Der Gemeine Steinfisch ist der giftigste Fisch der Welt. Seine perfekte Tarnung als algenbewachsener Stein macht ihn nahezu unsichtbar auf dem Meeresboden. Die 13 Rückenflossenstacheln enthalten ein hochwirksames Gift, das beim Menschen extreme Schmerzen und potenziell lebensbedrohliche Reaktionen auslösen kann.
| Wissenschaftlicher Name | Synanceia verrucosa |
| Ordnung | Barschartige (Perciformes) |
| Familie | Steinfische (Synanceiidae) |
| Gattung | Synanceia |
| Größe | 30–40 cm |
| Gewicht | 1–2,5 kg |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Indopazifik (Rotes Meer bis Französisch-Polynesien) |
| Lebensraum | Korallenriffe, Felsriffe, Sandböden, Geröll |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 500 Liter |
| Temperatur | 24–27 °C |
| Salinität | 1,023–1,026 |
Beschreibung & Aussehen
Der Gemeine Steinfisch erreicht eine Länge von 30 bis 40 cm und besitzt einen plumpen, unregelmäßig geformten Körper, der einem algenbewachsenen Stein täuschend ähnlich sieht. Die Haut ist mit warzigen Auswüchsen, Hautlappen und Algenbewuchs bedeckt, die die Tarnung perfektionieren. Die Färbung variiert von graubraun über grün bis rötlich und passt sich dem Untergrund an.
Das markanteste und gefährlichste Merkmal sind die 13 kräftigen Rückenflossenstacheln, die jeweils mit Giftdrüsen ausgestattet sind. Das Gift des Steinfischs gehört zu den stärksten im gesamten Tierreich und kann beim Menschen extreme Schmerzen, Gewebezerstörung, Herz-Kreislauf-Probleme und im schlimmsten Fall den Tod verursachen. Die Augen sind klein und nach oben gerichtet, das Maul ist groß und oberständig – eine Anpassung an die Lauerjagtechnik.
Verbreitung & Lebensraum
Der Gemeine Steinfisch ist im gesamten Indopazifik verbreitet, vom Roten Meer und der ostafrikanischen Küste über den Indischen Ozean bis nach Australien, Japan und Französisch-Polynesien. Er ist einer der am weitesten verbreiteten Steinfische.
Synanceia verrucosa bewohnt flache Küstengewässer, Korallenriffe, Fels- und Geröllböden sowie Sandflats in Tiefen von 0 bis 30 Metern. Er bevorzugt Bereiche, wo er sich perfekt tarnen und auf Beute lauern kann. Häufig liegt er halb eingegraben im Sand oder zwischen Korallenschutt. Die Art kommt auch in Flussmündungen und Mangrovenbereichen vor.
Lebensweise & Verhalten
Der Steinfisch ist ein extrem träger Lauerjäger, der oft stunden- oder tagelang regungslos am Meeresboden liegt. Seine Tarnung ist so perfekt, dass selbst erfahrene Taucher ihn kaum entdecken können. Er wartet geduldig, bis ein kleiner Fisch oder Krebs in Reichweite seiner blitzschnellen Saugmaul-Attacke kommt.
Das Zuschlagen erfolgt in Bruchteilen einer Sekunde – der Steinfisch gehört zu den schnellsten Fressern im Tierreich. Der Angriff dauert nur etwa 15 Millisekunden. Trotz seiner Bewegungsarmut kann der Steinfisch bei Bedarf schnell schwimmen. Die Giftigkeit dient ausschließlich der Verteidigung – der Fisch injiziert sein Gift nur, wenn er getreten oder berührt wird. Die meisten Unfälle passieren an flachen Stränden.
Ernährung
Der Gemeine Steinfisch ernährt sich als Lauerjäger hauptsächlich von kleinen Fischen und Garnelen, die arglos in seine Reichweite schwimmen. Sein riesiges, oberständiges Maul erzeugt beim Öffnen einen starken Sog, der die Beute regelrecht einsaugt. Der gesamte Fressvorgang ist in weniger als einer fünfzigstel Sekunde abgeschlossen.
Im Aquarium kann die Ernährung herausfordernd sein, da viele Exemplare nur auf Lebendfutter reagieren. Kleine lebende Fische und Garnelen werden akzeptiert. Mit Geduld können manche Tiere an totes Futter wie Fischstreifen oder Garnelen gewöhnt werden, die mit einer Pinzette vor dem Maul bewegt werden, um die Beutetier-Illusion zu erzeugen.
Fortpflanzung
Über die Fortpflanzung des Steinfischs in der Natur ist relativ wenig bekannt. Die Weibchen produzieren große Mengen an Eiern, die als gallertartige Masse auf dem Substrat abgelegt werden. Die Eier sind in eine gelatinöse Matrix eingebettet, die sie vor Fressfeinden und Umwelteinflüssen schützt.
Die Larven schlüpfen nach einigen Tagen und durchlaufen eine planktonische Phase. Die Zucht in Gefangenschaft ist bisher selten gelungen und erfordert spezielle Bedingungen. Steinfische wachsen relativ langsam und erreichen die Geschlechtsreife erst nach mehreren Jahren.
Haltung im Aquarium
Die Haltung des Steinfischs ist ausschließlich etwas für erfahrene Spezialisten mit entsprechender Vorsicht. Ein Aquarium ab 500 Litern mit einem sandigen Bodengrund und Steinen, auf denen der Fisch ruhen kann, ist erforderlich. Die Einrichtung sollte Versteckmöglichkeiten bieten, aber auch ausreichend freien Boden zum Lauerverhalten.
Die Wassertemperatur sollte zwischen 24 und 27 °C liegen, die Salinität bei 1,023–1,026. Der Steinfisch ist nicht riffkompatibel, da er alle Fische und Krebstiere frisst, die in sein Maul passen. Die Vergesellschaftung ist nur mit deutlich größeren, robusten Fischen möglich.
ACHTUNG: Die Haltung eines Steinfischs birgt erhebliche Gefahren! Niemals mit bloßen Händen im Becken hantieren. Die Giftigkeit der Rückenflossenstacheln ist potenziell lebensbedrohlich. Bei einem Stich sofort einen Arzt aufsuchen. Die Haltung ist in manchen Ländern genehmigungspflichtig oder eingeschränkt.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Gemeine Steinfisch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist im Indopazifik weit verbreitet und die Bestände gelten als stabil. Aufgrund seiner perfekten Tarnung und der geringen wirtschaftlichen Bedeutung ist der Fischereidruck gering.
Die Hauptbedrohungen bestehen im Verlust von Küstenhabitaten und der Zerstörung von Korallenriffen durch Klimawandel und menschliche Eingriffe. In einigen Regionen wird der Steinfisch als Delikatesse verzehrt – das Gift wird durch Erhitzen vollständig zerstört. Für den Aquarienhandel wird die Art nur in geringen Stückzahlen gefangen.
Quellen
- FishBase: Synanceia verrucosa – fishbase.se
- IUCN Red List: Synanceia verrucosa – iucnredlist.org
- Smith, W.L. & Wheeler, W.C. (2006): Venom evolution widespread in fishes. Journal of Heredity, 97(3), 206–217.
- Debelius, H. & Kuiter, R.H. (2007): Atlas der Meeresfische. Kosmos Verlag.
- Meerwasser-Lexikon: Synanceia verrucosa – meerwasser-lexikon.de
