Die Großarmgarnele ist eine der größten Süßwassergarnelen der Welt und kann eine beeindruckende Größe von über 30 cm erreichen. Männchen entwickeln besonders lange, kräftige Scherenarme, die ihnen den Namen geben. In der Aquakultur ist sie eine der wichtigsten kommerziell gezüchteten Garnelenarten weltweit.
| Wissenschaftlicher Name | Macrobrachium rosenbergii |
| Ordnung | Zehnfußkrebse (Decapoda) |
| Familie | Felsengarnelen (Palaemonidae) |
| Gattung | Macrobrachium |
| Größe | 15–32 cm (Männchen mit Scheren) |
| Lebenserwartung | 2–3 Jahre |
| Verbreitung | Indo-Pazifik (Süd- und Südostasien, Nordaustralien) |
| Lebensraum | Süß- und Brackwasserflüsse, Flussmündungen, Seen |
| Aquarium | ab 150 cm Kantenlänge |
| Temperatur | 24–30 °C |
| pH-Wert | 6,5–8,0 |
Beschreibung & Aussehen
Die Großarmgarnele zählt zu den imposantesten Süßwassergarnelen überhaupt. Männchen können mit ausgestreckten Scheren eine Gesamtlänge von über 32 cm erreichen, wobei der Körper selbst etwa 15–20 cm misst. Die namensgebenden, extrem langen Scherenarme der Männchen können die Körperlänge deutlich übertreffen und sind mit zahlreichen Dornen besetzt.
Die Grundfärbung ist grünlich-grau bis bläulich, wobei dominante Männchen oft eine intensive blaue Färbung an den Scheren entwickeln. Der Körper ist halbtransparent mit dunklen Streifen. Das Rostrum (Stirndorn) ist lang, leicht nach oben gebogen und mit Zähnen besetzt. Weibchen sind kleiner als Männchen und besitzen deutlich kürzere Scheren. Eitragende Weibchen sind an der orangefarbenen Eimasse unter dem Hinterleib gut zu erkennen.
Verbreitung & Lebensraum
Die natürliche Heimat der Großarmgarnele erstreckt sich über den gesamten Indo-Pazifik-Raum, von Pakistan und Indien über Südostasien bis nach Nordaustralien und in den westlichen Pazifik. Die Art bewohnt Süßwasserflüsse, Seen und Kanäle, wobei die Larven für ihre Entwicklung Brackwasser benötigen.
Durch Aquakultur wurde die Großarmgarnele weltweit in tropische und subtropische Regionen eingeführt und ist heute in vielen Ländern außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets etabliert. In ihrer natürlichen Umgebung bevorzugt sie fließende und stehende Gewässer mit schlammigem oder sandigem Bodengrund und reichlich Versteckmöglichkeiten.
Lebensweise & Verhalten
Großarmgarnelen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und verbringen den Tag versteckt am Gewässergrund. Sie sind territorial und können insbesondere während der Häutung oder bei Nahrungskonkurrenz aggressiv werden. Dominante Männchen verteidigen ihre Reviere energisch gegen Rivalen.
Ein faszinierendes Merkmal der Art ist das Auftreten verschiedener Männchentypen: Es gibt dominante „Blauklauen"-Männchen mit riesigen Scheren, subdominante „Orangeklauen"-Männchen und kleine „Sneaker"-Männchen, die sich durch alternative Fortpflanzungsstrategien behaupten. Diese Polymorphie ist ein Beispiel für komplexes Sozialverhalten bei Krebstieren.
Die Häutung erfolgt regelmäßig und ist für die Tiere eine besonders verwundbare Phase. Nach der Häutung sind die Garnelen weich und ziehen sich in Verstecke zurück, bis der neue Panzer ausgehärtet ist.
Ernährung
Die Großarmgarnele ist ein omnivorer Opportunist und frisst praktisch alles Verwertbare. In der Natur ernährt sie sich von Algen, Wasserpflanzen, Detritus, Insektenlarven, Würmern, Schnecken, kleinen Fischen und sogar Aas. Die kräftigen Scheren dienen zum Zerkleinern hartschaliger Beute wie Schnecken und Muscheln.
Im Aquarium nimmst du die Großarmgarnele mit Garnelen- und Krebsfutter, Frostfutter (Mückenlarven, Krill, Artemia), überbrühtem Gemüse, Fischfleisch und Pelletfutter an. Aufgrund ihrer Größe und ihres hohen Stoffwechsels benötigen die Tiere regelmäßige und ausreichende Fütterung. Eine kalziumreiche Ernährung unterstützt den Panzeraufbau nach der Häutung.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung der Großarmgarnele ist komplex und im reinen Süßwasseraquarium schwierig nachzuahmen. Nach der Paarung trägt das Weibchen 10.000–50.000 Eier unter dem Hinterleib. Die Eier sind zunächst orange und verfärben sich im Laufe der Entwicklung grau. Die Tragzeit beträgt etwa 3 Wochen bei 28 °C.
Die geschlüpften Larven benötigen für ihre Entwicklung Brackwasser (12–15 ‰ Salzgehalt) und durchlaufen mehrere Larvenstadien über einen Zeitraum von 30–45 Tagen, bevor sie sich zu juvenilen Garnelen umwandeln. Die Larven sind planktonisch und ernähren sich von Artemia-Nauplien und Phytoplankton. Die Zucht ist daher eher etwas für erfahrene Aquarianer oder professionelle Aquakulturbetriebe.
Haltung im Aquarium
Aufgrund ihrer beachtlichen Größe benötigt die Großarmgarnele ein geräumiges Aquarium mit mindestens 150 cm Kantenlänge (ca. 300 Liter) für eine kleine Gruppe. Der Bodengrund sollte aus Sand oder feinem Kies bestehen. Zahlreiche Versteckmöglichkeiten in Form von großen Wurzeln, Steinaufbauten und Tonröhren sind unerlässlich, besonders wenn mehrere Tiere gehalten werden.
Die Wassertemperatur sollte zwischen 24 und 30 °C liegen, der pH-Wert zwischen 6,5 und 8,0. Eine starke Filterung und regelmäßige Wasserwechsel sind wichtig, da die Tiere den Wasserhaushalt stark belasten. Die Vergesellschaftung mit Fischen ist nur bedingt möglich – kleine und bodenbewohnende Fische können von den Garnelen erbeutet werden. Nur größere, schnelle Fische sind als Mitbewohner geeignet.
Beachte, dass Großarmgarnelen sich gegenseitig während der Häutung angreifen können. Pro Tier sollte mindestens ein Versteck vorhanden sein. Die Haltung eines einzelnen Männchens mit mehreren Weibchen ist oft am erfolgreichsten.
Gefährdung & Schutzstatus
Die Großarmgarnele wird von der IUCN derzeit nicht als gefährdet eingestuft. Die Art ist durch die intensive Aquakultur weltweit verbreitet und gehört zu den am meisten gezüchteten Garnelenarten. Die globale Produktionsmenge übersteigt 200.000 Tonnen pro Jahr.
Allerdings können die Wildbestände durch Überfischung, Lebensraumzerstörung und die Konkurrenz mit eingeführten Populationen lokal unter Druck geraten. Die Einführung der Art in nicht-heimische Gewässer birgt ökologische Risiken, da sie einheimische Arten verdrängen kann. Eine verantwortungsvolle Haltung schließt das Aussetzen von Tieren in die Natur kategorisch aus.
Quellen
- New, M.B. (2002): Farming Freshwater Prawns. FAO Fisheries Technical Paper 428 – fao.org
- De Grave, S. & Fransen, C.H.J.M. (2011): Carideorum catalogus – marinespecies.org
- Lukhaup, C. & Pekny, R. (2010): Garnelen, Krebse und Krabben im Süßwasseraquarium. Dähne Verlag.
- FAO Aquaculture: Macrobrachium rosenbergii – fao.org
