Frösche

Glasfrosch (Centrolenidae)

4 Min. Lesezeit
Glasfrosch (Centrolenidae)

Bildquelle: Milan Zygmunt / shutterstock.com

Zusammenfassung

Glasfrösche sind eine faszinierende Familie tropischer Frösche, deren Bauchseite teilweise durchsichtig ist – man kann die inneren Organe, das Herz und die Eier durch die Haut hindurch sehen. Diese Transparenz dient als Tarnstrategie. Die Familie umfasst über 160 Arten, die vorwiegend in den Bergwäldern Mittel- und Südamerikas leben.

Glasfrösche sind eine faszinierende Familie tropischer Frösche, deren Bauchseite teilweise durchsichtig ist – man kann die inneren Organe, das Herz und die Eier durch die Haut hindurch sehen. Diese Transparenz dient als Tarnstrategie. Die Familie umfasst über 160 Arten, die vorwiegend in den Bergwäldern Mittel- und Südamerikas leben.

Steckbrief: Glasfrosch (Centrolenidae)
Wissenschaftlicher NameCentrolenidae
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieGlasfrösche (Centrolenidae)
GattungDiverse (Centrolene, Cochranella, Hyalinobatrachium u. a.)
Größe2–8 cm
Gewicht2–15 g
Lebenserwartung5–14 Jahre
VerbreitungMittel- und Südamerika (Mexiko bis Bolivien)
LebensraumTropische Berg- und Nebelwälder, Bachufer
SchutzstatusVariiert je nach Art (LC bis CR) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Glasfrösche sind kleine bis mittelgroße Frösche (2–8 cm), deren auffälligstes Merkmal die teilweise transparente Haut auf der Bauchseite ist. Bei vielen Arten kannst du durch die Haut das schlagende Herz, die Leber, den Verdauungstrakt und bei trächtigen Weibchen sogar die Eier erkennen. Die Oberseite ist dagegen meist leuchtend grün gefärbt, manchmal mit kleinen gelben oder weißen Punkten.

Die Transparenz entsteht durch eine Kombination aus pigmentfreien Hautzellen und der Fähigkeit, rote Blutkörperchen in der Leber zu speichern, wodurch die Adern nahezu unsichtbar werden. Glasfrösche besitzen nach vorne gerichtete Augen – einzigartig unter den Fröschen – was ihnen ein räumliches Sehen ermöglicht. Die Finger und Zehen enden in kleinen Haftscheiben, die das Klettern auf Blättern erleichtern.

Verbreitung & Lebensraum

Glasfrösche sind von Südmexiko über ganz Mittelamerika bis nach Bolivien und Südostbrasilien verbreitet. Die größte Artenvielfalt findet sich in den Nebelwäldern der Anden, besonders in Ecuador, Kolumbien und Peru. Sie kommen in Höhenlagen von Meeresniveau bis über 3.500 m vor.

Die meisten Arten bewohnen feuchte Berg- und Nebelwälder, wo sie an Bächen und kleinen Flüssen leben. Sie sind an die Vegetation über und neben fließenden Gewässern gebunden, da sie ihre Eier auf Blätter über dem Wasser ablegen. Die Kaulquappen fallen nach dem Schlüpfen ins Wasser und entwickeln sich dort. Einige Arten kommen auch in Tieflandregenwäldern vor.

Lebensweise & Verhalten

Glasfrösche sind nachtaktiv und verbringen den Tag regungslos auf Blattunterseiten, wo ihre grüne Oberseite und die transparente Unterseite eine nahezu perfekte Tarnung bieten. Die Transparenz löst die Körperkonturen auf und macht den Frosch auf dem Blatt fast unsichtbar – ein Effekt, der als „Kanteneffekt-Tarnung" bezeichnet wird.

Nachts werden die Männchen aktiv und beziehen Rufplätze auf Blättern über Bächen. Ihre Rufe sind meist hohe, tickende oder piepsende Laute. Viele Arten zeigen ein ausgeprägtes Brutpflegeverhalten: Männchen bewachen die Eigelege auf Blättern und schützen sie vor Fressfeinden wie Wespen und Fliegen. Einige Arten befeuchten die Eier regelmäßig mit Wasser aus ihrer Blase.

Ernährung

Glasfrösche ernähren sich von einer Vielzahl kleiner Wirbelloser, die sie in der Nacht auf Blättern und Ästen erbeutet. Hauptbeute sind kleine Fliegen, Mücken, Ameisen, Springschwänze, Spinnen und Milben. Dank ihrer nach vorne gerichteten Augen verfügen sie über eine gute Tiefenwahrnehmung, die ihnen beim gezielten Beutefang hilft.

Die Kaulquappen leben im Wasser von Bergbächen und ernähren sich von Algen, Detritus und organischen Partikeln auf dem Bachgrund. Einige Arten haben hoch spezialisierte Kaulquappen, die sich in das Sediment des Bachbetts eingraben und sich dort von organischem Material ernähren.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung der Glasfrösche findet während der Regenzeit statt. Die Männchen rufen von Blättern über Fließgewässern und verteidigen ihre Rufplätze gegen Rivalen. Nach der Paarung legt das Weibchen 20–50 Eier in einem gallertartigen Klumpen auf der Blattoberseite oder Blattunterseite ab – stets über dem Wasser.

Bei vielen Arten betreibt das Männchen aktive Brutpflege: Es sitzt auf dem oder neben dem Gelege und verteidigt es gegen Eierräuber (vor allem parasitische Wespen und Fliegen). Nach 1–3 Wochen schlüpfen die Kaulquappen und fallen ins darunterliegende Gewässer. Die Kaulquappenentwicklung im Bach dauert je nach Art mehrere Monate. Die Metamorphose zum fertigen Frosch erfolgt an den Bachufern.

Haltung im Terrarium

Die Haltung von Glasfröschen ist anspruchsvoll und nur erfahrenen Terraristikern zu empfehlen. Du benötigst ein hohes Regenwaldterrarium (mindestens 45 × 45 × 60 cm für eine kleine Art) mit einer Rückwand aus Xaxim oder Kokosfasern, kleinen Bromelien, Moosen und einem fließenden Wasserbereich am Boden, der einen Bergbach simuliert.

Die Temperatur sollte tagsüber bei 20–24 °C liegen (Bergwaldarten), nachts bei 16–20 °C. Die Luftfeuchtigkeit muss konstant hoch sein (80–100 %), idealerweise mit einer Beregnungsanlage und einer Nebelmaschine. Gefüttert wird mit Fruchtfliegen, Springschwänzen und kleinen Ofenfischchen. Nur wenige Arten werden regelmäßig nachgezüchtet, und die Verfügbarkeit im Handel ist begrenzt.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Gefährdungsstatus der Glasfrösche variiert stark zwischen den einzelnen Arten. Während einige weit verbreitete Arten als „Least Concern" eingestuft werden, gelten zahlreiche Arten mit kleinen Verbreitungsgebieten als gefährdet bis vom Aussterben bedroht. Besonders betroffen sind Arten der Hochanden, die auf wenige Bergwälder beschränkt sind.

Die Hauptbedrohungen sind Lebensraumzerstörung durch Abholzung und Landwirtschaft, Klimawandel (der die empfindlichen Nebelwaldökosysteme verschiebt) und der Chytridpilz. Viele Arten wurden erst in den letzten Jahrzehnten beschrieben, und es ist wahrscheinlich, dass weitere unentdeckte Arten existieren. Der Schutz der tropischen Bergwälder ist entscheidend für das Überleben dieser einzigartigen Froschfamilie.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Centrolenidae – amphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Centrolenidae – iucnredlist.org
  3. Guayasamin, J. M. et al. (2009): Phylogenetic systematics of Glassfrogs with an emphasis on Centrolene. Zootaxa, 2100, 1–97.
  4. Delia, J. et al. (2017): Patterns of parental care in Neotropical glassfrogs. Journal of Evolutionary Biology, 30(5), 898–914.
  5. Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.

Hat dir dieser Artikel geholfen?

Weitere Ratgeber entdecken