Der Graue Drückerfisch ist ein robuster, intelligent wirkender Meeresfisch aus dem Atlantik und dem Mittelmeer. Mit seinem kräftigen Gebiss knackt er mühelos Muscheln, Seeigel und Krebstiere. Sein Name stammt vom Verriegelungsmechanismus seiner ersten Rückenflosse, die wie ein „Drücker" funktioniert.
| Wissenschaftlicher Name | Balistes capriscus |
| Ordnung | Kugelfischartige (Tetraodontiformes) |
| Familie | Drückerfische (Balistidae) |
| Gattung | Balistes |
| Größe | 30–60 cm |
| Gewicht | 1–6 kg |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Atlantik, Mittelmeer |
| Lebensraum | Salzwasser – Felsriffe, Wracks und Hartsubstrate, 10–100 m Tiefe |
| Schutzstatus | Gefährdet (VU) – IUCN |
| Aquarium | ab 1.500 Liter (Meerwasser) |
| Temperatur | 20–27 °C |
| Salinität | 1,023–1,026 |
Beschreibung & Aussehen
Der Graue Drückerfisch erreicht eine stattliche Körperlänge von 30–60 cm und kann bis zu 6 kg schwer werden. Sein Körper ist hochrückig, seitlich stark abgeflacht und von einer lederartigen, rauen Haut bedeckt. Die Grundfärbung ist grau bis graubraun mit einer feinen, netzartigen Musterung, die je nach Stimmung heller oder dunkler werden kann.
Das namensgebende Merkmal ist der Verriegelungsmechanismus der ersten Rückenflosse: Der erste, dicke Rückenflossenstachel kann aufgestellt und vom zweiten, dünneren Stachel verriegelt werden – nur durch „Drücken" des zweiten Stachels wird die Sperre gelöst. Die Augen sind groß, intelligent wirkend und können unabhängig voneinander bewegt werden. Das Maul ist klein, aber mit kräftigen Zähnen bestückt.
Verbreitung & Lebensraum
Der Graue Drückerfisch kommt im gesamten Atlantik vor – von den Britischen Inseln und Norwegen über das Mittelmeer, die westafrikanische Küste bis nach Brasilien und in die Karibik. Er bewohnt Felsriffe, Wracks, Ölplattformen und andere Hartsubstrate in Tiefen von 10–100 Metern.
Jungfische findet man oft in der Nähe von treibenden Sargassum-Algenmatten im offenen Ozean. Adulte Tiere sind stärker an feste Strukturen gebunden und nutzen Höhlen und Spalten als Ruheplätze. Die Art zeigt in manchen Jahren deutliche Populationsschwankungen und kann in warmen Sommern weiter nördlich vordringen.
Lebensweise & Verhalten
Der Graue Drückerfisch gilt als einer der intelligentesten Knochenfische. Er zeigt neugieriges, exploratives Verhalten und kann Taucher gezielt anschwimmen. Die Tiere sind tagaktiv und verbringen den Tag mit der Nahrungssuche an Riffstrukturen. Nachts verankern sie sich mit ihrem aufgestellten Rückenflossenstachel in Felsspalten.
Während der Brutpflege werden die Tiere – besonders die Weibchen – äußerst territorial und aggressiv. Sie verteidigen ihr Gelege vehement gegen alle Eindringlinge, einschließlich Taucher, und können mit ihren kräftigen Zähnen schmerzhafte Bisse zufügen. Außerhalb der Brutzeit sind sie einzelgängerisch und eher friedlich.
Ernährung
Der Graue Drückerfisch ist ein Nahrungsspezialist mit kräftigem Gebiss, das auf das Knacken von Hartschalenorganismen spezialisiert ist. In der Natur frisst er Muscheln, Seeigel, Seesterne, Krabben, Schnecken und Seepocken. Er bläst gezielt Wasser auf den Sandboden, um vergrabene Beute freizulegen – ein bemerkenswertes Werkzeugverhalten.
Im Meerwasseraquarium benötigt der Fisch hartschalige Futtertiere wie ungeschälte Garnelen, Muscheln, Krabben und Tintenfischstücke, um sein ständig nachwachsendes Gebiss abzunutzen. Ergänze mit hochwertigem Frostfutter und Granulat für Meerwasserfische. Ohne ausreichend hartes Futter können die Zähne zu lang wachsen.
Fortpflanzung
Der Graue Drückerfisch laicht typischerweise im Sommer. Das Weibchen gräbt eine flache Mulde im Sandboden in der Nähe eines Riffs und legt dort mehrere hunderttausend winzige Eier ab, die am Substrat haften. Das Weibchen bewacht das Gelege intensiv und belüftet die Eier durch Fächeln mit den Brustflossen.
Die Larven schlüpfen nach 1–2 Tagen und treiben zunächst als Plankton im offenen Wasser. Die Brutpflege des Weibchens endet mit dem Schlupf der Larven. Eine Nachzucht im Aquarium ist bisher nicht dokumentiert und wäre aufgrund der Größe der Tiere und der pelagischen Larvenphase extrem schwierig.
Haltung im Aquarium
Der Graue Drückerfisch benötigt aufgrund seiner Größe ein sehr großes Meerwasseraquarium ab 1.500 Litern. Eine robuste Einrichtung mit Steinaufbauten und Höhlen ist wichtig – der Fisch kann lose Dekorationsteile verschieben. Eine starke Filterung und regelmäßige Wasserwechsel sind aufgrund des hohen Stoffwechsels unerlässlich.
Die Haltung in einem Riffaquarium ist nicht zu empfehlen, da der Fisch Wirbellose frisst und Korallen beschädigen kann. Ein reines Fischaquarium (FOWLR) ist besser geeignet. Die Vergesellschaftung mit anderen großen, robusten Meerwasserfischen ist möglich. Vorsicht beim Hantieren im Becken – der Fisch kann kräftig beißen.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Graue Drückerfisch wird von der IUCN als „Vulnerable" (gefährdet) eingestuft. Die Populationen sind in vielen Teilen seines Verbreitungsgebiets rückläufig, vor allem durch Überfischung und den Verlust geeigneter Riffhabitate. In einigen Regionen wird er als Speisefisch gefangen.
Im Mittelmeer sind die Bestände besonders zurückgegangen. Schutzmaßnahmen wie die Einrichtung von Meeresschutzgebieten und die Regulierung der Fischerei sind wichtig für den Erhalt der Art. Im Aquarienhandel spielt der Graue Drückerfisch aufgrund seiner Größe eine untergeordnete Rolle.
Quellen
- FishBase: Balistes capriscus – fishbase.se
- IUCN Red List: Balistes capriscus – iucnredlist.org
- Debelius, H. & Baensch, H. A. (1997): Meerwasser Atlas. Mergus Verlag.
- Matsuura, K. (2015): Taxonomy and systematics of tetraodontiform fishes. Springer.
