Der Grünkopf-Papageifisch ist ein farbenprachtiger Riffbewohner, der mit seinem papageienartigen Schnabel Korallen abraspelt und dadurch feinen Sand produziert. Er spielt eine Schlüsselrolle im Riffökosystem und ist für die private Aquarienhaltung aufgrund seiner Größe und Ansprüche kaum geeignet.
| Wissenschaftlicher Name | Scarus tricolor |
| Ordnung | Barschartige (Perciformes) |
| Familie | Papageifische (Scaridae) |
| Gattung | Scarus |
| Größe | 30–54 cm |
| Gewicht | 1–3 kg |
| Lebenserwartung | 7–15 Jahre |
| Verbreitung | Indopazifik (Ostafrika bis Samoa) |
| Lebensraum | Korallenriffe, Lagunen, Riffplateaus |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 3000 Liter |
| Temperatur | 24–27 °C |
| Salinität | 1,023–1,026 |
Beschreibung & Aussehen
Der Grünkopf-Papageifisch erreicht eine beeindruckende Größe von 30 bis 54 cm und zeigt einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus. Terminale Männchen (Supermales) sind die farbenprächtigsten und zeigen einen leuchtend grünen Kopf, einen blaugrünen Körper mit rosa bis violetten Akzenten und markante grüne Flossenränder. Diese Dreifarbigkeit hat der Art den wissenschaftlichen Namen „tricolor" eingebracht.
Weibchen und jüngere Männchen (Initialphase) sind deutlich schlichter gefärbt – sie zeigen eine bräunlich-rote Grundfärbung mit hellen Schuppen. Das markanteste Merkmal aller Papageifische sind die zu einem papageienartigen Schnabel verschmolzenen Zähne, mit denen sie Korallengestein abraspeln können. Zusätzlich besitzen sie im Rachen Schlundzähne, die das Korallenmaterial fein zermahlen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Grünkopf-Papageifisch ist im Indopazifik verbreitet und kommt von der ostafrikanischen Küste über den Indischen Ozean bis nach Samoa, Japan und Australien vor. Er bewohnt Korallenriffe, Lagunen und Riffplateaus in Tiefen von 1 bis 25 Metern.
Scarus tricolor bevorzugt Bereiche mit einem Mix aus lebenden Korallen und Kalksubstrat, das er nach Algen abweidet. Juvenile Tiere halten sich oft in geschützten Lagunen und Seegraswiesen auf. Adulte Tiere haben große Reviere und legen auf ihren täglichen Nahrungssuchen beträchtliche Strecken über das Riff zurück.
Lebensweise & Verhalten
Papageifische sind tagaktive Fische, die den Großteil ihres Tages mit dem Abweiden von Algen und dem Abraspeln von Korallengestein verbringen. Mit ihrem kräftigen Schnabel entfernen sie dünne Algenschichten von Riffoberflächen und nehmen dabei unweigerlich Korallenkalk mit auf. Dieser wird im Verdauungstrakt zermahlen und als feiner, weißer Korallensand ausgeschieden – ein einzelner großer Papageifisch kann über 100 kg Sand pro Jahr produzieren!
Nachts scheiden viele Papageifischarten, darunter auch Scarus tricolor, einen Schleimkokon aus, in dem sie schlafen. Dieser Kokon schützt vor nachtaktiven Parasiten und Räubern, da er den Geruch des Fisches maskiert. Die Art ist ein protogynischer Hermaphrodit – alle Tiere beginnen als Weibchen und die dominantesten wandeln sich zu farbenprächtige Supermales um.
Ernährung
Der Grünkopf-Papageifisch ernährt sich hauptsächlich von Algen, die er von Riffoberflächen abraspelt. Dabei nimmt er zwangsläufig Korallenkalk auf, den er mit seinen Schlundzähnen zermahlt und als Sand wieder ausscheidet. Diese Bioabrasion ist ein entscheidender Prozess für die Riffökologie – Papageifische halten Riffe sauber und produzieren gleichzeitig einen Großteil des Sandes auf tropischen Inseln.
Eine artgerechte Ernährung im Aquarium ist nahezu unmöglich, da die ständige Verfügbarkeit von bealgt em Kalksubstrat nicht simuliert werden kann. Nori-Algen, Spirulina und pflanzliches Frostfutter können als Ergänzung dienen, ersetzen aber nicht die natürliche Nahrungsaufnahme. Dies ist einer der Hauptgründe, warum Papageifische für die private Aquarienhaltung ungeeignet sind.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung folgt einem komplexen Sozialsystem. Terminale Supermales verteidigen Reviere mit mehreren Weibchen und laichen einzeln mit ausgewählten Weibchen in der Dämmerung. Das Paar steigt in der Wassersäule auf, und Eier sowie Spermien werden gleichzeitig ins Freiwasser abgegeben.
Alternativ können auch Gruppen von Initialphase-Tieren in Massenlaichereignissen gemeinsam ablaichen. Die pelagischen Eier und Larven treiben wochenlang im Plankton. Die Zucht in Gefangenschaft ist nicht gelungen und wäre aufgrund der Größe und der speziellen Ernährungsanforderungen kaum realisierbar.
Haltung im Aquarium
Die Haltung des Grünkopf-Papageifischs im privaten Aquarium ist nicht empfehlenswert und nur in sehr großen Schauaquarien ab 3000 Litern ansatzweise möglich. Die Art benötigt enorme Schwimmflächen und kann aufgrund ihres Korallenfressens nicht in Riffaquarien gehalten werden.
Die Wassertemperatur sollte zwischen 24 und 27 °C liegen, die Salinität bei 1,023–1,026. Die Hauptprobleme bei der Haltung sind die Größe, der enorme Nahrungsbedarf und die Unmöglichkeit, die natürliche Nahrungsgrundlage (algenbewachsenes Kalksubstrat) im Aquarium bereitzustellen.
Papageifische gehören zu den Arten, die man am besten im Meer oder in öffentlichen Großaquarien bewundert. Für die private Aquarienhaltung sind sie definitiv nicht geeignet. Ihr ökologischer Wert für das Riffökosystem ist weitaus größer als ihr Wert als Aquarienfisch.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Grünkopf-Papageifisch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Papageifische sind jedoch in vielen Regionen durch Überfischung bedroht, da sie als Speisefisch begehrt und aufgrund ihrer Größe und leichten Fangbarkeit anfällig sind.
Der Schutz von Papageifischen ist von entscheidender ökologischer Bedeutung, da ihr Rückgang zu einer unkontrollierten Algenausbreitung auf Riffen führen kann, die das gesamte Riffökosystem gefährdet. In mehreren Ländern stehen Papageifische mittlerweile unter Schutz oder es gelten Fangbeschränkungen. Der Kauf von Papageifischen für die Aquarienhaltung sollte generell vermieden werden.
Quellen
- FishBase: Scarus tricolor – fishbase.se
- IUCN Red List: Scarus tricolor – iucnredlist.org
- Bellwood, D.R. & Choat, J.H. (2011): Dangerous demographics: the lack of juvenile humphead parrotfishes on the Great Barrier Reef. Coral Reefs, 30, 549–554.
- Randall, J.E. (2005): Reef and Shore Fishes of the South Pacific. University of Hawaii Press.
- Debelius, H. & Kuiter, R.H. (2007): Atlas der Meeresfische. Kosmos Verlag.
