Die Haibarbe ist trotz ihres Namens kein Hai, sondern ein friedlicher Karpfenfisch aus Südostasien, der durch seine elegante, silberne Erscheinung und die schwarz gesäumten Flossen an einen kleinen Hai erinnert. Mit bis zu 35 cm Länge wird sie oft viel zu groß für die meisten Heimaquarien – ein häufiger Anfängerfehler.
| Wissenschaftlicher Name | Balantiocheilos melanopterus |
| Ordnung | Karpfenartige (Cypriniformes) |
| Familie | Karpfenfische (Cyprinidae) |
| Gattung | Balantiocheilos |
| Größe | 25–35 cm |
| Gewicht | 200–500 g |
| Lebenserwartung | 8–10 Jahre |
| Verbreitung | Südostasien (Borneo, Sumatra, Malaiische Halbinsel) |
| Lebensraum | Süßwasser – Flüsse, Seen und überflutete Wälder |
| Schutzstatus | Stark gefährdet (EN) – IUCN |
| Aquarium | ab 300 Liter (besser 500+ Liter) |
| Temperatur | 22–28 °C |
| pH-Wert | 6.0–8.0 |
| Wasserhärte | 5–15 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Die Haibarbe erreicht eine Körperlänge von 25–35 cm und besitzt einen torpedoförmigen, stromlinienförmigen Körper, der an einen kleinen Hai erinnert. Die Grundfärbung ist einheitlich silbrig mit einem metallischen Glanz. Alle Flossen sind gelblich bis orange mit einem breiten, markanten schwarzen Rand – ein Merkmal, das ihr das Aussehen eines Miniatur-Hais verleiht.
Die Augen sind relativ groß, das Maul endständig mit einem Paar kurzer Barteln. Die Rückenflosse ist hoch und dreieckig, was den haiartigen Eindruck verstärkt. Jungtiere sind noch relativ blass und kompakt, entwickeln aber mit zunehmendem Alter die charakteristische silberne Färbung und die schwarzen Flossenränder. Die Geschlechter sind äußerlich kaum zu unterscheiden.
Verbreitung & Lebensraum
Die Haibarbe stammt aus Südostasien und kommt auf Borneo, Sumatra und der Malaiischen Halbinsel vor. Ihr natürlicher Lebensraum sind größere Flüsse, Seen und saisonal überflutete Wälder. In den letzten Jahrzehnten sind die Wildbestände dramatisch zurückgegangen, und die Art gilt in vielen Teilen ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets als verschwunden.
In der Natur bevorzugt die Haibarbe klare bis leicht trübe Gewässer mit mäßiger Strömung. Sie lebt in Schwärmen und unternimmt saisonale Wanderungen in Überschwemmungsgebiete zur Nahrungssuche. Die Zerstörung der Lebensräume durch Staudämme, Abholzung und Umweltverschmutzung hat die Wildpopulationen stark dezimiert.
Lebensweise & Verhalten
Die Haibarbe ist ein aktiver, schnell schwimmender Schwarmfisch, der ständig in Bewegung ist. Sie durchquert das gesamte Becken in elegantem, ruhigem Schwimmen und kann bei Erschrecken blitzartig davonschießen – dabei kann sie gegen die Scheiben prallen und sich verletzen. Eine Abdeckung und keine zu schreckhaften Umgebungsbedingungen sind daher wichtig.
Die Art ist grundsätzlich friedlich und verträgt sich mit den meisten Beifischen, sofern diese nicht klein genug sind, um gefressen zu werden. Eine Haltung in Gruppen von mindestens 5 Tieren ist empfehlenswert, da Einzeltiere oft scheu und nervös werden. In der Gruppe zeigen sie ein beruhigtes, natürliches Schwarmverhalten.
Ernährung
Die Haibarbe ist ein Allesfresser, der in der Natur Insekten, Würmer, Krebstiere, Algen und Pflanzenmaterial frisst. Im Aquarium akzeptiert sie bereitwillig hochwertiges Flockenfutter, Granulat und Futtertabletten. Aufgrund ihrer Größe solltest du auf großkörniges Futter setzen.
Ergänze den Speiseplan regelmäßig mit Frostfutter (Mückenlarven, Artemia, Krill) und pflanzlicher Kost (Spirulina-Tabs, überbrühter Salat, Erbsen). Eine abwechslungsreiche Ernährung fördert die Gesundheit und das glänzende Erscheinungsbild. Füttere zwei- bis dreimal täglich in Mengen, die innerhalb weniger Minuten aufgefressen werden.
Fortpflanzung
Die Zucht der Haibarbe im Heimaquarium ist praktisch unmöglich und bisher nur in großen kommerziellen Zuchtanlagen mit Hormonstimulation gelungen. Die Geschlechtsunterschiede sind minimal – reife Weibchen sind etwas fülliger im Bauchbereich. In der Natur laicht die Art vermutlich in überfluteten Wäldern während der Regenzeit.
Die Fische sind Freilaicher und streuen ihre Eier im offenen Wasser. Alle im Handel erhältlichen Exemplare stammen aus Zuchtfarmen in Südostasien, wo die Fortpflanzung durch Hormoninjektionen ausgelöst wird. Natürliche Nachzuchten im Aquarium sind nicht dokumentiert.
Haltung im Aquarium
Die Haibarbe benötigt ein großes Aquarium ab 300 Litern, besser 500 Liter oder mehr, mit einer Kantenlänge von mindestens 150 cm. Viel freier Schwimmraum ist wichtiger als eine dichte Bepflanzung. Eine sanfte Strömung, eine leistungsfähige Filterung und eine dicht schließende Abdeckung (Springer!) sind unerlässlich.
Die Wassertemperatur sollte zwischen 22 und 28 °C liegen, der pH-Wert bei 6,5–8,0. Halte die Tiere in einer Gruppe von mindestens 5 Exemplaren. Die Haibarbe wird leider oft als kleiner Jungfisch verkauft, ohne dass der Käufer über die Endgröße informiert wird – viele Tiere landen dann in zu kleinen Becken. Informiere dich vor dem Kauf über die tatsächlichen Anforderungen dieses imposanten Fisches.
Gefährdung & Schutzstatus
Die Haibarbe wird von der IUCN als „Endangered" (stark gefährdet) eingestuft. Die Wildpopulationen auf Borneo und Sumatra sind durch Lebensraumzerstörung (Abholzung, Staudämme), Wasserverschmutzung und Überfischung dramatisch zurückgegangen. Auf der Malaiischen Halbinsel gilt die Art möglicherweise als ausgestorben in der Wildnis.
Paradoxerweise ist die Haibarbe in der Aquaristik einer der häufigsten Süßwasserfische. Millionen von Exemplaren werden jährlich in Zuchtfarmen produziert. Programme zur Wiederansiedlung in natürlichen Gewässern werden diskutiert, sind aber durch die anhaltende Zerstörung der Lebensräume erschwert.
Quellen
- FishBase: Balantiocheilos melanopterus – fishbase.se
- IUCN Red List: Balantiocheilos melanopterus – iucnredlist.org
- Seriously Fish: Balantiocheilos melanopterus – seriouslyfish.com
- Kottelat, M. (2013): The Fishes of the Inland Waters of Southeast Asia. Raffles Bulletin of Zoology.
- Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.
