Warum häuten sich Garnelen?
Garnelen besitzen wie alle Krebstiere ein starres Exoskelett (Außenskelett) aus Chitin, das nicht mitwächst. Um zu wachsen, müssen sie diesen Panzer regelmäßig abstreifen und einen neuen, größeren Panzer bilden – diesen Vorgang nennt man Häutung oder Ecdysis. Die Häutung ist ein lebenswichtiger, aber auch riskanter Prozess, bei dem die Garnele für kurze Zeit besonders verwundbar ist.
Junge, wachsende Garnelen häuten sich häufiger als ausgewachsene Tiere – bei Jungtieren kann dies alle paar Tage geschehen, während erwachsene Garnelen sich etwa alle 3–6 Wochen häuten. Auch eitragende Weibchen häuten sich kurz vor der Eiablage, um neue Eier an den frischen Schwimmbeinen befestigen zu können.
Der Ablauf der Häutung
Die Häutung beginnt bereits Tage vor dem eigentlichen Abstreifen der alten Hülle. In der Vorbereitungsphase (Prä-Ecdysis) wird unter dem alten Panzer bereits ein neuer, weicher Panzer gebildet. Kalzium und andere Mineralien werden aus dem alten Panzer gelöst und teilweise in speziellen Speicherorganen (Gastrolithen) für den neuen Panzer zwischengelagert.
Beim eigentlichen Häutungsvorgang platzt der alte Panzer an der Nahtstelle zwischen Kopfbruststück und Hinterleib auf. Die Garnele zieht sich mit schnellen, zuckenden Bewegungen aus der alten Hülle heraus – ein Vorgang, der nur wenige Sekunden dauert. Die frisch gehäutete Garnele ist weich, blass und deutlich größer als zuvor, da der neue Panzer noch flexibel ist und sich ausdehnt.
In der Nachhärtungsphase (Post-Ecdysis) nimmt die Garnele Wasser auf, um den neuen Panzer zu dehnen, und beginnt sofort mit der Einlagerung von Mineralien zur Verhärtung. Dieser Prozess dauert je nach Art und Bedingungen 24–72 Stunden. In dieser Zeit versteckt sich die Garnele und ist besonders anfällig für Fressfeinde und aggressive Artgenossen.
Mineralien und Häutung
Für eine erfolgreiche Häutung benötigen Garnelen ausreichend Kalzium, Magnesium und andere Spurenelemente im Wasser. Diese Mineralien werden für den Aufbau des neuen Panzers verwendet. Ein Mangel führt zu Häutungsproblemen – die Garnele kann den alten Panzer nicht vollständig abstreifen oder der neue Panzer bleibt zu weich.
Die Gesamthärte (GH) des Wassers ist der wichtigste Indikator für die Mineralienversorgung. Stelle sicher, dass die GH im artgerechten Bereich liegt. Ergänze das Angebot durch Sepiaschale (eine natürliche Kalziumquelle), Mineralfutter und getrocknete Blätter, die beim Zersetzen Mineralien freisetzen. Auch die abgestreifte alte Hülle sollte im Becken belassen werden – die Garnelen fressen sie und recyceln so die enthaltenen Mineralien.
Häutungsprobleme erkennen
Häutungsprobleme äußern sich auf verschiedene Weise: Die Garnele kann in der alten Hülle steckenbleiben (sogenannter „White Ring of Death" – ein weißer Ring am Übergang zwischen Kopfbruststück und Hinterleib), der neue Panzer bleibt zu weich, oder die Garnele stirbt während des Häutungsvorgangs.
Warnsignale sind Lethargie, häufiges Verstecken, Futterverweigerung und eine ungewöhnlich lange Häutungsdauer. Wenn du eine Garnele beobachtest, die offensichtlich Schwierigkeiten bei der Häutung hat, kannst du in der Regel nicht helfen – jeder Eingriff würde die Situation verschlimmern. Konzentriere dich stattdessen auf die Prävention durch optimale Wasserwerte.
Optimale Bedingungen schaffen
Stabile Wasserwerte sind der Schlüssel zur Vermeidung von Häutungsproblemen. Vermeide große, plötzliche Wasserwechsel, die die Garnelen zu einer vorzeitigen Häutung anregen können, bevor der neue Panzer vollständig vorbereitet ist. Regelmäßige, kleine Wasserwechsel (10–15 % pro Woche) sind besser als seltene, große Wechsel.
Die Temperatur beeinflusst die Häutungsfrequenz: Bei höheren Temperaturen häuten sich Garnelen häufiger, was den Mineralienbedarf erhöht. Halte die Temperatur im optimalen Bereich für deine Art und vermeide starke Schwankungen. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Mineralien und Proteinen unterstützt den Häutungsprozess.
Nach der Häutung
Nach der Häutung ist die Garnele für 24–72 Stunden besonders verwundbar. In dieser Zeit solltest du für ausreichend Versteckmöglichkeiten sorgen, damit sich das Tier zurückziehen kann. Vermeide Störungen im Becken – keine Wasserwechsel, keine Umgestaltungen und keine hektischen Bewegungen in der Nähe des Aquariums.
Lass die abgestreifte Hülle (Exuvie) im Becken. Sie wird von den Garnelen gefressen und liefert wertvolle Mineralien für den nächsten Häutungszyklus. Wenn du eine leere Exuvie findest, ist das ein gutes Zeichen – es bedeutet, dass eine Garnele sich erfolgreich gehäutet hat. Verwechsle die transparente, leere Hülle nicht mit einer toten Garnele – bei genauerem Hinsehen erkennst du, dass sie hohl ist.
Quellen
- Werner Klotz & Andreas Karge (2013): Süßwassergarnelen aus aller Welt. Dähne Verlag.
- Chang, E.S. & Mykles, D.L. (2011): Regulation of crustacean molting. American Zoologist, 51, 111–127.
- Lukhaup, C. & Pekny, R. (2010): Garnelen, Krebse und Krabben im Süßwasseraquarium. Dähne Verlag.
