Der Glaswels ist einer der faszinierendsten Süßwasserfische überhaupt – sein Körper ist fast vollständig transparent, sodass du Skelett und innere Organe mit bloßem Auge sehen kannst! Dieser friedliche Schwarmfisch aus Thailand ist ein einzigartiger Hingucker in jedem bepflanzten Aquarium.
| Wissenschaftlicher Name | Kryptopterus vitreolus |
| Ordnung | Welsartige (Siluriformes) |
| Familie | Echte Welse (Siluridae) |
| Gattung | Kryptopterus |
| Größe | 6–10 cm |
| Gewicht | 3–8 g |
| Lebenserwartung | 5–8 Jahre |
| Verbreitung | Thailand |
| Lebensraum | Süßwasser – langsam fließende Flüsse und Bäche |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 100 Liter |
| Temperatur | 24–28 °C |
| pH-Wert | 6.0–7.5 |
| Wasserhärte | 5–15 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Glaswels erreicht eine Körperlänge von 6–10 cm und besitzt einen seitlich abgeflachten, langgestreckten Körperbau. Sein spektakulärstes Merkmal ist die nahezu vollständige Transparenz seines Körpers – Haut und Muskulatur sind durchsichtig, sodass die Wirbelsäule, die inneren Organe und das silbrig schimmernde Peritoneum deutlich sichtbar sind.
Zwei lange Bartfäden ragen vom Oberkiefer nach vorne. Die Rückenflosse ist extrem klein und kaum sichtbar, während die Afterflosse lang und durchgehend ist. Bei seitlichem Lichteinfall schillert der Körper in einem zarten Regenbogenspektrum. Verendete Tiere verlieren sofort ihre Transparenz und werden milchig-weiß, was auf Veränderungen in der Struktur der Muskelzellen zurückzuführen ist.
Verbreitung & Lebensraum
Der Glaswels stammt aus Thailand, wo er in langsam fließenden Flüssen und Bächen mit klarem Wasser vorkommt. Lange Zeit wurde die Art mit dem größeren Kryptopterus bicirrhis verwechselt, bis sie 2013 als eigenständige Art K. vitreolus beschrieben wurde.
In seinem natürlichen Lebensraum bevorzugt er strömungsarme Bereiche mit dichter Vegetation, wo er sich in mittlerer Wassertiefe in kleinen Schwärmen aufhält. Die Gewässer sind typischerweise warm und leicht sauer bis neutral mit moderater Vegetation und sandigem bis schlammigem Grund.
Lebensweise & Verhalten
Der Glaswels ist ein friedlicher Schwarmfisch, den du unbedingt in Gruppen von mindestens 5–6, besser 8–10 Exemplaren halten solltest. Einzeln oder in zu kleinen Gruppen gehaltene Tiere sind extrem scheu, fressen schlecht und sterben häufig an Stress.
Im Schwarm halten die Tiere eng zusammen und schwimmen synchron in einer leichten Schräghaltung – typisch ist die Kopf-oben-Position im Wasser. Der Glaswels ist tagaktiv und hält sich bevorzugt im mittleren Wasserbereich auf, oft in der Nähe von Pflanzen oder unter Schwimmpflanzen. Bei Gefahr zieht sich der gesamte Schwarm blitzschnell in dicht bepflanzte Bereiche zurück.
Ernährung
Der Glaswels ernährt sich in der Natur von kleinen Wirbellosen, Zooplankton und Insektenlarven, die er aus dem Wasser schnappt. Im Aquarium akzeptiert er feines Flockenfutter und Mikrogranulat, bevorzugt aber deutlich Lebend- und Frostfutter.
Artemia, Daphnien, Cyclops und feine Mückenlarven werden besonders gerne angenommen. Der Glaswels frisst nur Futter, das im Wasser schwebt oder sinkt – vom Boden nimmt er in der Regel nichts auf. Füttere mehrmals täglich kleine Portionen, da die Tiere nur langsam fressen und scheue Neuzugänge sich anfangs schwertun können.
Fortpflanzung
Die Zucht des Glaswelses im Aquarium gelingt nur selten und gilt als schwierig. In der Natur laichen die Tiere vermutlich während der Regenzeit, wenn steigende Wasserstände und sinkende Temperaturen die Fortpflanzung auslösen.
Zur Stimulation der Zucht im Aquarium werden große, kühlere Wasserwechsel empfohlen, die den Beginn der Regenzeit simulieren. Die Eier werden an Pflanzen abgelegt und von den Eltern nicht weiter betreut. Erfolgreiche Nachzuchten wurden vereinzelt berichtet, sind aber die Ausnahme. Die meisten im Handel erhältlichen Tiere stammen aus Wildfängen.
Haltung im Aquarium
Für eine Gruppe Glaswelse benötigst du ein Aquarium ab 100 Litern mit dichter Bepflanzung, Schwimmpflanzen und gedämpftem Licht. Zu helles Licht macht die Tiere scheu und stresst sie. Eine sanfte Strömung wird toleriert, starke Strömung solltest du vermeiden.
Die Wassertemperatur sollte zwischen 24 und 28 °C liegen, der pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5. Der Glaswels ist empfindlicher als viele andere Aquarienfische und reagiert sensibel auf Wasserqualitätsprobleme – regelmäßige Wasserwechsel und eine gute Filterung sind daher besonders wichtig. Ideale Beifische sind andere friedliche, ruhige Arten wie Salmler, Bärblinge und Panzerwelse.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Glaswels wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Bestände in Thailand gelten als stabil, obwohl die Art für den Aquarienhandel gesammelt wird. Die Fangmengen werden als nachhaltig betrachtet.
Die erst 2013 erfolgte korrekte Artbeschreibung als K. vitreolus (zuvor mit K. bicirrhis verwechselt) hat zu einem besseren Verständnis der Verbreitung und Ökologie beigetragen. Fortschritte in der Nachzucht wären wünschenswert, um den Wildfangbedarf zu reduzieren und diese faszinierende Art langfristig in der Aquaristik zu erhalten.
Quellen
- FishBase: Kryptopterus vitreolus – fishbase.se
- Seriously Fish: Kryptopterus vitreolus – seriouslyfish.com
- Ng, H. H. & Kottelat, M. (2013): After eighty years of misidentification, a name for the glass catfish. Zootaxa, 3630(2), 308–316.
- IUCN Red List: Kryptopterus vitreolus – iucnredlist.org
- Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.
