Der Goldene Pfeilgiftfrosch ist das giftigste Wirbeltier der Erde. Ein einziger Frosch enthält genug Batrachotoxin, um theoretisch 10–20 Menschen zu töten. Die indigenen Emberá nutzen das Gift traditionell für ihre Blasrohrpfeile. Trotz seiner extremen Giftigkeit wird er in Gefangenschaft gezüchtet, wo Nachzuchttiere völlig ungiftig sind.
| Wissenschaftlicher Name | Phyllobates terribilis |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Dendrobatidae |
| Gattung | Phyllobates |
| Größe | 4–5,5 cm |
| Gewicht | 5–10 g |
| Lebenserwartung | 10–15+ Jahre |
| Verbreitung | Kolumbien (Chocó-Region, pazifisches Tiefland) |
| Lebensraum | Tropische Regenwälder des pazifischen Tieflands |
| Schutzstatus | Gefährdet (EN) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Goldene Pfeilgiftfrosch ist mit 4–5,5 cm der größte Vertreter der Gattung Phyllobates. Es existieren drei Farbvarianten: die häufigste ist leuchtend goldgelb (daher der Name), daneben gibt es mintgrüne und orangefarbene Populationen. Die gesamte Körperoberfläche ist einheitlich gefärbt – ohne Streifen, Flecken oder Muster.
Die Haut ist glatt und enthält in der Natur das stärkste bekannte nicht-proteinbasierte Gift: Batrachotoxin. Ein einzelner Frosch enthält durchschnittlich 1 mg dieses Alkaloids – genug, um 10–20 erwachsene Menschen oder etwa 10.000 Mäuse zu töten. Das Gift wirkt als Natriumkanal-Blocker und verursacht Herzstillstand. In Gefangenschaft gezüchtete Tiere sind jedoch völlig ungiftig, da das Batrachotoxin aus der Nahrung stammt.
Verbreitung & Lebensraum
Der Goldene Pfeilgiftfrosch kommt ausschließlich in einem kleinen Gebiet im pazifischen Tiefland Kolumbiens vor – in der Chocó-Region, im Departamento Cauca. Sein Verbreitungsgebiet umfasst weniger als 5.000 km² und liegt in Höhenlagen von 100 bis 200 m über dem Meeresspiegel.
Die Art bewohnt primäre tropische Regenwälder mit extrem hohen Niederschlägen (über 5.000 mm pro Jahr). Sie lebt auf dem Waldboden in feuchten, schattigen Bereichen mit dichtem Unterwuchs und reichlich Falllaub. Die Chocó-Region gehört zu den regenreichsten Orten der Erde und bietet ideale Bedingungen für diese feuchtigkeitsabhängige Art.
Lebensweise & Verhalten
Der Goldene Pfeilgiftfrosch ist tagaktiv und zeigt keinerlei Scheu vor potenziellen Fressfeinden – seine extreme Giftigkeit macht Furcht überflüssig. Er ist einer der wenigen Frösche, der aktiv auf dem Waldboden umherstreift, ohne sich zu tarnen oder zu verstecken. Die leuchtende Färbung dient als universelles Warnsignal.
Die Art lebt in kleinen Gruppen und zeigt ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Männchen sind territorial und verteidigen ihre Reviere mit lauten, trillernden Rufen gegen Rivalen. Interessanterweise ist der Frosch selbst gegen sein eigenes Gift immun – Mutationen in den Natriumkanälen seiner Nervenzellen verhindern, dass das Batrachotoxin an seine eigenen Rezeptoren bindet.
Ernährung
Der Goldene Pfeilgiftfrosch ernährt sich von kleinen Wirbellosen, hauptsächlich Ameisen, Käfern, Milben und Termiten. Die Quelle seines extremen Gifts wurde als Käfer der Familie Melyridae (Gattung Choresine) identifiziert, die Batrachotoxin-Vorstufen enthalten. Diese Käfer kommen nur in der Chocó-Region vor.
In der Terrarienhaltung werden die Frösche mit Fruchtfliegen, Springschwänzen und kleinen Grillen gefüttert. Da die toxischen Nahrungsquellen in Gefangenschaft nicht verfügbar sind, produzieren Nachzuchttiere keinerlei Gift. Eine regelmäßige Vitamin- und Mineralstoffergänzung der Futtertiere ist für die Gesundheit der Frösche wichtig.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung kann ganzjährig stattfinden, bevorzugt jedoch während der Regenzeit. Das Männchen lockt Weibchen mit einem melodischen, trillernden Ruf. Die Paarung findet an Land statt, und das Weibchen legt 15–30 Eier auf einer glatten Oberfläche (Blatt, Stein) ab.
Das Männchen betreibt intensive Brutpflege: Es bewacht die Eier und hält sie feucht. Nach dem Schlüpfen (ca. 14 Tage) transportiert es die Kaulquappen auf seinem Rücken zu kleinen Wasseransammlungen. Die Kaulquappen entwickeln sich über 60–90 Tage zu fertigen Fröschen. Jungtiere zeigen zunächst eine schwarze Färbung mit metallisch-goldenen Streifen und entwickeln die einheitliche Goldfärbung mit zunehmendem Alter.
Haltung im Terrarium
Trotz seiner extremen Giftigkeit in der Natur kann der Goldene Pfeilgiftfrosch als Nachzucht bedenkenlos gehalten werden, da er in Gefangenschaft kein Gift produziert. Ein Regenwaldterrarium ab 60 × 45 × 45 cm ist für ein Paar geeignet. Die Einrichtung umfasst Drainageschicht, tropisches Substrat, Moos, Bromelien, Wurzeln und ein Wasserbecken.
Die Temperatur sollte tagsüber bei 24–27 °C liegen, nachts bei 20–22 °C. Die Luftfeuchtigkeit muss bei 80–100 % gehalten werden. Die Art steht unter CITES-Schutz (Anhang II), und du solltest ausschließlich Nachzuchten aus seriösen Quellen erwerben. Der Goldene Pfeilgiftfrosch gilt als einer der robusteren Dendrobaten und eignet sich für fortgeschrittene Halter.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Goldene Pfeilgiftfrosch wird von der IUCN als „Endangered" (gefährdet) eingestuft. Das kleine Verbreitungsgebiet in der Chocó-Region ist durch Abholzung für Holzeinschlag, illegalen Bergbau (Gold) und Drogenanbau bedroht. Auch der bewaffnete Konflikt in Kolumbien hat die Schutzmaßnahmen in der Region erschwert.
Die Art ist in CITES Anhang II gelistet und in Kolumbien national geschützt. Illegaler Fang für den Tierhandel bleibt ein Problem, obwohl mittlerweile genügend Nachzuchten verfügbar sind. Der Schutz der einzigartigen Chocó-Regenwälder ist nicht nur für den Goldenen Pfeilgiftfrosch, sondern für zahlreiche weitere endemische Arten von entscheidender Bedeutung.
Quellen
- AmphibiaWeb: Phyllobates terribilis – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Phyllobates terribilis – iucnredlist.org
- Myers, C. W., Daly, J. W. & Malkin, B. (1978): A dangerously toxic new frog (Phyllobates) used by Embera Indians of western Colombia. Bulletin of the American Museum of Natural History, 161(2), 307–366.
- Lötters, S. et al. (2007): Poison Frogs – Biology, Species & Captive Husbandry. Edition Chimaira.
- Daly, J. W. et al. (2005): The chemistry of poisons in amphibian skin. PNAS, 102(39), 14159–14164.
