit
Geisterpfeifenfisch (Solenostomus paradoxus)

Bildquelle: Francesco_Ricciardi / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Geisterpfeifenfisch ist ein Meister der Tarnung und gehört zu den faszinierendsten Bewohnern tropischer Riffe. Mit seiner außergewöhnlichen Fähigkeit, Algen, Seegras oder Federsterne nachzuahmen, ist er im natürlichen Lebensraum nahezu unsichtbar. Die Haltung in Aquarien ist extrem anspruchsvoll.

Der Geisterpfeifenfisch ist ein Meister der Tarnung und gehört zu den faszinierendsten Bewohnern tropischer Riffe. Mit seiner außergewöhnlichen Fähigkeit, Algen, Seegras oder Federsterne nachzuahmen, ist er im natürlichen Lebensraum nahezu unsichtbar. Die Haltung in Aquarien ist extrem anspruchsvoll.

Steckbrief: Geisterpfeifenfisch (Solenostomus paradoxus)
Wissenschaftlicher NameSolenostomus paradoxus
OrdnungSeenadelartige (Syngnathiformes)
FamilieGeisterpfeifenfische (Solenostomidae)
GattungSolenostomus
Größe8–12 cm
Gewicht2–5 g
Lebenserwartung1–2 Jahre
VerbreitungIndopazifik (Rotes Meer bis Fidschi)
LebensraumKorallenriffe, Seegraswiesen, Geröllzonen
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN
Aquariumab 200 Liter
Temperatur24–27 °C
Salinität1,023–1,026

Beschreibung & Aussehen

Der Geisterpfeifenfisch erreicht eine Größe von 8 bis 12 cm und besitzt einen langgestreckten, seitlich abgeflachten Körper mit einer röhrenförmigen Schnauze. Sein Aussehen ist atemberaubend variabel – die Färbung reicht von durchsichtig über rot, gelb, braun bis hin zu schwarz und ist perfekt an den jeweiligen Lebensraum angepasst. Hautanhängsel und Fransen imitieren Algen, Korallen oder Federsterne.

Anders als bei den verwandten Seenadeln und Seepferdchen trägt beim Geisterpfeifenfisch das Weibchen die Eier in einer Bruttasche, die aus den modifizierten Bauchflossen gebildet wird. Die Tiere schweben meist kopfüber im Wasser und lassen sich sanft in der Strömung treiben, was ihre Tarnung als Pflanzenfragment oder Detritus perfektioniert.

Verbreitung & Lebensraum

Der Geisterpfeifenfisch kommt im gesamten Indopazifik vor, vom Roten Meer und der ostafrikanischen Küste über den Indischen Ozean bis nach Japan, Australien und Fidschi. Er bewohnt geschützte Riffbereiche in Tiefen von 3 bis 25 Metern.

Die Art lebt in enger Assoziation mit bestimmten Wirtsorganismen wie Federsternen, Gorgonien, Seegraswiesen oder Algenfeldern. Solenostomus paradoxus passt seine Färbung und sein Erscheinungsbild perfekt an den jeweiligen Wirt an, sodass er selbst für geübte Taucher schwer zu entdecken ist. Diese außerordentliche Mimikry ist eine der bemerkenswertesten Tarnstrategien im Tierreich.

Lebensweise & Verhalten

Geisterpfeifenfische sind ruhige, langsam schwimmende Tiere, die sich kopfüber in der Wassersäule treiben lassen. Sie leben meist paarweise und bleiben ihrem Standort über Wochen treu. Ihre Bewegungen sind minimal und bewusst – sie wiegen sich sanft in der Strömung und imitieren damit ein treibendes Pflanzenteil.

Die Tiere sind tagaktiv und verbringen ihre Zeit mit der Jagd auf winzige Krebstiere und Plankton. Bei Bedrohung erstarren sie in ihrer Position und vertrauen vollständig auf ihre Tarnung. Geisterpfeifenfische gelten als relativ kurzlebig und erreichen in der Natur vermutlich nur ein Alter von ein bis zwei Jahren.

Ernährung

Der Geisterpfeifenfisch ernährt sich von winzigen Krebstieren, Mysidacea und anderen Zooplanktonorganismen. Er saugt seine Beute blitzschnell mit seiner röhrenförmigen Schnauze ein, wobei er die typische Saugtechnik der Seenadelartigen nutzt.

Die Ernährung im Aquarium ist eine der größten Herausforderungen bei der Haltung dieser Art. Du benötigst lebende Kleinkrebse wie Copepoden und Mysis in großer Menge, da die Tiere gefrorenes oder trockenes Futter in der Regel verweigern. Eine konstante Versorgung mit geeignetem Lebendfutter ist für das Überleben im Aquarium unerlässlich.

Fortpflanzung

Beim Geisterpfeifenfisch übernimmt das Weibchen die Brutpflege – eine Umkehrung im Vergleich zu den verwandten Seepferdchen und Seenadeln. Das Weibchen bildet aus seinen vergrößerten Bauchflossen eine Bruttasche, in der die Eier nach der Befruchtung durch das Männchen getragen und bebrütet werden.

Die Jungtiere schlüpfen als winzige, planktonische Larven und treiben im Freiwasser, bis sie groß genug sind, um sich am Riff niederzulassen. Die Zucht in Aquarien ist bisher nicht gelungen. Auch die genauen Details der Fortpflanzungsbiologie sind noch nicht vollständig erforscht, da die Tiere in der Natur so schwer zu finden und zu beobachten sind.

Haltung im Aquarium

Die Haltung des Geisterpfeifenfischs ist nur etwas für absolute Spezialisten und gilt als eine der anspruchsvollsten Herausforderungen in der Meerwasseraquaristik. Ein Aquarium ab 200 Litern mit sehr ruhiger Strömung und geeigneten Wirtorganismen wie Federsternen oder Gorgonien ist Voraussetzung.

Die Wassertemperatur sollte zwischen 24 und 27 °C liegen, die Salinität bei 1,023–1,026. Das größte Problem ist die Ernährung – ohne eine konstante Versorgung mit lebenden Kleinkrebsen verhungern die Tiere. Aggressive oder schnelle Mitbewohner sind ungeeignet, da sie den langsamen Geisterpfeifenfisch beim Fressen verdrängen und stressen.

Aufgrund der extremen Haltungsanforderungen und der kurzen Lebenserwartung ist von der Haltung in den meisten Fällen abzuraten. Diese faszinierenden Tiere sind in der Natur am besten aufgehoben und beim Tauchen ein unvergessliches Erlebnis.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Geisterpfeifenfisch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Allerdings sind verlässliche Bestandsdaten aufgrund der außerordentlichen Tarnung und der schweren Auffindbarkeit kaum verfügbar.

Die größten Bedrohungen sind der Verlust von Korallenriffen durch Klimawandel und die Zerstörung von Seegraswiesen. Für den Aquarienhandel werden die Tiere gelegentlich gefangen, jedoch aufgrund der geringen Nachfrage und schwierigen Haltung in deutlich kleineren Stückzahlen als andere Meerwasserfische.

Quellen

  1. FishBase: Solenostomus paradoxusfishbase.se
  2. IUCN Red List: Solenostomus paradoxusiucnredlist.org
  3. Kuiter, R.H. (2009): Seahorses and their Relatives. Aquatic Photographics.
  4. Debelius, H. (2001): Fische im Indischen Ozean. IKAN-Unterwasserarchiv.

Hat dir dieser Artikel geholfen?

Weitere Ratgeber entdecken