Süßwasserschnecken

Posthornschnecke (Planorbarius corneus)

4 Min. Lesezeit
Heimische Posthornschnecke

©Andrea Bernd

Zusammenfassung

Die Posthornschnecke ist eine der bekanntesten heimischen Süßwasserschnecken und ein beliebter Aquarienbewohner. Ihr flaches, scheibenförmiges Gehäuse erinnert an ein Posthorn. Neben der braunen Wildform gibt es attraktive Zuchtformen in Rot, Blau und Rosa.

Die Posthornschnecke ist eine der bekanntesten heimischen Süßwasserschnecken und ein beliebter Aquarienbewohner. Ihr flaches, scheibenförmiges Gehäuse erinnert an ein Posthorn. Neben der braunen Wildform gibt es attraktive Zuchtformen in Rot, Blau und Rosa.

Steckbrief: Posthornschnecke (Planorbarius corneus)
Wissenschaftlicher NamePlanorbarius corneus
OrdnungBasommatophora
FamilieTellerschnecken (Planorbidae)
GattungPlanorbarius
Größe2–4 cm (Gehäusedurchmesser)
Lebenserwartung2–3 Jahre
VerbreitungEuropa, Westasien
LebensraumStehende und langsam fließende Gewässer
SchutzstatusNicht gefährdet (LC)
Aquariumab 10 Liter
Temperatur4–25 °C
pH-Wert6,5–8,0
Wasserhärte5–20 °dGH

Beschreibung & Aussehen

Die Posthornschnecke besitzt ein flaches, scheibenförmig aufgerolltes Gehäuse mit einem Durchmesser von 2–4 cm. Das Gehäuse ist planspiral gewunden – es liegt in einer Ebene und ähnelt in seiner Form einem Posthorn, woher der Name stammt. Die Wildform zeigt ein dunkelbraunes bis olivfarbenes Gehäuse mit einer durchscheinenden, hornigen Struktur.

In der Aquaristik sind verschiedene Zuchtformen beliebt: Die rote Posthornschnecke (durch fehlende Melaninpigmente erscheint das hämoglobinreiche Blut durch das Gehäuse), blaue und rosafarbene Varianten. Der Weichkörper der Wildform ist dunkelbraun bis schwärzlich, bei roten Formen leuchtend rot. Als Lungenschnecke besitzt sie keinen Deckel. Zwei schlanke Fühler am Kopf tragen an ihrer Basis die Augen.

Verbreitung & Lebensraum

Die Posthornschnecke ist in ganz Europa und Teilen Westasiens verbreitet. Sie bewohnt stehende und langsam fließende Gewässer wie Teiche, Seen, Gräben, Altarme und Weiher. Die Art bevorzugt pflanzenreiche Gewässer mit schlammigem Grund und meidet schnell fließende Bäche und Flüsse.

Als robuste heimische Art toleriert die Posthornschnecke ein breites Temperaturspektrum von 4 bis 25 °C und übersteht auch den Winter unter einer Eisdecke. In der Natur findet man sie oft in großer Zahl auf Wasserpflanzen, Totholz und Steinen, wo sie Algenaufwuchs abweidet. Auch in Gartenteichen ist sie ein häufiger und willkommener Bewohner.

Lebensweise & Verhalten

Posthornschnecken sind sowohl tag- als auch nachtaktiv und bewegen sich gemächlich über Scheiben, Pflanzen und Dekorationsgegenstände. Als Lungenschnecke steigt sie regelmäßig zur Wasseroberfläche, um Luft zu atmen. Dabei nutzt sie ihren Fuß, um sich an der Unterseite der Wasseroberfläche hängend fortzubewegen.

Eine Besonderheit der Posthornschnecke ist, dass ihr Blut Hämoglobin enthält – dasselbe Protein, das auch menschliches Blut rot färbt. Dadurch kann sie auch in sauerstoffarmen Gewässern überleben, da das Hämoglobin Sauerstoff effizienter bindet als das bei den meisten anderen Schnecken vorkommende Hämocyanin. Im Winter reduziert sie ihre Aktivität stark, verfällt aber nicht in eine echte Winterruhe.

Ernährung

Die Posthornschnecke ist ein vielseitiger Allesfresser. Sie raspt Algenbeläge von Oberflächen, frisst abgestorbene Pflanzenteile, Futterreste und Aas. Lebende, gesunde Pflanzen werden nur selten angefressen – meist nur bei extremem Nahrungsmangel oder bei sehr weichblättrigen Pflanzenarten.

Im Aquarium kannst du zusätzlich überbrühtes Gemüse (Zucchini, Gurke, Spinat, Löwenzahn), Seemandelbaumblätter, Welstabletten und Spirulina-Flocken anbieten. Für den Gehäuseaufbau ist eine gute Kalziumversorgung wichtig – Sepiaschalen oder Eierschalen sollten stets zur Verfügung stehen. Die roten Zuchtformen haben tendenziell einen höheren Kalziumbedarf, da ihre Gehäuse oft dünner und brüchiger sind als die der Wildform.

Fortpflanzung

Posthornschnecken sind Zwitter – jedes Tier besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Zur Paarung treffen sich zwei Tiere und befruchten sich gegenseitig. Eine Selbstbefruchtung ist möglich, aber selten. Die Eiablage erfolgt in flachen, gallertartigen Gelegen, die an Scheiben, Pflanzenblättern und harten Oberflächen befestigt werden.

Jedes Gelege enthält 10–40 Eier, die in einer durchsichtigen Gallerthülle eingebettet sind. Die Entwicklung dauert je nach Wassertemperatur 10–30 Tage. Die schlüpfenden Jungschnecken sind etwa 2 mm groß und wachsen bei guter Fütterung relativ schnell heran. Die Geschlechtsreife wird nach 3–6 Monaten erreicht. Bei reichlichem Nahrungsangebot kann sich die Posthornschnecke stark vermehren – eine Kontrolle durch angepasste Fütterung ist empfehlenswert.

Haltung im Aquarium

Die Posthornschnecke ist ein idealer Anfänger-Schneck und stellt kaum Ansprüche an die Haltung. Bereits ein Becken ab 10 Liter reicht für eine kleine Gruppe aus. Die Wassertemperatur kann zwischen 4 und 25 °C liegen – die Art eignet sich daher sowohl für tropische als auch für unbeheizte Aquarien und Kaltwasserbecken. Der pH-Wert sollte zwischen 6,5 und 8,0 liegen.

Mittelhartes bis hartes Wasser (GH 8–20) wird bevorzugt, da die Schnecken Kalzium für den Gehäuseaufbau benötigen. In zu weichem Wasser können die Gehäuse löchrig werden (Lochfraß). Posthornschnecken lassen sich problemlos mit friedlichen Fischen, Garnelen und anderen Schnecken vergesellschaften. Schmerlen und Kugelfische solltest du vermeiden, da sie Schnecken fressen.

Gefährdung & Schutzstatus

Die Posthornschnecke ist in Europa weit verbreitet und nicht gefährdet. In einigen Regionen gehen die Bestände jedoch durch den Verlust geeigneter Gewässer, Gewässerverschmutzung und die Begradigung von Fließgewässern zurück. In Deutschland ist die Art nicht besonders geschützt, profitiert aber vom allgemeinen Gewässerschutz.

In der Aquaristik ist die Posthornschnecke eine der am häufigsten gehaltenen und gezüchteten Schneckenarten. Die verschiedenen Farbformen werden in großer Zahl nachgezüchtet und sind günstig im Handel erhältlich. Als heimische Art kann die Posthornschnecke auch im Gartenteich gehalten werden.

Quellen

  1. Gloer, P. (2019): Süßwassergastropoden Nord- und Mitteleuropas. ConchBooks.
  2. Gastropods.com – Planorbidae – gastropods.com
  3. Glöer, P. & Meier-Brook, C. (2003): Süßwassermollusken. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung.
  4. AquaInfo: Posthornschnecke – aqua-info.de

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