Der Grasfrosch ist der häufigste und am weitesten verbreitete Frosch Europas. Er kommt von der Iberischen Halbinsel bis zum Ural und von Skandinavien bis in die Alpen vor. Seine Laichballen im Frühjahr gehören zu den ersten sichtbaren Zeichen des Frühlings und sind vielen Menschen vertraut.
| Wissenschaftlicher Name | Rana temporaria |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Ranidae |
| Gattung | Rana |
| Größe | 6–10 cm |
| Gewicht | 20–50 g |
| Lebenserwartung | 6–12 Jahre |
| Verbreitung | Europa, Westasien |
| Lebensraum | Wälder, Wiesen, Gärten, Feuchtgebiete, Moore |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Grasfrosch ist ein mittelgroßer, kräftig gebauter Frosch mit einer Körperlänge von 6–10 cm. Die Färbung ist äußerst variabel und reicht von gelbbraun über olivbraun und rotbraun bis hin zu fast schwarzen Exemplaren. Dunkle Flecken auf dem Rücken sind häufig, aber nicht immer vorhanden. Ein charakteristisches dunkles Dreieck befindet sich zwischen den Augen.
Das auffälligste Merkmal ist der große, dunkle Temporalfleck hinter dem Auge, der das Trommelfell bedeckt und sich bis zum Mundwinkel erstreckt. Die Unterseite ist weißlich bis gelblich mit dunkler Marmorierung. Die Hinterbeine sind kräftig, aber relativ kürzer als bei den Wasserfröschen. Während der Paarungszeit werden die Männchen oft bläulich-grau gefärbt und entwickeln dunkle Brunftschwielen an den Daumen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Grasfrosch hat das größte Verbreitungsgebiet aller europäischen Amphibien. Er kommt von Nordspanien und Irland über ganz Mittel- und Nordeuropa bis zum Ural vor. Im Norden reicht sein Verbreitungsgebiet bis zum Nordkap in Norwegen – weiter nördlich als jeder andere europäische Frosch. In den Alpen steigt er bis auf über 2.500 m auf.
Die Art ist extrem anpassungsfähig und besiedelt eine Vielzahl von Lebensräumen: Laubwälder, Nadelwälder, Wiesen, Moorgebiete, Gärten und Parks. Er ist weniger ans Wasser gebunden als die Wasserfrösche und verbringt den Großteil des Jahres an Land. Als Laichgewässer nutzt er praktisch jede Art von stehendem Gewässer – von Pfützen über Gartentümpel bis hin zu Seen.
Lebensweise & Verhalten
Der Grasfrosch ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und verbringt den Tag in feuchten Verstecken unter Steinen, Holz oder in dichter Vegetation. Er ist ein Einzelgänger, der nur zur Laichzeit Gewässer aufsucht. Im Frühling wandern die Tiere oft über beträchtliche Strecken zu ihren angestammten Laichgewässern.
Die Winterruhe verbringt der Grasfrosch je nach Region und Höhenlage von Oktober bis März. Er überwintert sowohl an Land (unter Laub, in Erdlöchern) als auch im Wasser (am Gewässergrund). Bei der Überwinterung im Wasser nimmt er Sauerstoff über die Haut auf. Der Grasfrosch ist kältetoleranter als die meisten anderen europäischen Frösche und wird schon bei niedrigen Temperaturen (ab 4–5 °C) im Frühling aktiv.
Ernährung
Der Grasfrosch ernährt sich hauptsächlich von Insekten, Schnecken, Regenwürmern, Spinnen und Asseln. Er ist ein opportunistischer Jäger und frisst alles Geeignete, das er überwältigen kann. Die Beute wird mit der klebrigen Zunge erbeutet oder direkt mit dem Maul gepackt.
Kaulquappen ernähren sich von Algen, Detritus und abgestorbenen Pflanzenteilen. Sie können auch Aas und verendete Artgenossen fressen. Erwachsene Grasfrösche gelten als nützliche Gartenbewohner, da sie große Mengen an Schnecken und Insekten vertilgen.
Fortpflanzung
Die Laichzeit beginnt sehr früh im Jahr – oft schon im Februar oder März, sobald die Gewässer eisfrei sind und die Temperaturen über 4–5 °C steigen. Die Männchen wandern zuerst zu den Laichgewässern und bilden teilweise riesige Laichgesellschaften. Ihr Ruf ist ein leises, pulsierendes Knurren, das unter Wasser erzeugt wird.
Das Weibchen legt 700–4.500 Eier in einem einzigen Laichballen ab, der an die Wasseroberfläche aufsteigt und dort als charakteristischer Froschlaich sichtbar wird. Die gallertartigen Laichballen können sich zu großen Laichteppichen vereinigen. Die Kaulquappen schlüpfen nach 10–21 Tagen (temperaturabhängig) und durchlaufen die Metamorphose in 2–4 Monaten. Die Geschlechtsreife wird mit 2–3 Jahren erreicht.
Haltung im Terrarium
Der Grasfrosch steht in ganz Europa unter strengem Artenschutz und darf nicht der Natur entnommen werden. Eine Haltung in Gefangenschaft ist in den meisten Ländern nicht erlaubt. Stattdessen solltest du naturnahe Gärten mit Teichen, feuchten Bereichen und Versteckmöglichkeiten anlegen, um wildlebende Grasfrösche zu fördern.
Falls du den Frosch in einem Bildungsprojekt oder in einer genehmigten Einrichtung halten musst, eignet sich ein Aquaterrarium ab 80 × 40 × 40 cm mit feuchtem Substrat, Verstecken und einem Wasserbecken. Die Temperatur sollte bei 15–20 °C liegen – der Grasfrosch ist eine Kaltwasserart, die keine tropischen Temperaturen verträgt. Eine ausgedehnte Winterruhe bei 2–5 °C ist obligatorisch.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Grasfrosch wird von der IUCN als „Least Concern" eingestuft und ist insgesamt noch häufig. Dennoch sind die Bestände in vielen intensiv genutzten Agrarlandschaften rückläufig. Die Hauptbedrohungen sind der Verlust von Laichgewässern, Straßenverkehr während der Frühjahrswanderung, Pestizide und die Intensivierung der Landwirtschaft.
In Deutschland ist der Grasfrosch nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Schutzmaßnahmen umfassen Amphibienzäune an Straßen, die Anlage neuer Laichgewässer und den Erhalt von Feuchtwiesen und naturnahen Gärten. Der Grasfrosch profitiert von jedem Gartenteich, der fischfrei gehalten wird.
Quellen
- AmphibiaWeb: Rana temporaria – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Rana temporaria – iucnredlist.org
- Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
- Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
- Bundesamt für Naturschutz: Artenschutz-Steckbrief Grasfrosch – bfn.de
