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Guppy (Poecilia reticulata)

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Guppy (Poecilia reticulata)

Bildquelle: panpilai paipa / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Guppy ist der beliebteste und am weitesten verbreitete Aquarienfisch der Welt. Mit seiner enormen Farbvielfalt, der einfachen Pflege und der lebendgebärenden Fortpflanzung ist er der ideale Einstiegsfisch für Anfänger. Kein anderer Zierfisch wurde so intensiv gezüchtet wie der Guppy.

Der Guppy ist der beliebteste und am weitesten verbreitete Aquarienfisch der Welt. Mit seiner enormen Farbvielfalt, der einfachen Pflege und der lebendgebärenden Fortpflanzung ist er der ideale Einstiegsfisch für Anfänger. Kein anderer Zierfisch wurde so intensiv gezüchtet wie der Guppy.

Steckbrief: Guppy (Poecilia reticulata)
Wissenschaftlicher NamePoecilia reticulata
OrdnungZahnkärpflinge (Cyprinodontiformes)
FamilieLebendgebärende Zahnkarpfen (Poeciliidae)
GattungPoecilia
Größe3–6 cm (Weibchen größer)
Gewicht0,5–3 g
Lebenserwartung2–3 Jahre
VerbreitungUrsprünglich Südamerika und Karibik, heute weltweit verbreitet
LebensraumSüßwasser – Bäche, Gräben, Teiche, auch Brackwasser
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN
Aquariumab 40 Liter
Temperatur22–28 °C
pH-Wert6.5–8.0
Wasserhärte8–25 °dGH

Beschreibung & Aussehen

Der Guppy zeigt einen extremen Geschlechtsdimorphismus: Männchen sind mit 3–4 cm deutlich kleiner als Weibchen (4–6 cm), dafür aber wesentlich farbenprächtiger. Durch jahrhundertelange Zucht existieren unzählige Farbvarianten in praktisch allen erdenklichen Farbtönen – von einfarbig Rot, Blau oder Gelb über Mehrfarbig bis hin zu komplexen Mustern wie Snakeskin, Cobra oder Mosaik.

Auch die Flossenformen wurden intensiv züchterisch bearbeitet: Fächerschwänze, Lyraschwänze, Schwertschwänze, Flaggenschwänze und viele weitere Varianten existieren. Das Männchen besitzt ein zu einem Begattungsorgan (Gonopodium) umgewandeltes Afterflossenstrahlenpaar, mit dem es die Weibchen intern befruchtet. Wildform-Guppys sind deutlich schlichter gefärbt, aber ebenfalls attraktiv.

Verbreitung & Lebensraum

Ursprünglich stammt der Guppy aus dem nördlichen Südamerika (Venezuela, Trinidad, Barbados, Guyana) und einigen karibischen Inseln. Durch Aussetzung zur Mückenbekämpfung und durch den Aquarienhandel ist er heute auf allen Kontinenten außer der Antarktis in tropischen und subtropischen Gewässern anzutreffen – er ist einer der am weitesten verbreiteten Süßwasserfische der Welt.

Der Guppy ist extrem anpassungsfähig und besiedelt praktisch jeden Süßwasserlebensraum – von klaren Bergbächen über verschmutzte Gräben bis hin zu leicht brackigen Küstengewässern. Er toleriert eine breite Spanne von Wasserparametern und kann sogar in verschmutzten Gewässern überleben, in denen andere Fische nicht mehr leben können.

Lebensweise & Verhalten

Guppys sind lebhafte, gesellige Fische, die ständig in Bewegung sind. Die Männchen sind den ganzen Tag damit beschäftigt, den Weibchen zu imponieren und sie zu umwerben – mit aufgestellten Flossen und intensiven Farbdisplays. Dieses Balzverhalten kann für die Weibchen stressig werden, weshalb du immer mehr Weibchen als Männchen halten solltest (Verhältnis 2:1 oder 3:1).

Der Guppy bewohnt alle Wasserzonern, bevorzugt aber die mittlere und obere Region. Er ist tagaktiv, friedlich gegenüber anderen Fischen und ein idealer Gesellschaftsfisch. In der Natur ist er ein wichtiger Mückenlarvenvertilger und wurde deshalb gezielt in vielen tropischen Gebieten ausgesetzt – mit teils negativen Folgen für die einheimische Fauna.

Ernährung

Der Guppy ist ein unkomplizierter Allesfresser, der praktisch jedes handelsübliche Fischfutter annimmt. Hochwertiges Flockenfutter oder feines Granulatfutter bildet die Basis. Ergänze regelmäßig mit Frostfutter (Artemia, Mückenlarven, Daphnien) und gelegentlich mit feinem Lebendfutter für optimale Gesundheit und Farbentwicklung.

Auch pflanzliche Kost wie Spirulina-Flocken, überbrühter Salat oder fein geriebene Zucchini wird gerne gefressen. Besonders für die farbenprächtigen Zuchtformen ist eine carotinoidreiche Ernährung wichtig, um die Farben intensiv zu erhalten. Füttere mehrmals täglich in kleinen Mengen – Guppys haben einen kleinen Magen und profitieren von häufigen, kleinen Mahlzeiten.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung des Guppys ist legendär einfach – er vermehrt sich praktisch von selbst. Als Lebendgebärender bringt das Weibchen alle 4–6 Wochen 10–100 (selten bis 200) vollständig entwickelte Jungfische zur Welt. Das Weibchen kann das Sperma des Männchens speichern und damit mehrere Würfe ohne erneute Befruchtung produzieren.

Die Jungtiere sind bei der Geburt bereits 5–8 mm groß und schwimmfähig. Sie können sofort feines Futter wie zerriebenes Flockenfutter oder Artemia-Nauplien aufnehmen. Die Elterntiere neigen zum Kannibalismus gegenüber ihren eigenen Jungen, weshalb dicht bepflanzte Bereiche oder ein separates Aufzuchtbecken sinnvoll sind. Die Geschlechtsreife wird mit 2–3 Monaten erreicht.

Haltung im Aquarium

Für Guppys empfiehlt sich ein Aquarium ab 40 Litern, besser 60 Liter oder mehr. Richte das Becken mit einer abwechslungsreichen Bepflanzung ein – dichte Pflanzengruppen bieten den Jungfischen Schutz. Schwimmpflanzen werden ebenfalls geschätzt. Eine sanfte Strömung und eine gute Filterung sorgen für optimale Wasserqualität.

Halte Guppys immer in Gruppen mit einem Überschuss an Weibchen (mindestens 2–3 Weibchen pro Männchen), um Stress durch ständiges Balzverhalten zu vermeiden. Die Wassertemperatur sollte bei 22–28 °C liegen, der pH-Wert bei 6,5–8,0. Guppys bevorzugen mittelhartes bis hartes Wasser. Die Vergesellschaftung mit anderen friedlichen Arten wie Panzerwelsen, kleinen Salmlern oder Garnelen ist problemlos möglich.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Guppy wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist weltweit eine der häufigsten Süßwasserfischarten. Ironischerweise ist der Guppy in vielen Regionen eher ein Problem als gefährdet – als invasive Art verdrängt er einheimische Fische und verändert lokale Ökosysteme.

Die Wildform des Guppys aus den ursprünglichen Habitaten in Venezuela und Trinidad ist durch die Einkreuzung von Zuchtformen und Hybridisierung zunehmend bedroht. Der Schutz der genetisch reinen Wildpopulationen verdient besondere Aufmerksamkeit.

Quellen

  1. FishBase: Poecilia reticulatafishbase.se
  2. Seriously Fish: Poecilia reticulataseriouslyfish.com
  3. IUCN Red List: Poecilia reticulataiucnredlist.org
  4. Kempkes, M. & Nonn, H. (2010): Guppy, Platy, Molly & Co. Dähne Verlag.
  5. Houde, A. E. (1997): Sex, Color, and Mate Choice in Guppies. Princeton University Press.

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