Der Gelbkopf-Schlangenaal ist ein faszinierender Röhrenaal, der in großen Kolonien aus dem Sandboden ragt und im Strom nach Plankton fischt. Mit seinem gelblichen Kopf und dem schlanken Körper ist er ein beliebtes Motiv für Unterwasserfotografen und ein anspruchsvoller, aber lohnender Aquarienbewohner.
| Wissenschaftlicher Name | Gorgasia sillneri |
| Ordnung | Aalartige (Anguilliformes) |
| Familie | Meeraale (Congridae) |
| Gattung | Gorgasia |
| Größe | 30–40 cm |
| Lebenserwartung | 5–10 Jahre |
| Verbreitung | Indopazifik (Rotes Meer, Ostafrika bis Westpazifik) |
| Lebensraum | Salzwasser – sandige Böden in der Nähe von Korallenriffen |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 300 Liter (Meerwasser) |
| Temperatur | 24–27 °C |
| Salinität | 1,023–1,026 |
Beschreibung & Aussehen
Der Gelbkopf-Schlangenaal erreicht eine Körperlänge von 30–40 cm und besitzt einen extrem schlanken, zylindrischen Körperbau. Der Kopf ist namensgebend gelblich bis orangefarben, während der restliche Körper grau bis bräunlich gefärbt ist, oft mit feinen dunklen Punkten oder Flecken.
Die Augen sind relativ groß und die Kiemenöffnungen klein, was typisch für Röhrenaale ist. Der Körper wird zur Schwanzspitze hin immer dünner und endet in einem verhärteten, spitzen Schwanz, der zum Eingraben in den Sand dient. Die Geschlechter sind äußerlich schwer zu unterscheiden. Im Vergleich zum bekannteren Gefleckten Röhrenaal (Heteroconger hassi) ist er weniger auffällig gemustert.
Verbreitung & Lebensraum
Der Gelbkopf-Schlangenaal ist im Indopazifik verbreitet, vom Roten Meer und der Ostküste Afrikas über den Indischen Ozean bis in den westlichen Pazifik. Er bewohnt sandige Böden in der Nähe von Korallenriffen in Tiefen von 5–45 Metern.
Die Tiere leben in großen Kolonien, die aus dutzenden bis hunderten Individuen bestehen können, die dicht nebeneinander aus ihren selbstgegrabenen Sandröhren herausragen. Die Kolonien befinden sich meist in strömungsexponierten Bereichen, wo genügend Plankton vorbeigetrieben wird. Jedes Tier bewohnt eine eigene, permanente Röhre im Sand.
Lebensweise & Verhalten
Der Gelbkopf-Schlangenaal lebt in seiner Sandröhre, aus der er den vorderen Körperteil herausstreckt, um im Strom nach Zooplankton zu fischen. Bei Gefahr zieht er sich blitzschnell in seine Röhre zurück – ein Verhalten, das Taucher regelmäßig beobachten können, da die gesamte Kolonie synchron in den Sand verschwindet.
Die Tiere sind tagaktiv und verlassen ihre Röhren nie vollständig. Sie wiegen im Rhythmus der Strömung hin und her, was einer großen Kolonie ein faszinierendes, wellenartiges Erscheinungsbild verleiht. Die Kommunikation innerhalb der Kolonie erfolgt vermutlich über visuelle Signale. Benachbarte Tiere interagieren gelegentlich mit Kopfbewegungen und leichten Körperkontakten.
Ernährung
Der Gelbkopf-Schlangenaal ernährt sich von Zooplankton, das von der Strömung an seiner Röhre vorbeigetrieben wird. Er schnappt einzelne Planktonorganismen aus dem Wasserstrom, wobei er seinen Körper elegant in der Strömung ausrichtet. Hauptnahrung sind kleine Krebstiere, Fischlarven und andere Planktonorganismen.
Im Aquarium stellt die Fütterung eine Herausforderung dar, da die Tiere nur vorbeitreibendes Futter annehmen. Fein zerriebenes Frostfutter wie Mysis und Artemia, das mit einer Strömungspumpe am Tier vorbeigetrieben wird, eignet sich am besten. Mehrere kleine Fütterungen pro Tag sind notwendig, da die Tiere nur geringe Mengen auf einmal aufnehmen.
Fortpflanzung
Über die Fortpflanzung des Gelbkopf-Schlangenaals ist in freier Natur nur wenig bekannt. Es wird angenommen, dass benachbarte Tiere innerhalb der Kolonie ablaichen, wobei die Eier und Spermien ins freie Wasser abgegeben werden. Die Larvenphase ist pelagisch und dauert vermutlich mehrere Wochen.
Eine Zucht im Aquarium ist bisher nicht gelungen. Die komplexen Anforderungen an Koloniestruktur, Sandtiefe und Strömungsverhältnisse machen eine Nachzucht extrem schwierig. Alle im Handel erhältlichen Exemplare stammen aus Wildfängen.
Haltung im Aquarium
Für den Gelbkopf-Schlangenaal benötigst du ein Meerwasseraquarium ab 300 Litern mit einer sehr tiefen Sandschicht von mindestens 15–20 cm feinem Korallensand. Diese Sandtiefe ist essenziell, damit die Tiere ihre Röhren anlegen können. Eine moderate bis starke Strömung ist notwendig, um Plankton an den Aalen vorbeizuführen.
Halte die Tiere idealerweise in einer kleinen Gruppe von mindestens 3–5 Exemplaren, da sie in der Natur koloniebildend leben. Die Salinität sollte bei 1,023–1,026 liegen, die Temperatur bei 24–27 °C. Die Vergesellschaftung mit ruhigen, nicht zu aktiven Riffbewohnern ist möglich. Aggressive oder hektische Fische können die scheuen Röhrenaale stressen, sodass sie ihre Röhren nicht mehr verlassen.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Gelbkopf-Schlangenaal wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist im Indopazifik weit verbreitet und die Bestände gelten als stabil. Der Fang für die Aquaristik erfolgt in geringem Umfang und stellt keine nennenswerte Bedrohung dar.
Die Kolonien profitieren von intakten Korallenriffen mit gesunden Sandbereichen. Klimawandel und Riffzerstörung könnten langfristig den Lebensraum beeinträchtigen. In Meeresschutzgebieten sind die Kolonien oft geschützt und dienen als beliebte Tauchattraktionen.
Quellen
- FishBase: Gorgasia sillneri – fishbase.se
- IUCN Red List: Gorgasia sillneri – iucnredlist.org
- Debelius, H. & Kuiter, R. H. (2007): Atlas der Meeresfische. Kosmos Verlag.
- Smith, D. G. (1989): Order Anguilliformes. In: Fishes of the Western North Atlantic. Sears Foundation for Marine Research.
