Frösche

Guatemala-Laubfrosch (Agalychnis moreletii)

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Guatemala-Laubfrosch (Agalychnis moreletii)

Bildquelle: SANDARU-KGL / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Guatemala-Laubfrosch ist ein naher Verwandter des berühmten Rotaugenlaubfroschs, unterscheidet sich aber durch seine dunklen, kastanienbraunen Augen. Die Art war einst in den Bergwäldern Mittelamerikas häufig, ist aber durch den Chytridpilz dramatisch zurückgegangen und wird heute als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Der Guatemala-Laubfrosch ist ein naher Verwandter des berühmten Rotaugenlaubfroschs, unterscheidet sich aber durch seine dunklen, kastanienbraunen Augen. Die Art war einst in den Bergwäldern Mittelamerikas häufig, ist aber durch den Chytridpilz dramatisch zurückgegangen und wird heute als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Steckbrief: Guatemala-Laubfrosch (Agalychnis moreletii)
Wissenschaftlicher NameAgalychnis moreletii
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamiliePhyllomedusidae
GattungAgalychnis
Größe5–7 cm
Gewicht8–15 g
Lebenserwartung8–12 Jahre
VerbreitungSüdmexiko bis Honduras
LebensraumTropische und subtropische Bergwälder, Nebelwälder
SchutzstatusVom Aussterben bedroht (CR) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Guatemala-Laubfrosch erreicht eine Körperlänge von 5–7 cm und ähnelt in der Körperform seinem berühmteren Verwandten, dem Rotaugenlaubfrosch (A. callidryas). Die Oberseite ist leuchtend dunkelgrün, oft mit einem bläulichen Schimmer. Die Flanken und Innenseiten der Oberschenkel sind blau bis violett gefärbt mit vertikalen weißen oder gelblichen Streifen.

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zum Rotaugenlaubfrosch sind die Augen: Statt leuchtend roter Augen besitzt der Guatemala-Laubfrosch dunkle, kastanienbraune bis weinrote Augen. Die Finger und Zehen sind mit ausgeprägten Schwimmhäuten verbunden und enden in großen, orangefarbenen Haftscheiben. Die Unterseite ist hell, und die Handflächen und Fußsohlen sind orange bis rot gefärbt.

Verbreitung & Lebensraum

Der Guatemala-Laubfrosch kommt von Südmexiko (Guerrero, Oaxaca, Chiapas) über Guatemala und El Salvador bis nach Honduras vor. Er lebt in Höhenlagen von 300 bis 1.500 m und bevorzugt feuchte Berg- und Nebelwälder. In den letzten Jahrzehnten ist das tatsächliche Vorkommen durch den Chytridpilz drastisch geschrumpft.

Die Art bewohnt das Kronendach feuchter Wälder und steigt zur Fortpflanzung zu Gewässern ab. Sie bevorzugt Wälder mit temporären Teichen, Pfützen oder langsam fließenden Bächen in der Nähe. Die Nähe zu stehenden Gewässern ist für die Fortpflanzung essenziell, da die Kaulquappen sich im Wasser entwickeln.

Lebensweise & Verhalten

Der Guatemala-Laubfrosch ist streng nachtaktiv und verbringt den Tag regungslos auf der Unterseite großer Blätter im Kronendach. In dieser Ruheposition sind die bunten Flanken verborgen, und der Frosch ist dank seiner grünen Färbung nahezu unsichtbar.

Nachts klettert er durch die Vegetation und sucht auf Blättern nach Insekten. Er ist ein geschickter Kletterer, der sich mit Hilfe seiner Haftscheiben sicher auf nassen Blattoberflächen bewegt. Die Art ist scheuer als der Rotaugenlaubfrosch und versucht bei Störung, sich durch langsame Bewegungen unsichtbar zu machen, anstatt zu fliehen.

Ernährung

Der Guatemala-Laubfrosch ernährt sich von kleinen Wirbellosen, die er nachts in der Vegetation erbeutet. Hauptbeute sind Motten, Fliegen, kleine Käfer, Spinnen und andere Gliederfüßer. Er jagt bevorzugt auf Blättern und Ästen in mittlerer Höhe des Waldes.

Die Kaulquappen ernähren sich im Wasser von Algen, Detritus und kleinen organischen Partikeln. In der Terrarienhaltung fütterst du erwachsene Tiere mit Grillen, Fruchtfliegen, Wachsmotten und kleinen Heimchen, die mit Vitamin- und Kalziumpulver bestäubt werden.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung findet während der Regenzeit statt (Mai bis November). Die Männchen rufen von Blättern und Ästen über stehenden Gewässern. Der Ruf ist ein tiefes, kurzes Klicken, das sich deutlich vom Ruf des Rotaugenlaubfroschs unterscheidet.

Die Eier werden auf der Oberseite von Blättern abgelegt, die über dem Wasser hängen. Ein Gelege umfasst 50–100 Eier in einer gallertartigen Masse. Nach etwa 5–7 Tagen schlüpfen die Kaulquappen und fallen ins Wasser, wo sie sich über 60–90 Tage zu fertigen Fröschen entwickeln. Die Geschlechtsreife wird nach 1–2 Jahren erreicht.

Haltung im Terrarium

Aufgrund seines kritischen Gefährdungsstatus ist die Haltung des Guatemala-Laubfroschs in privaten Terrarien problematisch. Nachzuchten sind im Handel selten verfügbar, und der Erwerb sollte nur aus verantwortungsvollen Zuchtprogrammen erfolgen. Ein hohes Regenwaldterrarium (mindestens 60 × 45 × 90 cm) mit dichter Bepflanzung und einem Wasserbecken am Boden ist erforderlich.

Die Temperatur sollte tagsüber bei 22–26 °C liegen, nachts bei 18–20 °C (kühler als beim Rotaugenlaubfrosch, da es sich um eine Bergwaldart handelt). Die Luftfeuchtigkeit muss bei 80–100 % gehalten werden. Eine Beregnungsanlage ist empfehlenswert. Wer diese Art hält, sollte sich an Erhaltungszuchtprogrammen beteiligen, um zum Überleben der Art beizutragen.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Guatemala-Laubfrosch wird von der IUCN als „Critically Endangered" (vom Aussterben bedroht) eingestuft. Die Populationen sind seit den 1990er-Jahren um über 80 % eingebrochen. Die Hauptursache ist der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis), der in den feuchten Bergwäldern Mittelamerikas besonders verheerend gewütet hat.

Zusätzlich tragen Habitatverlust durch Abholzung, Landwirtschaft und Klimawandel zum Rückgang bei. Erhaltungszuchtprogramme in Zoos und Forschungseinrichtungen (u. a. im Manchester Museum und im Zoo Atlanta) arbeiten an der Zucht und möglichen Wiederauswilderung. Der Schutz der verbliebenen Bergwaldhabitate und die Bekämpfung des Chytridpilzes sind entscheidend für das Überleben der Art.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Agalychnis moreletiiamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Agalychnis moreletiiiucnredlist.org
  3. Campbell, J. A. (1998): Amphibians and Reptiles of Northern Guatemala, the Yucatán, and Belize. University of Oklahoma Press.
  4. Lips, K. R. et al. (2006): Emerging infectious disease and the loss of biodiversity in a Neotropical amphibian community. PNAS, 103(9), 3165–3170.
  5. Savage, J. M. (2002): The Amphibians and Reptiles of Costa Rica. University of Chicago Press.

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